Aachen: Kirchen: Langzeitarbeitslose bleiben auf der Strecke

Aachen: Kirchen: Langzeitarbeitslose bleiben auf der Strecke

Die Arbeitslosenzahlen sinken. „Das ist nur ein Teil der Wirklichkeit”, sagen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche und Mitglieder von Pro Arbeit, dem Dachverband der Arbeitsloseninitiativen in der Städteregion Aachen. Von dem Aufschwung profitierten nicht alle. „Die Langzeitarbeitslosen bleiben auf der Strecke”, gibt Peter Brendel, Vorsitzender von Pro Arbeit, zu bedenken.

Die Akteure der Kirchen und freien Träger haben sich an einen Tisch gesetzt, um aktiv zu werden. Sie fürchten um die Infrastruktur, die über zwei Jahrzehnte lang mühsam aufgebaut wurde und nun zusammenzubrechen droht. Es geht um das Netz an Projekten für langzeitarbeitslose Menschen in der Städteregion. Dazu zählen verschiedene Beratungs-, Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote.

Immer mehr Einrichtungen brechen weg, über 100 fest angestellte Mitarbeiter in Arbeitslosenprojekten mussten seit letztem Jahr entlassen werden. Gründe für diese Entwicklung sind nach Angaben der Akteure zum einen die Kürzung der Zuschüsse aus Bundesmitteln, zum anderen die veränderte Arbeitsmarktpolitik in der Städteregion. Im Oktober 2009 fusionierten mit Gründung der Städteregion die Argen von Stadt Aachen und Kreis Aachen zu einer gemeinsamen Einrichtung, die seit Januar dieses Jahres unter dem Namen „Jobcenter Städteregion” arbeitet.

Die Vergabe von Arbeitsmarktdienstleistungen richte sich mittlerweile nur nach rein wirtschaftlichen Kriterien, kritisieren die Akteure. Das führe dazu, dass regionale Träger miteinander konkurrieren. Dabei müsse eigentlich der Dialog der eigentliche Grundsatz der Arbeitsmarktpolitik sein, sagt Brendel. Inhalt und Qualität seien bei den Ausschreibungen zur Nebensache geworden. Der Billigste würde gewinnen, die kirchlichen und freien Träger könnten nicht mehr mithalten.

Dabei würden Langzeitarbeitslose eine spezielle Form der Beratung benötigen, die auf Kontinuität, Planbarkeit und Vertrauen beruht. Den Jobcentern gehe es vor allem um schnelle Vermittlung und kurzfristige Erfolge, erklärten die Akteure. „Für viele Menschen gibt es keinen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt, sie müssen besonders viele Hürden nehmen, um wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden”, sagt Brendel, der auch zu bedenken gibt, welche Schicksale hinter diesen Fällen stehen.

Die Vertreter der Kirche und der freien Träger fordern den Städteregionsrat Helmut Etschenberg und die verantwortlichen Kommunalpolitiker auf, sich für die kirchliche Arbeitslosenarbeit einzusetzen. „Wir sind als Kirche einem bestimmten Menschenbild verpflichtet”, sagt Hans-Peter Bruckhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen.

Nach dieser Auffassung gebe es „keine hoffnungslosen Fälle”. Gerd Mertens, Referent im Büro der Regionaldekane und im Vorstand von Pro Arbeit, appelliert an die Politik, mit Kirche und freien Trägern an einem Strang zu ziehen: „Um den Weg zu den besonders benachteiligten Menschen zu finden, brauchen wir Projekte als Türöffner. Wir brauchen einen friedlichen regionalen Konsens.”