Aachen: Kokett am Klavier ohne Glitzer

Aachen : Kokett am Klavier ohne Glitzer

Da steht sie, lächelnd, im wunderschönen Traumkleid. Rosen fliegen auf die Bühne, Kusshände werden ins Publikum verteilt und der Applaus möchte kein Ende nehmen. Sie, die Diva, badet im Applaus, während am Klavier, fast schon verschämt, die Pianistin mit ihrem Instrument verschmilzt.

Dieses Bild wird so manchem Pianisten und Musiker, der schon einmal Solisten begleitet hat, bekannt vorkommen, und diesem, natürlich auch überspitzten Bild, widmete sich Ursula Wawroschek in der Klangbrücke.

„Diva-Abend… eine Pianistin ist auch dabei“, lautete der Titel des rund 80-minütigen Programms, mit dem Pianistin und Komponistin Wawroschek vor ausverkauftem Haus begeisterte. Mit Eigenkompositionen und viel Witz aus der Welt des Musikerlebens spielte sie sich in die Herzen der Zuhörer.

„Das Klavier ist auch schon da“, stellte sie lapidar fest, als sie auf die Bühne kam. Immerhin: Bei manchen anderen Gelegenheiten kam das auch mal ganz „kurz vor knapp“ auf die Bühne. Schlecht für den Musiker, denn jedes Klavier ist anders und verlangt nach eigener Spielweise. Das quietschende Pedal etwa muss erkannt und richtig behandelt werden.

Nun denn, das Klavier war immerhin da, es fehlte aber die Diva. Zur Überbrückung der Wartezeit spielte Wawroschek das traumhaft schöne Stück „Fantaisie impromptu cis-moll“ von Chopin. „Chopins Musik ist Öl für Pianisten“, resümierte sie. Es fließe einfach alles. Nur von der Diva war immer noch keine Spur. Sie tauchte auch, wie zu erwarten war, bis zum Schluss nicht auf.

Also griff die Pianistin zum Mikrofon und begleitete sich selbst auf dem Klavier. Inklusive Zugabe spielte Wawroschek an dem Abend zwölf Titel. Darunter Heiteres, aber auch Melancholisch-Wehmütiges. „Was er mir zeigt, ist doch alles nicht wahr“, sang sie über das Verhältnis von Menschen und Spiegeln, sie sang über die Hybris des Menschen und natürlich auch wieder über die Diva: „Ach, Diva, darf ich Sie begleiten?“

Dass das Leben als Musiker nicht immer glamourös ist, dürfte bekannt sein, dass frau aber auch auf Dinge verzichten muss, die für andere zum Alltag zählen, ist vielleicht weniger bekannt: „Manchmal hätte ich gerne so richtig lange Fingernägel — mit Glitzernagellack“, träumte Wawroschek vor sich hin, und: „Ich kann nicht mal Tesafilm abfisseln.“

Kurz vor Schluss „rief“ die Diva dann doch noch an. Sie komme nicht mehr. Wawroschek versicherte, dass sie den Abend abgesagt habe und natürlich für den nächsten Abend bereitstünde für die Begleitung. Vor dem Publikum verkündete sie aber: „Da geh‘ ich nicht hin — soll sie doch alleine singen.“

Eine schönes Plädoyer auch an die Zuschauer, vielleicht mehr auf die Begleitung zu achten.

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