Aachen: Kita an Stettiner Straße tritt Problemen sportlich entgegen

Aachen: Kita an Stettiner Straße tritt Problemen sportlich entgegen

Einen ganz besonderen Tag erlebte die Kindertagesstätte Stettiner Straße im Stadtteil Driescher Hof. Mit einem „Frühlings-Sport-Fest“ feierten die Kita-Kinder mit Eltern, Erzieherinnen und Gästen das Zertifikat „Bewegungskindergarten“ des Landes Nordrhein-Westfalen, das Kita-Leiterin Heike Steffen aus den Händen von Nadine Frey vom Stadtsportbund Aachen in Empfang nahm.

Zwei Jahre dauerte die Qualifikationsphase für das Zertifikat, die die Kita mit der Unterstützung von Stadt und dem Stadtsportbund in Angriff genommen haben. Dass sich die Kita das Zertifikat redlich verdient hat, stellten die Kinder mit dem „Flummisong“ unter Beweis, der nicht nur sie, sondern alle Anwesenden zum Mitwackeln brachte.

Das Zertifikat ist Beweis für das Engagement der Kita und es ist auch ein Signal, denn Driescher Hof zählt zu Aachens Problemvierteln. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist hoch, viele Menschen leben in sozial schwierigen Verhältnissen. Das merkt auch Heike Steffen, die Leiterin der Kindertagesstätte: „Unsere Kinder haben zu 100 Prozent einen Migrationshintergrund. Viele beherrschen zwar die Sprache ihres Heimatlandes, können aber kaum Deutsch.“

Hat man da nicht eigentlich andere Sorgen, als sich um ein Zertifizierungsverfahren zu kümmern? Nicht, wenn die Bewegungsangebote fester Bestandteil des Erziehungskonzeptes sind. „Über Bewegung bringen wir die Kinder auch zum Sprechen,“ erklärt Steffen. Und Bewegung führt auch zu Erfolgserlebnissen für die Kleinen. „Kinder wachsen innerlich durch etwas, was sie gemeistert haben. Wenn ich mich traue, die schwere Wackelbrücke auf unserem Klettergerüst zu meistern, dann fühle ich mich gut und traue ich mir auch zu, ein schweres Puzzle zu lösen.“

Neben den offiziellen Programmen zur Sprachförderung wie Delfin 4 sind es vor allem die kleinen Alltagsgeschichten, in die die Sprachförderung eingebaut wird. Das fängt schon morgens beim Frühstück an. „Wir sagen ich wünsche dir einen guten Morgen. Wie geht es dir? Was ist in deiner Dose?“, erzählt die Kita-Leiterin. Auch das Benennen von Gegenständen, etwa von Haushaltsgeräten beim gemeinsamen Backen, gehört dazu.

Einmal in der Woche besucht ein Logopäde die Kindertagesstätte. „Das Angebot entlastet auch unsere Eltern. Viele haben zwei Jobs, um über die Runden zu kommen. Ihnen fehlt einfach die Zeit, diesen zusätzlichen Weg auf sich zu nehmen“, so Heike Steffen. Die Kindertagesstätte ist ein Ganztagsangebot, bietet für die 25 Kinder ein Frühstück und ein Mittagessen an. Das Verhältnis zu den Eltern ist gut.

„Trotz der sozial schwierigen Verhältnisse gehen die Eltern sehr liebevoll mit ihren Kindern um und engagieren sich, wenn wir hier Aktionen planen.“ Vor allem, als für den Garten ein neues Klettergerüst angeschafft wurde, packten die Eltern mit an, füllten an einem Nachmittag den Fallschutz für das Gerüst auf. „Das war wie ein kleines Fest, alle halfen mit, Essen wurde organisiert, einfach toll“, erinnert sich Heike Steffen.

Im Viertel ist die Kindertagesstätte gefragt. Vor allem das Bewegungsangebot habe sich bei den Eltern herumgesprochen. „Das wird immer wichtiger, weil im Alltag die Räume für Kinder zum Spielen fehlen.“ In Zukunft würde die Kindertagesstätte dieses Angebot gerne auch weiter ausbauen, doch die Finanzierung wird nicht einfach. „Unterstützung ist immer willkommen“, meint Heike Steffen schmunzelnd.

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