Kommentiert: Es bleibt anders

Kommentiert: Es bleibt anders

Das Parkhaus Büchel wird abgerissen! Dem wird wohl keiner widersprechen. Aber wann? Gute Frage, nächste Frage. Die Aachener Investoren Norbert Hermanns und Gerd Sauren haben diese Woche zumindest betont, man wolle bis Ende des Jahres die Unterschriften unter den Kaufvertrag setzen.

Die Politik hat jetzt einen städtebaulichen Wettbewerb beschlossen, der das gesamte Viertel umfasst, nicht nur das Grundstück der maroden Parkgarage. Es geht um Wohnen, um Geschäfte, um hohe Qualität im Herzen der Altstadt. Ein Knackpunkt ist dabei auch die Antoniusstraße. Zu einer Verlagerung des Rotlichtmilieus will sich die Politik nicht durchringen. Das Parkhaus wird abgerissen!

Gesagt wurde das bereits vor zehn Jahren, geparkt wird am Büchel immer noch. Auch zum Weihnachtsgeschäft 2015? Oder kommt doch Fahrt auf? Die Vergangenheit lehrt, nicht allzu großen Optimismus walten zu lassen. Zumal es mit der Diskussion darüber, wie es mit dem Ersatz für den am Kaiserplatz weggefallenen Wohnraum weitergeht, einen neuen Bremsklotz gibt.

Damit die Stadt mit der Carolus-Therme nicht baden geht, soll eine Millionendusche her. Um das Bad attraktiver zu machen. Weil die Konkurrenz nicht schläft und — zum Beispiel — nächstes Jahr im schnuckeligen Wohlfühl-Städtchen Euskirchen eine Thermen- und Bäderwelt eröffnet. Von fünf Millionen Euro ist die Rede, wenn es darum geht, den Standort Passstraße aufzuhübschen.

Vor allem im Saunabereich, wie es heißt. Nur: Woher das Geld nehmen? Schon jetzt bezuschusst die Stadt die Therme mit rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Angesichts chronisch knapper Kassen muss sich die Politik schon etwas ganz Besonderes einfallen lassen, damit die Renovierungspläne nicht in den Schubladen verschwinden.

Gar nicht gerne hört man derlei Gedankenspiele bei den privaten Saunabetreibern. Sie fürchten das Wettrennen um die Freunde schweißtreibender Freizeitbeschäftigung zu verlieren. Unlauterer Wettbewerb? Wohl zu hoch gegriffen. Der Stadt bleibt es unbenommen, in ihre Immobilien zu investieren, was sie möchte — oder kann.Der Vorschlag, die privaten Betreiber mit an einen runden Tisch zu bitten, um gemeinsam Perspektiven der „Wellness-Region“ zu erarbeiten, erscheint hingegen durchaus sinnvoll.

Auch die Marktbeschicker haben so ihre Probleme mit den finanziellen Vorhaben der Stadt. Konkret geht es um die Erhöhung der Standgebühren. Vor zwei Jahren bereits drehte die Kämmerin an der sprichwörtlichen Schraube. Und zwar kräftig! 20 Prozent durften es mehr sein. Jetzt sind „nur“ 13 Prozent im Gespräch. Aber manch einem könnte das schon die komplette Kostenkalkulation durcheinander bringen. Von Existenzgefährdung ist die Rede.

Wenig Verständnis bringt die Politik der neuerlichen Diskussion um die Verlagerung des Sportplatzes der Brander Borussia entgegen. Plötzlich regt sich eine Opposition, die Traditionalisten im Verein wollen an der Karl-Kuck-Straße bleiben, der Vereinsvorstand ist klar für die neue Heimat am Brander Wall. FDP-Ratsherr Peter Blum brachte es in der Sitzung der Bezirksvertretung Brand auf den Punkt: „Nach der Lösung Brander Wall würden sich andere Vereine die Finger lecken.“

Will heißen: Die Bedingungen für die Borussia werden auf dem neuen Sportplatz um ein Vielfaches besser sein. Da muss man sich eben von manch lieb gewonnener Tradition verabschieden. Es muss der Borussia ja nicht so gehen wie der Alemannia. Deren Niedergang begann mit dem Umzug ins neue Stadion...

Die Woche in Aachen: Es brummt im Städtchen, schon mittags sind die Parkhäuser dicht. Vorweihnachtsstress. Gönen Sie sich daher ein ruhiges Wochenende. In diesem Sinne!