Kommentiert: Eine Bastion amtlich-verbaler Diskriminierung fällt

Kommentiert: Eine Bastion amtlich-verbaler Diskriminierung fällt

Endlich ist es soweit: Die Verwaltung hat offensichtlich wieder Zeit, sich um die wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern.

Und endlich ist es deswegen jetzt auch soweit, dass eine der letzten Bastionen amtlich-verbaler Diskriminierung von Frauen von der Bildfläche verschwindet: der Architektenbeirat. Das wurde aber auch Zeit. Schließlich stammt der patriarchalische Begriff noch aus den 1950er Jahren, als der Architektenbeirat gegründet wurde.

Und auch in den 1990er Jahren, als das Gremium neu aufgestellt wurde, blieb der Beirat zumindest verbal eine reine Männerdomäne. Nicht mal die an der Reform beteiligten Grünen reagierten angemessen auf die Diskriminierung der berufstätigen Frau. Denn eines sei mal festgestellt: Im Architektenbeirat sitzen längst nicht nur Architekten. Von sieben externen Experten sind zwei Expertinnen, nämlich eben Architektinnen. Auch der Vorsitzende ist heutzutage eine Vorsitzende. Zudem entsendet die Politik fachkundiges Personal — fast ausnahmslos Architekten. Und eine Architektin.

Bemerkt hat die Diskriminierung die Linksfraktion. Und stellte den Ratsantrag, den Architektenbeirat umzubenennen — in Architekturbeirat. Schließlich sei es ja nun seit vielen Jahren im Zuge der Gleichberechtigung von Mann und Frau üblich, bei allen offiziellen Bezeichnungen, Schreiben und Namensgebungen eine geschlechtsneutrale Bezeichnung zu wählen oder die männliche oder weibliche Form in gleicher Weise zu verwenden.

Das war am 8. Dezember 2016. Am 21. Dezember schlug der Antrag im Stadtrat ein. Doch da wollte man es sich nicht so leicht machen mit der Umfirmierung des Traditionsbeirats, der so etwas wie die „graue Eminenz“ unter den Gremien ist. Kein Normalbürger war je dort, weil er immer hinter verschlossenen Türen tagt. Und doch hat er bei Neubauvorhaben Macht. Investoren und -innen gehen da immer mit einem mulmigen Gefühl hin. Die Stadträte und -rätinnen also gaben der Verwaltung erstmal den Auftrag, den Antrag weiter zu bearbeiten.

Der Stand knapp zehn Monate später: Zwischenzeitlich hat man erstmal in der Verwaltung über das heiße Thema diskutiert und dann im März mit dem Noch-Architektenbeirat. Von März bis September ist eine Vorlage für den Planungsausschuss erstellt worden, in der nun das Ergebnis der intensiven Beratung präsentiert wird. Nein, gewonnen hat nicht der Architekturbeirat.

Das Kind soll „Gestaltungsbeirat“ heißen. Das sei auch geschlechtsneutral und spiegele zudem das „breite Aufgabenspektrum im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung“ wider. Aha. Und außerdem heißt das Gremium auch anderswo — von Ahlen bis Waldbröl und von Havixbeck bis Gütersloh — so. Zumal: Dieser Name lässt bei Bedarf mannigfaltige Erweiterungen des Arbeitsspektrums zu. Die Gestaltung der Bildungslandschaft vielleicht. Oder die Gestaltung des Straßenbegleitgrüns.

Aufgabe also erledigt. Also ran an die nächste Antdiskriminierungsmaßnahme. Vorschlag: der Seniorenrat. Auf der, die, das Ergebnis sind wir schon gespannt.