Umzugsprojekt in der Diskussion: Kommt altes Hortenhaus mit Sinn in Mode?

Umzugsprojekt in der Diskussion: Kommt altes Hortenhaus mit Sinn in Mode?

Ob das Sinn macht? Buchstäblich, vermutlich. Hinter den Kulissen laufen seit Wochen intensive Verhandlungen über einen der größten Umzüge der Aachener Einzelhandelsgeschichte. Der Aachener Stammsitz des Modehauses Sinn könnte einige hundert Meter entfernt eine neue Heimat finden: im ehemaligen Lust for Life.

Das alte Hortenhaus steht seit über 15 Monaten leer. Der Eigentümer, die Aachener Projektentwickler Landmarken AG, und die Sinn-Geschäftsführung haben über die laufenden Vertragsgespräche Stillschweigen vereinbart. Offizielle Kommentare zu dem Projekt aus den beiden Unternehmen gibt es deshalb nicht.

Der geplante Mode-Coup wird bereits im Rathaus und in politischen Kreisen – natürlich ebenfalls hinter vorgehaltener Hand – diskutiert. Ob damit der geplante Food-Court im „Ex-L4L“ vom Tisch ist, bleibt offen. Jedenfalls stehen insgesamt 18.473 Quadratmeter Nutzfläche am Ende des teils trostlosen Dahmengrabens zur Verfügung. Derzeit muss Sinn an der Ecke Mostard-/Großkölnstraße mit 5500 Quadratmetern auskommen. Eine Erweiterung um mehrere tausend Quadratmeter ist seit langem im Gespräch – aber der ambitionierte Erweiterungsneubau in Marktnähe scheiterte offenbar am Veto eines der beiden Hauseigentümer. Man sei nun Richtung Mefferdatis-/Komphausbadstraße auf einem guten Weg, heißt es. Auch wenn der Ausgang noch offen sei...

Damit käme endlich Bewegung in den viel kritisierten Stillstand im zentralen Aachener Einzelhandel. Zuletzt hatte die Initiative Aachen mit ihrem Gutachterausschuss für Schlagzeilen gesorgt, weil man fast den kompletten inneren Grabenring Aachens und eben sogar die ehemals florierende Einkaufsmeile Dahmengraben als sogenannte „einzelhandelsrelevante Zone“ von der Stadtkarte gestrichen hatte. Zu wenig Passanten und Kunden, zu wenig Geschäfte, zu viele Leerstände – und so weiter.

Zur Erhebung der Initiative Aachen, die sich auf die Entwicklung des innerstädtischen Einzelhandels - und der Mietpreisentwicklung im Speziellen - bezieht, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir sehen die Entwicklung des Aachener Innenstadt-Einzelhandels überhaupt nicht so pessimistisch. So können Korrekturen in der Mietpreisentwicklung durchaus von Vorteil sein. Sinken die zum Teil extrem hohen Mieten, kann dies eine Chance sein für kleinere Geschäfte, die inhabergeführt sind und eine hochwertiges Angebot bereithalten. Die Innenstadt kann dadurch sogar an Attraktivität gewinnen.“

Dass der Einzelhandel wegen des Internethandels Probleme hat, so Philipp, sei kein spezifisches Aachener Phänomen. „Gleichwohl sind wir gerade in Aachen durch eine Reihe von Initiativen, vom Shopping-Lab bis hin zu gezielten Aktivitäten mit dem Digital Hub, auf einem guten Weg, den stationären Einzelhandel mit den Herausforderungen der Digitalisierung in Einklang zu bringen.“

Natürlich unterstreicht Philipp, es sei eine Herausforderung gerade  den Standort Innenstadt – und vor allem den Bereich zwischen Bushof über den Büchel bis zum Markt – positiv zu entwickeln. „Das ist eine ausgesprochen komplexe Aufgabe, bei der die Kommunalpolitik in der Verantwortung ist“, betont der OB. Aber: Die Entwicklung sei nie isoliert auf eine Immobilie zu sehen, „es geht vielmehr um eine Entwicklung, die sich aus vielen Bestandteilen zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Jede größere Entscheidungen zieht weitere Veränderungen nach sich, insgesamt ist das positiv.“ Philipp spricht von „vielen Investitionsthemen, die auf dem Tisch liegen und die uns signalisieren, dass es viele positive Entscheidungen für Aachen gibt und geben wird“. Und er deutet an, dass es schon in nächster Zeit ausgesprochen zuversichtlich stimmende Nachrichten geben werde...

Auch Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW (Aachen-Düren-Köln), konstatiert, dass es um den Aachener Einzelhandel „nicht überall gut bestellt ist“. Dennoch: „Ganze Einzelhandelslagen als nicht mehr relevant einzustufen, halte ich dann doch für übertrieben“, sagt er. Das Büchel-Quartier müsse „ein großer Wurf“ werden, um auch im Umfeld Einzelhändler wieder mitzureißen. „Viele sind wegen des Stillstands frustriert“, erklärt Hamel.

Der Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreises City (MAC), Manfred Piana, warnt davor, immer neue und zusätzliche Einzelhandelsbereiche zu bauen. „Das ist auch in einer Stadt wie Aachen nicht unendlich erweiterbar“, sagt er. Der Dahmengraben indes sei klassischer Einzelhandelsbereich,  der sofort wiederbelebt würde, wenn ein Kundenmagnet ins verwaiste alte Hortenhaus ziehe. Man dürfe aber auch andere Brachen, etwa das leere Wehmeyer-Haus in Händen von Peek & Cloppenburg an der Adalbertstraße, nicht vernachlässigen.

Die Zeitpläne sind derzeit unklar. Doch während die Nachricht über den ins Visier genommenen Sinn-Umzug dort die Einzelhandelswelt elektrisieren dürfte, würde an der Großkölnstraße ein Stecker gezogen. Auch wenn dort schon über eine neue Wohnbebauung in zentraler Lage mit aufs Erdgeschoss beschränkten Einzelhandelslokalen spekuliert wird.

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