Aachen: Klangvoller Protest gegen den Musikschul-Umzug

Aachen: Klangvoller Protest gegen den Musikschul-Umzug

Der Protest wurde den Rats- und Verwaltungsleuten klangvoll zu Gehör gebracht. Singend demonstrierten Betroffene des Musikschulumzugs vom Blücherplatz zur Eintrachtstraße gegen diese Entscheidung. Und sie waren nicht die einzigen, die ihrem Unmut Luft machten.

Etliche Schülerinnen und Schüler der Abendrealschule und des -gymnasiums nahmen insbesondere Oberbürgermeister Marcel Philipp in der Bürgerfragestunde ins Visier. Den beiden städteregionalen Schulen wurde ihre Heimat in der Grundschule Eintrachtsstraße zum 1. August gekündigt. Sie befürchten, nun weite Wege zu neuen Standorten auf sich nehmen zu müssen. Alles in allem drängten rund 200 Betroffene ins Rathaus. Viele mussten im Foyer bleiben, weil der Ratssaal voll war.

Der OB verteidigte in der Fragestunde ein ums andere Mal die Entscheidung. Ein Brandschutzgutachten lasse ihm keine andere Wahl. Die Zeitschiene in diesem „Zielkonzept” mache jetzt einen Umzug nötig. „Ich werde die Verantwortung für einen Verbleib der Schule nicht tragen”, so Philipp. Sollte der Rat dies in den kommenden Wochen anders entscheiden, sei das dessen Sache. Wobei der Auszug noch keine Entscheidung über die 2,5 Millionen teure Sanierung des Gebäudes und eine mögliche Rückkehr der Schule ist. Auch das muss der Rat noch diskutieren. Der OB erklärte, die Stadt müsse auch auf die Finanzen schauen. Es soll geklärt werden, ob es einen Kaufinteressenten gibt und wie viel das über 100 Jahre alte große Gebäude einbringen könnte.

Die Abendschulen müssen jedenfalls die Grundschule Eintrachtstraße verlassen. Kritik hagelte es dahin gehend, dass man die Kündigung ausgesprochen habe, ohne Alternativen anzubieten. Am Dienstag hatte der OB gegenüber unserer Zeitung bekundet, Lösungen seien gefunden - die Abendrealschule solle zur Neuköllner Straße, das Gymnasium ins Krantz-Center. Letztere Idee hat sich wohl schon wieder in Luft aufgelöst. Diese Variante kommt wohl nicht in Frage - kurioserweise aus Gründen des Brandschutzes. Der OB sagte den Schülerinnen und Schülern zu, eine neue Bleibe in Aachen finden zu wollen.

Ein Frage ging an den SPD-Chef Heiner Höfken. Ob denn überhaupt eine offene politische Diskussion zu erwarten sei, wollte ein Schüler wissen. Das verneinte dieser mit Blick auf CDU und Grüne, das werde wohl nur „pro forma” diskutiert. Die Verwaltung lege indes ein „ungeheuerliches Vorgehen” an den Tag. Die SPD wolle sich das Gutachten anschauen, ob dort wirklich ein sofortiger Auszug gefordert sei. Das ist in der Expertise, die der AZ vorliegt, nicht der Fall. Allerdings, so heißt es dort, sei eine weitere Nutzung abhängig davon, dass hinsichtlich der Brandschutzmängel eine Prioritätenliste abgearbeitet werde. Nur: Die dringlichsten Maßnahmen hätten demnach bereits 2010 und 2011 erledigt sein müssen - also weit vor dem jetzigen Auszug.

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