Aachen: Knapp 100 Unternehmen werben bei der zehnten Ausgabe für sich

Aachen: Knapp 100 Unternehmen werben bei der zehnten Ausgabe für sich

Mussten früher die Bewerber noch selbst auf die Betriebe zugehen, so ist es mittlerweile in vielen Branchen umgekehrt. Gerade um Studienabgänger aus technischen Berufen und aus dem IT-Sektor wird aktiv geworben — auch in der mittlerweile zehnten „Nacht der Unternehmen“ in Aachen.

Mehr als 2000 Besucher sind deswegen am Dienstag zur Karrieremesse im Technologiezentrum gekommen. Knapp 100 Unternehmen aus der Region hatten dort ihre Stände aufgebaut und präsentierten sich den Studenten, Schülern und auch erfahrenen Berufsleuten als attraktive Arbeitgeber. Wie es aber tatsächlich in den Firmen aussieht, bleibt Bewerbern bei ähnlichen Messen normalerweise verborgen. Nicht so am Dienstag: Mit Bussen wurden die Interessenten nach kurzem Kennenlernen dann bis in die Nacht hinein direkt zu den Unternehmen in der ganzen Städteregion gefahren.

Nun mögen manche diesen Aufwand für übertrieben halten, doch auch die Firmen profitierten davon, wie Tabea Amthor erklärte, die Recruiting-Verantwortliche bei Inform Software aus Aachen. „Wir sind hier vor allem auf der Suche nach studentischen Hilfskräften, die wir danach als feste Mitarbeiter übernehmen können. Damit haben wir bereits gute Erfahrungen gemacht und Messen sind dazu einfach ein guter Ort, um die ersten Kontakte zu knüpfen“, sagte sie. Letztlich sei es aber eine Mischung aus persönlichem Eindruck und fachlicher Kompetenz, die für beide Seiten entscheidend seien.

Auch große Namen wie das Forschungszentrum Jülich machten am Dienstag auf sich aufmerksam. „In der Region sind wir natürlich schon sehr bekannt, aber dennoch merken wir den Fachkräftemangel, weil viele gar nicht so genau wissen, was man bei uns alles machen kann“, sagte Alissa Aarts vom Personalmarketing des Forschungszentrums. Sie und ihre Kolleginnen waren zum wiederholten Mal auf der Messe vertreten — anders als die Vertreter von Cubos Internet einige Stände weiter.

Die Aachener Software-Entwickler hatten in diesem Jahr ihren ersten Auftritt, aber dasselbe Motiv wie alle: künftige Mitarbeiter ködern. „Gerade für kleinere Unternehmen wie unseres ist es schwierig, qualifizierte Spezialisten zu finden. Die meisten wollen nach dem Studium lieber zu einem der großen Namen der Branche“, erklärte deren Entwicklungsleiter Jean-Philippe Quéméner. Damit das trotzdem gelingt, versuche man, das Arbeitsumfeld so attraktiv wie möglich zu gestalten und den Bewerbern gegenüber transparent aufzutreten.

Dass ausreichend Nachwuchs fehlt, merkt auch RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg. Ihm würden besonders die Informatiker praktisch aus dem Vorlesungssaal heraus abgeworben, viele sogar noch während des Studiums — noch bevor sie dieses abgeschlossen hätten. Quasi als Hauptzulieferer an Fachkräften in Aachen begrüßte er dennoch das Engagement der Firmen, möglichst viele Absolventen hier halten zu wollen. „Woanders ist es zwar auch schön, aber hier gibt es so viele interessante Unternehmen, und da braucht man nicht in die Ferne schweifen.“