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Coronavirus: Kitas ab Montag (fast) ohne Kinder

Coronavirus : Kitas ab Montag (fast) ohne Kinder

Alle Kindertagesstätten in Aachen sind für fünf Wochen geschlossen. Auch Tagesmütter und -väter müssen ihre Arbeit einstellen. Ausnahmen gibt es nur für die Betreuung von Kindern von „Schlüsselpersonen“.

Wie es an diesem Montagmorgen in den Aachener Kindertagesstätten zugeht? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall wohl deutlich ruhiger als sonst. Denn ab Montag ist alles anders. Die Kindertagesstätten in Aachen öffnen ihre Türen – aber viele Kinder müssen draußen bleiben. Ab Montagmorgen gilt das „Betretungsverbot“. Kein Kind, keine Mutter und kein Vater darf eine Kindertagesstätte betreten. Auch Tagesmütter und -väter müssen ihre Arbeit einstellen. Wegen der Corona-Epidemie sind alle Einrichtungen fünf Wochen lang, bis einschließlich Sonntag, 19. April, für den Normalbetrieb geschlossen.

Die gemeinsam tagenden Krisenstäbe von Stadt und Städteregion haben am Sonntag die Regelungen für die Kindertagesstätten konkretisiert. In einer Pressemitteilung gehen Stadt und Städteregion auch ausführlich auf die Ausnahmeregelungen ein. Denn diese sind eng umrissen. Die Krisenstäbe setzen damit den Erlass des NRW-Familienministeriums von Freitag um. Oberste Priorität sei ab sofort, die Betreuung von Kindern von „Schlüsselpersonen“ sicherzustellen, heißt es.

Wer ist „Schlüsselperson“?

Zu den „Schlüsselpersonen“ zählen demnach Angehörige von Berufsgruppen, die mithelfen, öffentliche Sicherheit und Ordnung, medizinische und pflegerische Versorgung der Bevölkerung sowie zentrale Funktionen des öffentlichen Lebens aufrecht zu erhalten. Konkret genannt werden Gesundheitsversorgung, Pflege, Behindertenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, öffentliche Sicherheit und Ordnung einschließlich der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr (Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz), öffentliche Infrastruktur (Telekommunikationsdienste, Energie, Wasser, ÖPNV, Entsorgung), Lebensmittelversorgung sowie Stellen, die der Handlungsfähigkeit zentraler Stellen von Staat, Justiz und Verwaltung dienen.

Die „Schlüsselpersonen“ dürfen ihre Kinder zur Betreuung bringen – aber auch nur unter bestimmten Bedingungen: wenn Mutter oder Vater alleinerziehend sind oder wenn beide Elternteile zu den „Schlüsselpersonen“ zählen. Außerdem dürfen die Kinder dann keine Krankheitssymptome haben, und nicht in Kontakt zu infizierten Personen stehen. Sollte es solche Kontakte gegeben haben, müssen diese mindestens 14 Tage her sein.

Sollten die Kinder sich in einem Gebiet aufgehalten haben, das das Robert Koch-Institut (RKI) aktuell als Risikogebiet ausweist (tagesaktuell abrufbar im Internet auf www.staedteregion-aachen.de/risikogebiete), müssen seitdem 14 Tage vergangen sein und die Kinder dürfen keine Krankheitssymptome zeigen. „Hier sind die Eltern in der Verantwortung zu entscheiden, ob die Kinder betreut werden können oder nicht“, betont die Stadt in ihrer Pressemitteilung.

Wie wird die Betreuung geregelt?

Dazu haben Stadt und Städteregion folgende Regelung festgelegt: Kindertagesstätten und heilpädagogische Einrichtungen öffnen. Das reguläre Personal muss an Bord sein. Dies gilt laut Stadt und Städteregion „bis auf Weiteres“. Für das Personal in den Kitas war am Wochenende allerdings nicht abzuschätzen, mit wie vielen Kindern zu Wochenbeginn zu rechnen sein würde. Man müsse sich auf alles einstellen, verlautete aus einer Einrichtung.

 Für Kindertagespflegestellen (Einzelkindertagespflege und Großtagespflege) gilt: Tagesmütter halten ihr Angebot aufrecht, wenn sie Kinder von alleinerziehenden „Schlüsselpersonen“ betreuen oder Kinder, bei denen beide Eltern „Schlüsselpersonen“ sind. Dies könne zwischen der Tagespflegestelle und den Eltern eigenverantwortlich abgestimmt werden, heißt es. Aber auch bei der Tagesmutter müssen die Regeln des Infektionsschutzes penibel beachtet werden.

Was müssen Eltern beachten?

Die Schließung aller Kitas stellt Mütter und Väter vor massive Probleme. Das Land NRW und die Stadt Aachen richten dennoch einen dringenden Appell an die Eltern. Kinder, die ab sofort nicht mehr in die Kita dürfen, sollten auf keinen Fall bei Menschen betreut werden, die laut Robert Koch-Institut als besonders gefährdet gelten – zum Beispiel Oma und Opa oder Menschen mit Vorerkrankungen. „Über arbeitsrechtliche und weitere finanzielle Aspekte, die sich in der Folge ergeben können, wird aus Düsseldorf gesondert öffentlich informiert“, heißt es in der Pressemitteilung.

 Welche Bescheinigung ist nötig?

„Schlüsselpersonen“ müssen bis kommenden Mittwoch, 18. März, eine Bescheinigung vom Arbeitgeber beibringen. Vom Land soll es auch ein Formular geben. Sobald das vorliegt, können Betroffene es von den Internetseiten von Stadt (www.aachen.de/corona) und Städteregion (www.staedteregion-aachen.de/coronavirus) herunterladen. Das Formular müssen Eltern, die in „Schlüssel“-Berufen arbeiten, herunterladen und ausgefüllt (mit Bescheinigung des Arbeitgebers) in der Kita oder bei der Tagesmutter abgeben.

„Alle eingereichten Formulare werden von den Kitas an eine zentrale Klärungsstelle von Stadt und Städteregion weitergeleitet“, heißt es weiter. Und: „Sollten bei den Prüfungen Zweifelsfälle auftreten, wendet sich die Klärungsstelle direkt an die Eltern.“ Auch die Schulen können auf dieses Formular zurückgreifen. Denn auch dort werden Kinder betreut werden müssen, deren Eltern in Schlüsselberufen arbeiten.

(mg)