Klimaticket Aachen-Kapstadt besteht seit zehn Jahren

32.000 Euro an Spenden : Klimaticket Aachen-Kapstadtsorgt für reiche Ernte

Seit zehn Jahren gibt es das Klimaticket Aachen-Kapstadt. Das Projekt ermöglicht es, den Kohlendioxid-Ausstoß von Flugreisen ein wenig zu kompensieren. Die Spenden verwandeln im südafrikanischen Kapstadt Brachland in Gärten.

Was kriegt man heutzutage für 20 Euro? Ein paar Bier in der Kneipe. Wenn man Glück hat, zwei Taschenbücher im Buchladen. In den Townships von Kapstadt lassen sich für 20 Euro rund 110 Quadratmeter sandiges Brachland in Gartenland verwandeln. In solch einem Garten wächst so viel Obst und Gemüse, dass sich eine fünfköpfige Familie rund ums Jahr gesund ernähren kann und noch etwas übrig hat für die Nachbarn oder zum Verkaufen. Und 110 Quadratmeter Garten in der südafrikanischen Metropole speichern 100 bis 200 Kilo klimaschädliches Kohlendioxid.

Das Klimaticket Aachen-Kapstadt hilft seit 2009, viele solcher Gärten einzurichten und zu pflegen. In zehn Jahren hat das Projekt der Agenda 21-Partnerschaft zwischen Aachen und Kapstadt mehr als 32.000 Euro für Gartenprojekte in Kapstadt aufgebracht, Geld, das Spender gegeben haben, um den CO2-Ausstoß ihrer Flugreisen etwas zu kompensieren. „32.000 Euro“, sagt Gabriele Schütz-Lembach, „Wahnsinn, oder?“ Früher war sie beim Umweltamt der Stadt Aachen beschäftigt und koordinierte die Aktivitäten der Agenda-Partnerschaft auf städtischer Seite. Im Ruhestand engagiert sie sich weiter fürs Klimaticket.

Pro Flugstunde, erläutert Sabine Schönberg-Ehlen, Vorstandsmitglied im Förderverein Aachen-Kapstadt, setzt die Initiative fünf Euro für den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid an. Sie orientiert sich dabei an Berechnungen von Klimaschutzorganisationen. Einmal Mallorca und zurück schlägt demnach mit 20 Euro zu Buche. Wer diesen Betrag spendet, trägt in Südafrika zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Lebenssituation der Township-Bewohner bei.

In zehn Jahren hat das Klimaticket mehr als 32.000 Euro an Spenden eingebracht, berichten Gabriele Schütz-Lembach (links) und Sabine Schönberg-Ehlen vom Förderverein Aachen-Kapstadt.. Foto: H504619/Harald Krömer

Jeder Euro, der an das Aachener Klimaticket gespendet wird, fließt dank des ehrenamtlichen Einsatzes direkt und ohne Abzug in die Projekte in Kapstadt. Das war den Initiatoren immer wichtig. „Wir haben so gut wie keine Verwaltungskosten“, betont Schütz-Lembach. „Es findet sich immer jemand, der die Spenden nach Südafrika mitnimmt.“ Als jüngst eine städtische Wirtschaftsdelegation nach Kapstadt reiste, waren auch Mitglieder des Fördervereins Aachen-Kapstadt mit von der Partie. Die haben sich vor Ort natürlich intensiv umgeschaut.

Partner der Initiative am Kap ist der Verein „Abalimi Bezekhaya“. Abalimi heißt so viel wie „Farmer rund ums Haus“. Im Projekt „Harvest of Hope“ (Ernte der Hoffnung) bildet der Verein Mikrofarmer aus und kümmert sich um die Vermarktung des angebauten Gemüses. Viele Frauen ackern in den Gemeinschaftsgärten und werden so zu Ernährerinnen ihrer Familien. „Das Klimaticket hilft auch, Frauen zu stärken“, sagt Gabriele Schütz-Lembach.

Spenden aus dem Aachener Klima-Ticket flossen in den vergangenen Jahren zum Beispiel in den Brunnenbau. Denn Wasserknappheit und Dürre sind ein großes Problem in Kapstadt und beeinträchtigen auch die Arbeit in den Gemeinschaftsgärten, berichtet Sabine Schönberg-Ehling. „Auf den Sandböden dort ist die Dürre besonders dramatisch.“ Neu im Projekt ist eine eigene Setzlingsanzucht, die gerade aufgebaut wird. Auch neue Vermarktungswege für das Bio-Gemüse werden ausprobiert. Und sogar ein kleines Kochbuch wurde herausgegeben.

Das Klimaticket Aachen-Kapstadt startet jetzt in sein zweites Jahrzehnt. Und Sabine Schönberg-Ehlen stellt zufrieden fest, dass das Projekt weiterhin sehr gut zu den 17 Zielen der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung passen, die die internationale Staatengemeinschaft sich gegeben hat: keine Armut, kein Hunger, Gesundheit und Wohlergehen, nachhaltige Produktion, Maßnahmen zum Klimaschutz – um nur einige zu nennen.

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