Kommentiert: Und daher bleibt das Rotlicht am Büchel an

Kommentiert: Und daher bleibt das Rotlicht am Büchel an

Unser Bordell soll schöner werden! Nein, das ist kein Slogan aus dem Jahr 2017.

Schon in den 1980er und 1990er Jahren gab es Bemühungen, den Rotlichtbezirk in der Antonius-straße so zu gestalten, dass man Gestaltungsspielraum für das Nikolausviertel — das damals noch gar nicht so genannt wurde — bekommt. Wenn man sich jetzt die aktuelle Entwicklung ansieht mit Aussicht auf schöne Bordelle und noch schönere Wohnungen, dann zeigt sich eines: Die Geschichte des Nikolausviertels ist eine Geschichte des kollektiven Versagens von Rat und Verwaltung über viele Jahre hinweg!

Natürlich kann der Rat jetzt den Zug nicht mehr stoppen. Es sind Voraussetzungen und Fakten geschaffen worden, die andere Lösungen versperren oder zumindest auf Jahre aufschieben. Weil bis auf die FDP niemand ernsthaft daran gedacht hat, Aachens Bordell zu verlagern. Okay, vielleicht hat man daran gedacht. Aber es war bis auf die Liberalen niemand so frei, das auch anzugehen.

Und warum? Weil es in der causa Antonius-straße schon immer an Mut gefehlt hat — bei Politik und Verwaltung. Wenn sich jetzt der Oberbürgermeister mit Macht gegen den Rat stellt, darf man schon fragen, warum er diese Position nicht schon viel früher eingenommen hat. Jetzt, wo der Polizeipräsident sich in bisher nicht gekannter Deutlichkeit in Fragen der Stadtentwicklung zu Wort meldet, wird dem plötzlich beigepflichtet! Ein bisschen viel zu spät, diese Reaktion.

Warum also wurde die Verlagerung nie ernsthaft in Erwägung gezogen? Die soziale Sicherheit der Prostituierten ließe sich anderswo nicht gewährleisten, hieß es immer. Ein durchaus wichtiger Anspruch. Aber wenn ein Staat mit seinen Vollzugsorganen soziale Sicherheit für Menschen nicht überall garantieren kann, ist das eine komplette Bankrotterklärung. Jetzt sagt die Polizei im Umkehrschluss, sie könne in und rund um das geplante Laufhaus nicht ausreichend auf Kriminalität reagieren. Da verlagert sich die Sichtweise. Vertrackt, oder?

Nein, es hat auch niemand ernsthaft einen anderen Standort in Erwägung gezogen. Weil die sonst politisch Lautsprechenden in den Fraktionen wohl still und leise Angst vor dem Konflikt mit den Parteifreunden in den Bezirken haben. Klar, wer will schon in seinem Umfeld ein Bordell ansiedeln? Keine einfache Frage. Und weil dies so ist, hätte es eines langfristigen Diskurses bedurft, um die bestmögliche Lösung zu bekommen — für die gesamte Stadt.

Wer weiteren Stillstand am Büchel verhindern will, muss wohl oder übel für die jetzt aktuelle Planung stimmen. Wer wagemutig antritt, Politik für die Bürger zu machen, von dem hätte man mit Sicherheit Mut, Entscheidungskraft und Visionen erwarten dürfen. Jetzt wird das Bordell schöner — und Aachen behält die rote Laterne in der City. Glückwunsch!