Aachen: Kleine Autoren mit ganz großen Texten entdeckt

Aachen : Kleine Autoren mit ganz großen Texten entdeckt

Ein bisschen Aufregung zeichnete sich in den Gesichtern der Schüler ab — neben dem Stolz natürlich, der wohl ebenso berechtigt war wie die Aufregung. Denn nun war für die Dritt- und Viertklässler der große Tag gekommen: Sie präsentierten den wohl ebenso stolzen Eltern ihre Gedichte und Prosatexte, die sie im Rahmen des Workshops „Kreatives Schreiben“ geschrieben haben.

An fünf Nachmittagen hatten sich die Kinder im Kunsthaus NRW in Kornelimünster getroffen, um intesiv an ihren eigenen Texten zu tüfteln.

Das Projekt ist im Sommer des jahres 2016 nach einem Lehrerkongress entstanden. Damals haben sich Maria Schiefer, Koordinatorin des Aachener Modells, und die Sprachwissenschaftlerin Dr. Ingrid Böttcher der Idee angenommen und in Aachen etabliert. Noch bevor die Schüler selbst ans Werk gingen, wurde jeweils ein Lehrer einer Aachener Modellschule im „Kreativen Schreiben“ fortgebildet, um an ihren Schulen das Projekt ebenfalls zu etablieren. Schulen aus der gesamten Städteregion Aachen sollten ihre Schüler empfehlen, die gern fiktive Texte schreiben, durch ihre Kreativität auffallen und schon ein Interesse an Kunst zeigen. 15 Kinder sind dazu schließlich auserkoren worden.

Die Initiatorinnen haben sich ganz bewusst für das Kunsthaus NRW entschieden, da die dort ausgestellten Exponate als Vorlage und Inspiration der Texte dienen sollten. „Auch ein Text als solcher kann ein Kunstwerk sein“, sagte Schiefer, „die Objekte sollten animieren, kreative Gedanken zu entwickeln.“ Dabei sollten die Kinder nicht etwa einfach nur drauflos schreiben. Obwohl: „Natürlich konnten sie auswählen, was ihnen gefiel“, sagt Schiefer, „aber für einen gelungenen Text muss man methodisch und durchdacht vorgehen.“

Vorher etwa sollten alle Kinder jeweils drei Nomen, Adjektive und Verben nennen, aus denen die anderen Kinder wiederum Wörter wählen konnten, die sie in ihrer Geschichte integrieren sollten. Eine Schülerin beschäftigte sich beispielsweise mit der Skulptur einer Mumie und schrieb, wie die Mumie eines Nachts aus dem Museum flüchten möchte, weil so viele Besucher sie nicht für echt halten.

Die Autorenlesung soll übrigens nicht die letzte Präsentation bleiben.

Auch in ihren Schulen und vor ihren Klassenkameraden sollen die Kinder ihre Werke demnächst präsentieren, um möglichst viele weitere Kinder zum kreativen Schreiben zu animieren. Und wer weiß: Vielleicht versteckt sich ja ein großer Autor der Zukunft unter den jungen Künstlern — den ersten Anreiz haben sie nun jedenfalls bekommen.

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