Aachen: Klippen des Alltags mit eigener Sprache meistern

Aachen: Klippen des Alltags mit eigener Sprache meistern

Sie machen 20 Prozent der Bevölkerung aus und werden trotz der vielgepriesenen Inklusion oftmals nicht berücksichtigt. Die Rede ist von schwerhörigen oder gehörlosen Menschen. Ihnen eine Plattform zu geben, das ist das Ziel des Hörgeschädigten-Zentrums, das mit einem bunten Programm das 50-jährige Bestehen der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter gefeiert hat.

Ehrenvorsitzender Karl Merkelbach mochte vor allem die Sensibilität der Bevölkerung für die Thematik wecken: „Der Gehörlose ist immer auf einen Dolmetscher angewiesen. Und was für hörende Menschen ganz normal ist, ist für Betroffene eine echte Herausforderung. So sind beispielsweise Anrufe bei einem Arzt für Gehörlose nur über Umwege zu machen. Sie kommen zu uns, und wir vereinbaren dann für sie einen Termin.“

Auch andere, teilweise auf den ersten Blick banal erscheinende Dinge wie ein klapperndes Fenster, das den Nachbarn stört, selbst aber gar nicht wahrgenommen wird, sind Situationen, auf die Hörgeschädigte erst einmal aufmerksam gemacht werden müssen. Brigitte Rothkopf ist erste Vorsitzende des Zentrums. Ihre Dolmetscherin Beate Grevenstein übersetzt ihr die Fragen und Aussagen, damit sie an Gesprächen mit Nicht-Hörgeschädigten teilnehmen kann. Ihr Blick ist dabei stets auf Hände und Mund gerichtet.

„Die Gebärdensprache ist eine Fremdsprache wie jede andere auch. Viele vermuten, dass sie international ist, aber das stimmt nicht. Auch wenn das Grundgerüst mehr oder weniger in allen Sprachen einheitlich ist, so gibt es viele Unterschiede. Dialekte spielen auch eine Rolle, und manche Wörter können gar nicht eins zu eins übersetz werden, sondern werden dann mit Hilfe des Alphabetes gezeigt“, erzählt Rothkopf.

Für die Geschäftsführerin Anne Elsen ist auch das Programm anlässlich des Jubiläums etwas ganz Besonderes: „Wir zeigen ein Theaterstück in Gebärdensprache, welches nicht in die gesprochene Sprache übersetzt wird. Es stehen die Emotionen und die Gestik im Vordergrund. Und leider ist es im Umkehrfall ja nun mal so, dass im Alltag nur wenig in Gebärdensprache übersetzt wird.“ Merkelbach wünscht sich deshalb, dass in Zukunft Politik und Verwaltung das Thema aufgreifen und dafür sorgen, dass hörgeschädigte Menschen nicht länger vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.

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