Aachen: Klatschnass und pratschjeck in Oche: Petrus narrt alle

Aachen : Klatschnass und pratschjeck in Oche: Petrus narrt alle

Unter 1000 Narren am Burtscheider Jonastor bei den Spritzemännern, knapp 200 bei der Tropi-Garde auf dem Münsterplatz und null Narren auf dem Markt — der Karnevalsauftakt zum Wiverfastelovvend ist in Aachen am Donnerstag buchstäblich ins Wasser gefallen.

Überall kam unter „freiem“ Himmel höchstens ein Drittel der üblichen Narrenschar — abgesehen vom Markt, da war schon im Vorjahr nichts los. Bei kaum drei Grad Celsius, viel Wind und Regen strömten die Jecken — oft bunt kostümiert unter Plastikfolien — vor allem in die überdachten Partylocations. So startete Prinz Michael II. samt Hofstaat, Prinzengarde und Aachener Karnevalsverein kurz nach 11.11 Uhr in der Tiefgarage der Industrie- und Handelskammer in die tollen Tage. Draußen Schmuddelwetter, drinnen Partystimmung. Das hatten auch die vielen Jecken vor Augen, die erst in zig Meter langen Schlangen frieren mussten, um etwa in die Burtscheider Kurparkterrassen oder das Festzelt der Oecher Penn auf dem Katschhof eingelassen zu werden. Klatschnass, pratschjeck.

Schirmherr(in): Die Moderatoren der Tropi-Sitzung — Sarah Siemons und Jörg Carabin — gaben vor ihrem regenfesten Publikum kräftig Gas. Foto: Steindl.

Apropos Penn: Die marschierte mit Kommandant Jürgen Brammertz trotz Regens am Vormittag erstmal quer durch die Stadt, dann über sämtliche Rolltreppen im Aquis Plaza, bis man gegen Mittag Oberbürgermeister Marcel Philipp einsam und allein auf der Rathaustreppe abholte und ins Penn-Zelt lotste, wo bereits rund 600 meist junge Jecke warteten und die Stadtgarde ausgelassen feierten. Doch ein offizieller feierlicher Auftakt mit allem Drum und Dran, pünktlich um 11.11 Uhr, mitten in der Altstadt ist wohl endgültig aus dem Kalender der Karnevalshochburg Aachen gestrichen. Schade.

Feucht-fröhlich: Gut behelmt ließ es sich bei Dauerregen am Mün-sterplatz am besten „Alaaf“ rufen. Foto: Steindl.

Aber es gibt ja noch die Oecher Spritzemänner in Burtscheid, denen die jeckste aller Uhrzeiten nach wie vor heilig ist — obwohl sie von Petrus dafür diesmal nicht belohnt wurden. Gefeiert wurde am Jonastor natürlich trotzdem, auch wenn ab und zu das Wasser von der Bühne gewischt werden musste. Bis zum absoluten Höhepunkt des Programms — dem ersten Auftritt der 4 Amigos bei den Spritzemännern — schunkelten die Möhnen ausdauernd im Dauerregen. Zwischendurch schaute auch Oches oberster Spritzemann in echt, Aachens Feuerwehrchef Jürgen Wolff, mal vorbei, doch für große Rettungseinsätze bot Burtscheid keine Bühne. Die 40 zusätzlichen Ordner, die die Veranstalter engagiert hatten, blieben weitgehend arbeitslos, statt Überfüllung drohte zeitweise allenfalls Überschwemmung.

Rolltreppenballett: Die Oecher Penn trommelte im Aquis Plaza für den Karneval — unterm Dach. Foto: Steindl.

Was ins gesamtstädtische Bild passte: „Innen hui — außen pfui“ bilanzierte die Polizei bis zum Abend das närrische Treiben, das sich „ohne nennenswerte Zwischenfälle“ vorwiegend in geschlossenen Räumen abspielte. Das Ordnungsamt — mit 20 Kräften in fünf Teams — verwarnte ein paar Wildpinkler und erwischte einige Jugendliche mit Marihuana und Ecstasy-Pillen. Die waren — genauso wie Alkohol — natürlich bei der städtischen Jugendparty tabu, die am Nachmittag im Apollo-Kino einige hundert Teens anzog. Viele Jugendliche feiern unterdessen längst auswärts — in Zelten in Richterich, in Roetgen oder „schlimmstenfalls“ in Köln. Richtung Rhein waren die Züge schon am Morgen gut gefüllt. Mit deutlich mehr als 1000 Narren...