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Kein Strom im Kloster Lousberg: Klosterbesetzer wollen sich autark mit Energie versorgen

Kein Strom im Kloster Lousberg : Klosterbesetzer wollen sich autark mit Energie versorgen

Seit rund zehn Monaten besetzen Aktivisten das ehemalige Kloster am Lousberg. Jetzt ist ihnen der Strom abgestellt worden. Die Besetzerinnen und Besetzer sprechen von einem „Wendepunkt“ – und haben Pläne.

Jetzt werden die Kerzen und Taschenlampen hervorgeholt: In dem besetzten Karmelitinnen-Kloster am Lousberg gibt es keinen Strom mehr. Das teilten die Besetzerinnen und Besetzer jetzt in einer Pressemitteilung mit.

Den Schilderungen der Aktivisten zufolge habe am Donnerstag eine Vertreterin der Stawag die Besetzer darüber informiert, dass sich in den zurückliegenden Monaten Schulden in Höhe von mehr als 15.000 Euro angesammelt haben. Da diese nicht beglichen wurden, ist die Stromversorgung am selben Tag noch gekappt worden.

Dass fortan kein Strom mehr im ehemaligen Kloster fließt, bestätigt auf Anfrage eine Sprecherin der Stawag. „Insgesamt halten wir uns auch in diesem Fall an unser Vorgehen bei vergleichbaren Geschäftsvorgängen mit Zahlungsausfällen“, teilt Pressesprecherin Eva Wußing mit. „So hat es in den letzten Monaten mehrere Aufforderungen zur Begleichung der Energie- und Wasserkosten gegeben – dies war den Besetzerinnen und Besetzern auch bekannt.“

Zuletzt habe die Stawag zum 15. Juni eine Frist zur Begleichung der zu diesem Zeitpunkt offenen Forderungen gestellt. Auch diese sei verstrichen, ohne dass eine Zahlung einging. „Sofern die offenen Posten beglichen werden, werden wir wie in anderen Fällen auch die Versorgung wiederherstellen“, stellt Eva Wußing klar.

Einer, der viel Zeit im besetzten Kloster verbringt, ist Kristof Mittelstädt. Für die Besetzerinnen und Besetzer seien die Forderungen der Stawag nicht in vollem Umfang bekannt gewesen, für manche sei die sofortige Abschaltung des Stroms deshalb eine Überraschung gewesen, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass es eine Zahlungsaufforderung des Energieversorgers mit dem 15. Juni als Frist gab, war zwar einigen bekannt, jedoch wurde das Kloster nicht offiziell darüber informiert.

Nicht nur fürs Wäschewaschen und Laden des Handyakkus müssten jetzt Alternativen her. Ideen seien ausreichend vorhanden, sagt Mittelstädt, der betont, dass er nicht als offizieller Sprecher des besetzten Klosters, sondern lediglich als Einzelperson spricht. Einige Powerbanks seien bereits angeschafft worden, weitere sollen folgen.

Die Aktivisten bezeichnen das Ende der Stromversorgung als Wendepunkt. „Wir werden uns von nun an autark mit Energie versorgen“, kündigen die Aktivisten in ihrem Schreiben an. Einige „konkrete Ansätze“ gebe es bereits, weitere, insbesondere nachhaltige Ideen sollen gesammelt werden. „Die warmen Monate geben uns die Möglichkeit, verschiedene Ansätze auszuprobieren.“ Jede Sach- und Geldspende sowie Arbeitsstunde sei willkommen.

Die Aktivisten sind erfinderisch. Warmes Wasser könne man, wie Mittelstädt erläutert, zum Beispiel gewinnen, indem man Wasser in einen schwarzen Behälter in die Sonne stelle.

Apropos Wasser: Das habe es im Kloster sowieso nur in kalter Form aus der Leitung gegeben. Am Freitag heißt es aus der Besetzerszene: Der Strom ist zwar weg, doch das Wasser fließt noch.

Die Aktivisten bezeichnen das Kloster an der Lousbergstraße als einen „unersetzbaren Ort“. Deshalb wollen sie bleiben. Laut Kristof Mittelstädt herrsche seit Donnerstag Aufbruchstimmung. Das Motto vieler laute „Jetzt erst recht.“