Aachen: Kita-Eltern kämpfen um ihr Außengelände

Aachen : Kita-Eltern kämpfen um ihr Außengelände

Die Politiker bekommen in diesen Tagen vermehrt Besuch vom Bürger, was daran liegt, dass die Elternschaft der AWO-Kita „Mittendrin“ an der Goerdeler-straße auch bei der politischen Entscheidungsfindung nicht außen vor bleiben möchte. Zumal es um ihre eigenen Belange geht.

Denn wie berichtet, wehren sich die Eltern gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt als Betreiberin des Kindergartens und dem Anwohnerprojekt „Miteinander — Leben in der Goerdeler Straße“ (Mile) dagegen, dass die Pläne für ein großes Wohnungsprojekt auf dem alten Finanzamtsgelände an der Beverstraße das Außengelände der Einrichtung nicht nur tangieren, sondern beschneiden und — wie sie meinen — nachhaltig zum Nachteil verändern.

Mittendrin in den politischen Diskussionen: die AWO-Kita Goerdelerstraße, deren Außenfläche durch die Pläne für das „Kronprinzenquartier“ erheblich verändert werden würde. Foto: Michael Jaspers

Deshalb waren die Eltern am Dienstag zahlreich zur Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses erschienen, der sich mit einem Randaspekt des Themas befasste. Deshalb werden sie auch heute den Planungsausschuss besuchen, der die Offenlage des Bebauungsplanes für das „Kronprinzenquartier“ mit knapp 200 Wohneinheiten beschließen wird. Und deshalb haben sie den Ratsfraktionen und den Mitgliedern beider Ausschüsse vorab einen Brief geschickt, in dem sie ihre Bedenken erläutern. Tenor des dreiseitigen Schreibens: „Die Pläne sind widersinnig.“ Die Politik möge bedenken, dass dadurch der „besonders sensible und schützenswerte Bereich der Kinderbetreuung betroffen“ sei, und die Verwaltung beauftragen, die Pläne zu überarbeiten.

Stein des Anstoßes ist wie berichtet ein gut vier Meter breiter Weg, der das neue Quartier von der Goerdelerstraße aus so erschließen soll, dass kein Platz mehr bleibt für düstere „Angsträume“. Bloß: Dieser Weg verliefe durch das Außengelände der Kita. Rund 300 von 1600 Quadratmetern würde die Einrichtung an Freiflächen einbüßen, aber auch die vorgeschlagenen Ausgleichsflächen sind aus Sicht von Kita und Eltern ungeeignet, weil „sozusagen im toten Winkel“ und damit für die Erzieherinnen von den Kita-Räumen aus nicht einzusehen. Man sieht darin eine „massive Verschlechterung“, wodurch „dem Konzept des Bewegungskindergartens die Grundlage entzogen“ werde. Nur mit massiven zusätzlichen personellen Ressourcen könne man dann den heutigen Bewegungsspielraum für die rund 80 Kinder weiter garantieren.

Diese Nachteile sieht im Übrigen auch das Landesjugendamt. In einem Schreiben an die Stadt stellt es zwar fest, dass der neue Zuschnitt des Außengeländes nicht die derzeit bestehende Betriebserlaubnis der Kita gefährdet, dass die Nutzbarkeit aber gleichwohl „deutlich ungünstiger“ und die Entwicklung „bedauerlich“ sei.

Die Eltern, die eine Architektin in ihren Reihen haben, haben Alternativvorschläge gemacht, was die Wegführung angeht. Am Dienstag im Kinder- und Jugendausschuss erhielt einer von ihnen auch Rederecht. „Wir sind nicht gegen den Weg, aber er darf die Qualität der Betreuung nicht beeinträchtigen“, sagte Christian Rein. Von den Kinder- und Jugendpolitikern gab es verbale Streicheleinheiten. „Wir stehen auf ihrer Seite“, versprach die Ausschussvorsitzende Ruth Wilms (CDU). Man werde mit den Fraktionskollegen, die im Planungsausschuss sitzen, noch einmal reden.

Gelegenheit dazu hatte man aber bereits am Abend vorher, tagen doch die Ratsfraktionen montags. Und da wurde — auch in der CDU-Fraktion — die Marschroute dem Vernehmen nach so festgezurrt, dass heute im Planungsausschuss die Pläne mehrheitlich so beschlossen werden, wie sie sind — mit dem Weg, der das Kita-Gelände beschneidet. Die Eltern haben dann noch Gelegenheit, im Zuge der Offenlage des Bebauungsplans ihre Bedenken anzumelden. Öffentlich präsentiert werden die Pläne fürs „Kronprinzenquartier“ aber schon nächste Woche — in einem Pressegespräch mit OB Marcel Philipp und Planungsdezernentin Gisela Nacken.