Aachen: Kochen, Nähen, Musizieren: Kreativität baut Grenzen ab

Aachen : Kochen, Nähen, Musizieren: Kreativität baut Grenzen ab

Das Begegnungszentrum der AWO Aachen-Nord liegt leicht abgelegen, unterhalb des Europaplatzes. Doch hinter der trüben Fassade sind die Räume hell und bunt. Auf einem Tisch steht Gebäck aus Fernost, gebacken von den Teilnehmerinnen.

Daneben weitere Tische, bedeckt mit Stoffen, Nadeln, Stiften, Garnen. Seit August 2017 gibt es hier jeden Donnerstag das „Nähcafé“ im Rahmen des Projekts „Interkulturelles Kreativcafé“ der Arbeiterwohlfahrt. An den fünf AWO-Standorten in Aachen-Nord, Aachen-Ost, Preuswald, Burtscheid und Haaren kann man montags bis donnerstags aus einem breiten Angebot wählen. Die Teilnahme ist unverbindlich, trotzdem ist der Kurs jede Woche gut besucht.

Das liege an der Atmosphäre, da sind sich alle Beteiligten einig. Shoucha Arif aus dem Irak erzählt, sie habe bisher vergebens nach einem Kurs wie diesem gesucht. Und habe sich nie so ganz wohl gefühlt, bis sie vor sieben Monaten bei der AWO Nord gelandet ist. Bei Angelika Weinkauf, Mitarbeiterin des Kreativteams, fühle sie sich jetzt gut aufgehoben: „Für mich ist dieser Kurs wie eine Familie, das ist ein wahres Geschenk. Das ist nicht selbstverständlich.“

Den Kursteilnehmerinnen stehen zwei neue Nähmaschinen zur Verfügung, eine dritte ist in Aussicht. Die haben sich die Organisatorinnen mit den Teilnehmerinnen im Geschäft ausgesucht. Denn auch das gehöre zur Teilhabe, „dass man gemeinsam nach außen tritt und sich beraten lässt.“, so Stephanie Omer-Eilts, die seit November fest zum Team des Kreativcafés gehört. Und Teilnehmerinnen mitnimmt, „denn um die geht es ja!“, sagt Gaby Lang vom Begegnungszentrum Preuswald.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Träger ist der Kreisverband der AWO. Auch Geschäftsführer Özgür Kalkan sei maßgeblich beteiligt gewesen, so Omer-Eilts. „Wäre er nicht so offen für unsere Ideen, hätten wir das Ganze nicht so einfach über die Bühne bringen können.“ Die Idee für ein festes Angebot sei aus spontanen Treffen entstanden. Daniela Bejan, Koordinatorin des Begegnungszentrums Aachen-Ost und -Nord, hat das Projekt initiiert. Zuvor hat sie ein ähnliches Angebot in der Nadelfabrik geführt.

„Aber das war zu abgegrenzt, allein räumlich. Die Frauen haben sich kaum getraut, die Fabrik zu betreten, und wenn, haben sie oft den Veranstaltungsraum nicht gefunden.“ Auch am Material musste gespart werden: Die Nähmaschinen waren bereits durch viele Hände gegangen, Stoffe gab es kaum. Das ist hier anders: Die Koordinatorinnen können Geld für Material beantragen, viel wird von Menschen aus der Umgebung gespendet. Eine Seniorin habe sich vor einigen Wochen eine Hose kürzen lassen. „Zuvor war die Frau noch skeptisch. Ein paar Tage später brachte sie uns einen Haufen bunter Wolle mit“, so Lang. „Auch so kann man Grenzen und Vorurteile abbauen, auf beiden Seiten.“

Ziel des Angebots sei es, niedrigschwellig Begegnungen zwischen migrierten und deutschen Anwohnern zu ermöglichen. Dabei sollen beide Seiten bereichert werden. Wenn die Projektphase vorbei ist, dann habe hoffentlich die Hilfe zur Selbsthilfe geklappt, neue Möglichkeiten der Annäherung seien geschaffen worden.

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