Aachen: Klinikum setzt BLB den Stuhl vor die Tür

Aachen: Klinikum setzt BLB den Stuhl vor die Tür

Es geht um hunderte Millionen Euro. Das sind nämlich die Summen, die bei Umbauten und/oder Modernisierungen des Klinikums geflossen sind oder noch fließen werden. Da gibt es einiges zu tun, zu organisieren, zu kontrollieren. Bisher macht das für das Klinikum der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB). Doch damit ist bald Schluss.

Der Klinikvorstand hat dem BLB sozusagen den Stuhl für die Tür gesetzt. Die noch laufenden Verträge wurden zum Ende des Jahres gekündigt.

Rechtlich ist das mittlerweile möglich. Das Klinikum ist eine Anstalt öffentlichen Rechts und kann - anders als andere Nutzer von Landesimmobilien - diese Vorgehensweise wählen, wie dies andere Kliniken bereits getan haben. „Wir haben den Vertrag bereits Anfang vergangenen Jahres gekündigt, damit er Ende 2012 ausläuft”, bestätigte Klinkikumssprecher Dr. Mathias Brandstädter am Montag.

Von da an wird das Großkrankenhaus das Gebäudemanagement selbst in die Hand nehmen. Über die Gründe will sich das Klinikum nicht äußern. Zwischen den Zeilen hört man allerdings heraus, dass es offenbar zwischen den Vertragspartnern im Getriebe geknirscht haben muss. Und so war die neue Hubschrauberplattform wohl eine der letzten größeren Maßnahmen unter der Regie des BLB.

Weitreichende Folgen hat der Vorgang indes für eine eigentlich unbeteiligte dritte Partei: die Stadt. Mit der bisherigen Übertragung der Aufgaben an den BLB oblag diesem auch die Bauaufsicht. Das hat sich mit dem Ende des Vertrags jedoch ebenfalls erledigt. Von Gesetzes wegen fällt diese Aufgabe nun der Stadt zu. Es handelt sich dabei um eine Pflichtaufgabe, eine Wahl hat die Stadt also nicht, wie Stadtsprecher Hans Poth auf Nachfrage bestätigte. Da kommt buchstäblich ein dicker Brocken auf die Verwaltung zu.

Ein teurer noch dazu. „Das Universitätsklinikum ist eines der größten Krankenhausgebäude Europas und zweifellos das technisch komplexeste Gebäude in Deutschland”, heißt es in einer Vorlage für den Personal- und Verwaltungsausschuss. Einer Internetrecherche zufolge seien 2008 über 5000 Personen in 33 Kliniken und 25 Instituten beschäftigt gewesen, 45.000 Patienten stationär und 225.000 ambulant behandelt worden.

Über jedem Bettengeschoss befinde sich auch noch ein für Außenstehende nicht erkennbares Technikgeschoss. „Technische Sachbearbeiter werden einen längeren Zeitraum benötigen, um die technischen Systeme kennenzulernen”, so die Stadt. Erinnert wird da an die beiden Großbrände vor einigen Jahren. Sie seien jeweils die größten Versicherungsschäden des Jahres in Deutschland gewesen.

Wegen der Komplexität der Aufgabe habe Dezernentin Gisela Nacken jüngst einen Kooperationsvertrag mit dem Klinikum geschlossen, der Details regelt - so auch die Zusage, dass die Stadt Bauanträge „zeitnah” bearbeiten werde. Nur: In der Bauaufsicht reicht das Personal für diese Aufgabe nicht.

Wie viele zusätzliche Stellen die Bauaufsicht braucht, steht allerdings noch in den Sternen. Zwar sei jetzt schon klar, dass das Klinikum große Baumaßnahmen plane. Worum es sich genau handelt und wie umfangreich das ausfällt, sei aber unklar, so Poth. Vorerst soll eine Vollzeitstelle neu eingerichtet werden. Schon das wird alles in allem mit Mehrkosten von über 100.000 Euro beziffert. Es könnte jedoch noch deutlich mehr werden. Einen Ausgleich bekommt die Stadt dafür nicht.