Aachen: Klagemauer in der Citykirche in Aachen

Aachen: Klagemauer in der Citykirche in Aachen

Es geht um Missstände, um Ungerechtigkeiten und um Betroffenheit. Aber vor allem geht es um Menschen. Menschen, die ihrem Ärger, ihrer Wut, aber auch ihrer Angst und Trauer in Form von kleinen Zetteln Luft machen. Das „Bündnis für Menschenwürde und Arbeit“ hat gemeinsam mit der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) eine Klagemauer in der Citykirche errichtet, um die Sorgen innerhalb der Gesellschaft sichtbar zu machen.

Der regionale Zusammenschluss kirchlicher und nichtkirchlicher Organisationen zwischen Aachen und Krefeld verfolgt die Intention, sich gemeinsam gegen die wachsende soziale Kälte und Gleichgültigkeit zu stellen, und zusammen soziale Gerechtigkeit zu fordern. Die Klagemauer, die seit acht Jahren existiert, nun aber erstmals in der Citykirche Station macht, lädt Menschen ein, dort ihre Klagen aufzuschreiben. „Die Wand ist ein Zeichen der Klage und Anklage gegen die soziale Kälte in unserem Land, gegen Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung und die wachsende Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer“, sagt Wolfgang Cohnen, Referent für Arbeitslosenarbeit im Bistum Aachen. Ferner betont er, dass die Klagemauer aber auch ein Zeichen der Hoffnung und des Aufbruchs in eine andere, gerechtere Welt sei.

Sie sei zugleich eine Mahnung an die Verantwortlichen in Staat, Kirche und Gesellschaft, so Cohnen. „Gerade das Thema Altersarmut brennt, aber es wird nicht offiziell thematisiert. Die Realität der Menschen sieht aber ganz anders aus, sie haben Angst, sind zum Teil resigniert oder von Hoffnungslosigkeit gezeichnet“, betont Andris Gulbins, Leiter des Bildungswerkes der KAB.

Dieser Eindruck wird auch auf der Klagemauer deutlich. Aussagen wie „Meine Kinder sind überall ausgegrenzt, weil ich nicht die finanziellen Möglichkeiten habe“, oder „Nach 50 Jahren Arbeit lebt man am Existenzminimum und muss sich jeden Monat fragen, ob man Miete und dergleichen zahlen kann“ machen deutlich, dass es endlich Zeit für eine Veränderung ist. „Wir brauchen eine Grundrente, von der jeder gut leben kann, es geht nicht um Luxusgüter, sondern um ein sorgenfreies Leben. Eine komplette Umstellung der gesetzlichen Rente ist das, was benötigt wird“, sagt Johannes Eschweiler, Betriebsseelsorger und Akteur innerhalb des Arbeitsbündnisses.

Die Zettel werden anschließend ausgewertet und von den Verantwortlichen an entsprechenden Stellen publik gemacht. Nicht nur mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen bildet das Thema soziale Gerechtigkeit und Altersarmut die Überschrift der Klagemauer. Als Bewegung für soziale Gerechtigkeit mischt sich die KAB aktuell bundesweit mit dem Thema Altersarmut in den Wahlkampf ein. „Viele Menschen wollen nicht wahrhaben, dass sie selbst ebenfalls betroffen sind. Wir möchten, dass sich die Leute solidarisieren und gleichzeitig zeigen, dass sie mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine sind“, betont Gulbins.

Noch bis 17. September können Interessierte ihre Botschaften auf der Klagemauer befestigen.

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