Aachen: Kleine Kerzen, große Sehnsucht: „Nightfever” lockt in die Kirche

Aachen : Kleine Kerzen, große Sehnsucht: „Nightfever” lockt in die Kirche

Die Straße ist ein hartes Pflaster. Weil die Konkurrenz so groß ist. Ein Gang durch die Fußgängerzone reicht, um sich davon zu überzeugen. Manchmal wird da alle paar Meter der günstigste Handyvertrag, die witzigste Party, der flachste Bauch versprochen.

Auch Nancy Pasch macht Passanten ein Angebot. Sie steht auf dem Kopfsteinpflaster vor St. Foillan „Entschuldigung”, fragt Pasch. eine junge Frau, „wollen Sie vielleicht in der Kirche eine Kerze anzünden?”

Die junge Frau will. „Steffen, hast du Kleingeld?”, fragt sie ihren Begleiter. Nein, das brauche sie gar nicht, das Teelicht sei umsonst, sagt Pasch. „Nightfever” nennt sich das Angebot, das an diesem Abend Passanten in die Kirche locken soll.

Natürlich geht es dabei um mehr als Teelichter anzünden. Es geht um Gott. Philipp von Jagwitz sagt das jedenfalls. Er glaubt, nein, er ist fest davon überzeugt, dass „alle Menschen Sehnsucht nach Gott haben.”

Prioritäten setzen

Philipp von Jagwitz hat „Nightfever” mitorganisiert, studiert Maschinenbau im dritten Semester und ist ein Freund eindeutiger Formulierungen. Eine Geburtagseinladung an diesem Abend habe er abgelehnt, weil „man halt Prioritäten setzt”. Dass die Bänke während der Gottesdienste längst nicht mehr so voll sind wie früher, „ist nicht schade, sondern Realität”.

Deswegen sei es nötig, den Menschen neue Angebote zu machen, sagt von Jagwitz. „Nightfever” ist so ein Angebot. Leises Gitarrenspiel hallt durch St. Foillan, die Kirche ist nur schwach beleuchtet. Allein die Monstranz auf dem Altar erstrahlt in ihrer ganzen Pracht. Wer will kann beten. Oder beichten. Oder einfach innehalten. Es sei schon das Ziel, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, sagt von Jagwitz. Er sagt aber auch: „Es umrahmt etwas, das immer da ist.”

Etwas, an dem manche Menschen einfach achtlos vorbeilaufen. An diesem Abend soll ihre Zahl allerdings möglichst klein bleiben. Deswegen instruiert Philipp von Jagwitz die Zweier-Gruppen, die mit den Teelichtern auf die Straße gehen, um die Menschen in die Kirche zu locken: „Keine theologischen Diskussionen. Wenn einer âNeinÔ sagt, dann lasst ihn in Ruhe.”

Es sind nicht viele, die an diesem Abend „Nein” zu Nancy Pasch sagen. Gemeinsam mit Beatrice Höltgen bringt sie zahlreiche Teelichter an Frau und Mann. Zu den vergangenen beiden „Nightfever”-Ausgaben kamen rund 1000 Besucher, anhand der verteilten Teelichter lässt sich das ganz gut abschätzen. Nancy Pasch sagt: „Kirche ist nicht nur Gottesdienst am Sonntag. Wir wollen einfach einen Geschmack geben, wie es auch sein kann.”

Das kommt an. Mittlerweile sind so viele Teelichter angezündet, dass es in St. Foillan deutlich heller geworden ist. Und auf dem Kopfsteinpflaster vor der Kirchenpforte sorgt Nancy Pasch weiter für strahlende Gesichter: „Entschuldigung, wollen Sie vielleicht in der Kirche eine Kerze anzünden?”

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