Aachen: Kneipenwirt bedroht und erpresst: Milde Strafen

Aachen: Kneipenwirt bedroht und erpresst: Milde Strafen

Denkbar milde ist der Erpresser und mutmaßliche Hells Angel Ibrahim K. am Mittwoch vor der 8. großen Strafkammer (Vorsitz Richter Hans-Günter Görgen) davon gekommen. Der im Ostviertel als ehemaliger Betreiber eines inzwischen geschlossenen Rocker-Cafés am Adalbertsteinweg bekannte 41-Jährige und drei „Gehilfen“ waren angeklagt, einen Gastwirt in der Viktoriastraße Ende 2015 so bedroht und erpresst zu haben, dass er sein Geschäft, das „Café Prinz“, aufgeben musste.

Dafür kassierte K. am Mittwoch von der Kammer unter dem Vorsitz von Richter Hans-Günter Görgen eine Haftstraße von nur zwei Jahren und neun Monaten. Angesichts der von Oberstaatsanwältin Jutta Breuer beantragten Haftstrafe von sechs Jahren ist das weniger als die Hälfte, Breuer kündigte dementsprechend sichtlich unzufrieden Revision an.

Auch gegenüber den Gehilfen von K., dem Automatenaufsteller Cem K. (41) und dem im Sicherheitsgewerbe tätigen Ioannis B. (40), ließ die Kammer Milde walten und verhängte Freiheitsstrafen von einem Jahr und acht Monaten für Cem K., sowie von einem Jahr und sechs Monaten für Ioannis B., die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Für sie hatte die Staatsanwaltschaft Strafen von vier beziehungsweise viereinhalb Jahren gefordert. Die beiden Helfer seien aktiv an der Erpressung des Wirtes beteiligt gewesen, argumentierte die Staatsanwaltschaft.

„Schlitzohr und Filou“

Womöglich als neuen Stützpunkt für den Drogenhandel im Ostviertel, das wollte auch Richter Görgen in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich nicht ausschließen, hatte der Angeklagte Ibrahim K. ein Lokal gesucht - und anscheinend gefunden. Zunächst bearbeitete man den Pächter, einen 53-jährigen Schwarzafrikaner, mit Worten und Angeboten. Dies bei unangemeldeten Besuchen in der kleinen Kneipe, die früher bieder „Bierstübchen“ hieß.

Die Bedrohungen des Pächters begannen Ende Oktober Anfang November 2015 stärker zu werden. Denn der Mann weigerte sich, das Lokal abzugeben oder auch Drogenhandel in seinem Lokal zuzulassen und daran mitzuverdienen.

Irgendwann wurde die Angeklagten angesichts der Nutzlosigkeit ihrer Besuche müde und schickten einen Trupp Hells Angels mit ihren angsteinflößenden Kutten ins Lokal. Danach führte Ibrahim K. die Verhandlung weiter. Das war an einem Freitag Abend im November 2015. Am nächsten Tag kamen sie noch einmal - auch eine Waffe sollte im Spiel gewesen sein.

Der Pächter war danach veräng­stigt und ging zur Polizei, er zeigte die Truppe an. Weil es in seiner Aussage Unstimmigkeiten gab, bezeichnete Richter Görgen das Opfer als „Schlitzohr und Filou“, eine Sichtweise, die angesichts einer schweren erpresserischen Straftat begangen aus dem Rockermilieu heraus auf Prozessbeobachter zumindest merkwürdig anmutet.