Aachen: Kölner Hilfe für Aachener Bahn-Pläne

Aachen: Kölner Hilfe für Aachener Bahn-Pläne

Dass die Campusbahn kommen soll, ist politisch weitgehend unumstritten. Ebenso, dass sie vom Bushof über Westbahnhof und Klinikum bis zur Vaalser Grenze fahren soll. Eine Machbarkeitsstudie hat grundsätzlich die Signale auf Grün gesetzt, doch aktuell übersteigt die Anzahl der Fragen die der konkreten Antworten um ein Vielfaches.

Investitionskosten von geschätzt 125 Millionen Euro (die zu 85 Prozent das Land tragen wird), jährliche Betriebskosten von 6,5 Millionen Euro, ein geschätztes zusätzliches jährliches Minus der Aseag als Bahn-Betreiber von rund 8 bis 9 Millionen - Zahlen, die zurzeit die Runde machen, die aber auch noch mit erheblichem Klärungsbedarf verbunden sind.

Mehr Licht ins Dunkel sollen nun die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) bringen. Mit ihnen wird die Aseag bei der Umsetzung der Bahn-Pläne eng kooperieren. Aseag-Vorstand Hans-Peter Appel setzt auf die „Kompetenz der Kölner in Sachen Schienenverkehr”.

Die KVB wird jetzt in einem ersten Schritt die städtische Machbarkeitsstudie unter die Lupe nehmen. „Es gibt viele Details, die einer genauen Prüfung unterzogen werden müssen”, sagt Appel. Die Kölner Kollegen seien dafür dank ihrer Praxiserfahrung mit schienengebundenem ÖPNV prädestiniert. Ein Erfahrungsaustausch fand jetzt in Köln statt. Vertreter der Aseag, des Stadtrates und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) nahmen an einem Informationsbesuch in Köln teil.

Die KVB werde sich in erster Linie mit der Frage befassen, wie die vom Gutachter als machbar dargestellten Pläne betrieblich umsetzbar seien, so Appel. Es geht dabei unter anderem um die notwendige Anzahl der Fahrzeuge. Das Gutachten spricht von sechs, Praktiker gehen aber davon aus, dass es acht sein müssen, um das Fahrgastaufkommen zu bewältigen.

Werden es sogenannte Einrichtungszüge sein, die dann Wendepunkte brauchen, oder wählt man Zweirichtungs-Fahrzeuge, die deutlich teurer sind? Es muss untersucht werden, wie das Schienensystem in den Straßenraum integriert werden kann. Offen ist, welche Infrastrukturkosten schon in der angesetzten Investitionssumme sind und welche hinzu kommen. So müssen Straßen für die enorme Belastung durch Schienenfahrzeuge unter Umständen völlig neu aufgebaut werden, inklusive der kompletten Verlegung der Versorgungsleitungen und Kanäle.

Die Aseag verspricht sich von der externen Analyse der vorliegenden Pläne auch ein Stück mehr Sachlichkeit in der anschließenden Diskussion. Denn es geht auch um die Frage, wie sich die Aseag in der Zwischenzeit aufstellen soll. Eine Campusbahn könnte frühestens 2018 oder gar 2020 fahren. Bis dahin will das Nahverkehrsunternehmen aber flexibel auf die Veränderungen rund um den Campus Melaten und den Campus Westbahnhof reagieren.

Ein Streitpunkt wird dabei sein, ob es eine Art Stadtbahnvorlaufbetrieb geben wird oder nicht. Will heißen: Werden jetzt schon eigene Trassen angelegt, die zunächst der Bus zum Beispiel ab Westbahnhof befährt, die dann später der Bahn zur Verfügung stehen? Hier herrscht in der Politik noch vornehme Zurückhaltung, doch Hans-Peter Appel ist überzeugt, die Skeptiker überzeugen zu können.

Ende dieses Jahres soll der politische Grundsatzbeschluss pro Campusbahn im Stadtrat gefasst werden. In der weiteren Planungs- und Realisierungsphase wolle die Aseag mit der KVB eine „aktive und gestaltende Rolle” übernehmen, so Hans-Peter Appel.

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