Aachen: Kinder wieder mit Rohrreiniger gefährdet

Aachen : Kinder wieder mit Rohrreiniger gefährdet

„Ätzend!“, kommentiert eine junge Mutter Sonntagmittag. Was doppelt zutreffend ist. Die Frau schüttelt den Kopf und sucht mit ihrem Kinderwagen das Weite. Da hat sich die Nachricht, dass erneut hochgiftige Rohrreiniger in Form kleiner weißer Kügelchen auf einem Spielplatz im Westpark verteilt worden ist, längst im Viertel herumgesprochen.

Im Juni dieses Jahres waren bei ähnlichen Attacken in Aachen fünf Kinder leicht verletzt worden. Einen Täter konnte die Polizei allerdings nicht dingfest machen.

Tatort Kinderspielpatz: Mit Mundschutz, Latexhandschuhen und Füßlingen sammelt eine Beamtin neben Spielgeräten und auf Bänken im Westpark kleinste Spuren; das Gelände wurde mit Flatterband abgesperrt. Foto: Ralf Roeger

Rot-weißes Flatterband der Feuerwehr warnt nun wiederum vor dem Tatort im Park, der zwischen Welkenrather Straße, Vaalser- und Gartenstraße liegt. Gerade am sonnenreichen Sonntag sollte er Ziel vieler Familien sein. Doch ein Zeuge hat die verdächtigen Kügelchen schon früh am Vormittag entdeckt, Polizei und Feuerwehr reagieren sofort und riegeln den Fundort ab.

Die Spurensicherung ermittelt vor Ort, sammelt die Kügelchen auf Parkbänken und Spielgeräten auf. Akribisch wird die Umgebung abgesucht. Betroffen sind vor allem eine Kinderschaukel und ein Gerüst. Verletzt wird nach Angaben der Polizei diesmal zum Glück niemand — auch wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass vor dem Polizeieinsatz Kinder oder Spaziergänger mit den Kügelchen in Kontakt gekommen sind. Natürlich werden zum wiederholten Mal strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet.

Bis in den Nachmittag hinein suchen Polizei und Ordnungsamt auch rund 20 Spielplätze in der Umgebung ab, allerdings ohne weiteren Fund.

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft — nach mehreren Attacken auf verschiedenen Spielplätzen und zwei Grillplätzen im Aachener Wald — die Ermittlungsstufe „erhöht“. Zunächst stand der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung im Raum, als die Kriminalpolizei nach dem oder den unbekannten Täter(n) fahndete. Doch als die Attacken zunahmen und Kinder verletzt wurden, ging es schließlich um den Vorwurf der versuchten Tötung.

Die Staatsanwaltschaft übernahm die Federführung, eine eigene Ermittlungsgruppe nahm die Arbeit auf — alles ohne Erfolg, obwohl sogar eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise ausgelobt wurde, die auf die Spur des Täters führen.

Ende August hatte Staatsanwalt Jost Schützeberg konstatiert, dass es keinerlei konkrete Hinweise gebe. Was überraschte, weil damals sogar Rohrreiniger am helllichten Tag verteilt worden war. Damals musste die Stadt nach großflächiger Kontaminierung durch die Rohrreiniger-Kügelchen etliches Sitzmobiliar abbauen und verschrotten lassen. Hauptbestandteil von Rohrreinigern ist zumeist stark alkalisches Natriumhydroxid, sogenanntes „Ätznatron“. Im Besonderen bei kleineren Kindern kann die Aufnahme größerer Mengen dieser Chemikalie lebensgefährliche Folgen haben.

Die Polizei mahnt nun zu besonderer Vorsicht — nicht nur am Westpark. Wer weiße Kügelchen (oder andere verdächtige Substanzen) auf Sitzmobiliar, Spiel- oder Grillplätzen in Aachen entdeckt, wird gebeten, sofort die Polizei unter der Rufnummer 0241/957734210 oder per Notruf zu alarmieren.

Natürlich werden auch sachdienliche Hinweise zur Ergreifung der Täter gerne entgegengenommen. Ob ganze Spielbereiche im Park, die nun neuerlich der Rohrreiniger-Attacke zum Opfer fielen, längerfristig gesperrt werden müssen, ist noch nicht entschieden.

Am Montag werden Stadt und Polizei weitere Informationen zu den zu den „ätzenden“ Vorfällen mitteilen. Die Ordnungskräfte wollen die Spielplätze nach Angaben der Leitstelle im Aachener Präsidium vom Sonntag jetzt noch häufiger kontrollieren.