Kohl Automobile zieht Schlussstrich über den Dächern von Aachen

Neues aus der Gastro-Szene : Restaurant Kohlibri schließt nach 23 Jahren

25 Meter über der Automeile Neuenhofstraße hat Chefkoch und Betriebsleiter Bernd Geiger über 23 Jahre im Restaurant Kohlibri seine Kundschaft mit feinsten Speisen verwöhnt. Am 30. Juni schließt die Kohl Gruppe die Gastronomie in der sechsten Etage des Autohauses.

Mit seiner tatsächlich extrem langen Zunge gilt der Kolibri als schwierig zu haltender Ziervogel. Meist schwirrt er ab. Ornithologen wissen das, Gastronomen werden zuweilen überrascht. Das nahezu gleichnamige Edelrestaurant „Kohlibri“ in Aachen blieb nämlich immerhin 23 Jahre in Eilendorf zu Hause. Die buchstäblich gehobene Gastronomie thront 25 Meter über der Neuenhofstraße, der Aachener Automeile. Doch die Betreiberfamilie Kohl muss – wohlgemerkt nur in Sachen Panorama-Restaurant in der sechsten Etage – auf die Bremse treten.

Ein Dutzend Mitarbeiter und etliche Aushilfen betroffen

Zum 30. Juni schließt die Küche. Ein Dutzend Mitarbeiter und etliche Aushilfen sind betroffen. „Die Auflagen rund um die Gastronomie – vom Gesundheitsamt bis zum Brandschutz – werden Jahr für Jahr schlimmer, das grenzt an Wahnsinn“, sagt Geschäftsführerin Gisela Kohl-Vogel. „Das macht immer wieder Umbauten notwendig, was einen wirtschaftlichen Restaurantbetrieb auf diesem exzellenten Niveau völlig unmöglich macht“, klagt sie.

Im Sommer 1996 wurde der „Treff im Turm“ im weithin sichtbaren Neubau des Autohauses eröffnet. Oben rundherum verglast, mit Terrasse, erreichbar über einen gläsernen Aufzug. Ein Lokal mit Bistro, Restaurant und Café. Seit einigen Jahren agiert Küchenchef Bernd Geiger auch als Geschäftsleiter. „Ja, es ist wirklich traurig. Es gab hier schon viele Tränen, als der Schritt verkündet wurde“, sagt er.

Auch der Familie Kohl ist im Gespräch mit unserer Zeitung anzumerken, dass man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. „Dieser Schritt fällt uns sehr schwer“, betont Gisela Kohl-Vogel. „Unsere meist langjährigen Mitarbeiter haben in den letzten Jahren durch ihre hervorragende Arbeit aus dem ,Kohlibri’ das gemacht, was es heute ist.“

Weit über die Stadtgrenzen hinaus kulinarisch Schlagzeilen

Besonderen Dank richtet sie an Restaurantleiter und Küchenchef Geiger. „Er begeistert unsere Gäste nicht nur durch seine erstklassige Küchenleistung, er ist auch bei seinen Mitarbeitern, Kollegen und Kunden hoch geschätzt und beherrscht die Managementfähigkeiten eines Restaurantleiters perfekt“, erläutert Kohl. Seine mediterranen Speisen à la „Dorade Rosé auf Gemüsekräuterrisotto mit Meeresalgen und geschmolzener Tomate“ oder „Rehnüsschen im Portwein-Cassisauce mit Pfifferlingen, Selleriepüree und Schupfnudeln“ machten schon vor Jahren weit über die Stadtgrenzen hinaus kulinarisch Schlagzeilen.

Das „Kohlibri“ landete damit nicht nur im Vergleich mit anderen exquisiten gastronomischen Adressen der Autowelt auf den vorderen Plätzen. Normalerweise ist die kostspielige Kombination „Restaurant im Autohaus“ den großen Fahrzeugherstellern an ihren Automobilschmieden vorbehalten: zum Beispiel das „Christophorus“ (Porsche) in Stuttgart, das „Chardonnay“ in Wolfsburg (VW) und das Restaurant „Bavarie“ in der Münchener BMW-Welt. Das hat seinen Preis. „Unser Anspruch, ,Premium’ zu sein, galt von Anfang an – nicht nur für unser Auto- und Motorradgeschäft, sondern auch für unser Restaurant.“ Aber Kohl musste feststellen: „Dieses hohe gastronomische Niveau mit den immer weiter gestiegenen gesetzlichen Auflagen und dem anhaltenden Fachkräftemangel ist derzeit leider nicht mit positiven Ergebnissen zu betreiben. Die aktuell anstehenden Investitionen, die notwendig sind, um unserem eigenen Anspruch gerecht zu werden und der immer aufwändiger werdende technische Unterhalt haben uns veranlasst, diese Entscheidung zu treffen“, präzisiert sie auf Anfrage.

Künftige Verwendung der Etage mit Panoramablick offen

Ihren Fokus richten die Fahrzeugspezialisten der Familie Kohl nun noch deutlicher auf ihr Kerngeschäft – weniger auf „Schwäbisch-Hällischen Spanferkelrücken mit Kräutern überkrustet auf Thymiansauce“. Eine anderweitige gastronomische Nutzung der Restauranträume ab Juli 2019 schließt die Familie Kohl aus. Die künftige Verwendung der sechsten Etage mit Panoramablick ist offen.

Ebenso die berufliche Zukunft des renommierten Chefkochs Bernd Geiger. „Nach 23-jähriger Leidenschaft muss ich erstmal alles sortieren – das entscheide ich später“, sagt der Spitzenkoch. Die Erfahrungen im „Kohlibri“ werden ihn jedenfalls weiter beflügeln – auch wenn sich der gebürtige Donaueschinger in Aachen längst zu Hause fühlt. Im Unterschied zum Kolibri.

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