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Corona in Stadt und Städteregion Aachen: Keine öffentlichen Veranstaltungen bis Ende Mai

Corona in Stadt und Städteregion Aachen : Keine öffentlichen Veranstaltungen bis Ende Mai

In der Stadt Aachen und allen weiteren Kommunen der Städteregion Aachen soll es wegen der Corona-Krise bis Ende Mai keine öffentliche Veranstaltung geben. Diesen Appell richteten Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Tim Grüttemeier am Dienstag an private Veranstalter und die Bürgermeister der Kommunen.

Die beiden kommunalen Spitzenbeamten, die seit dem 26. Februar mit ihren jeweiligen Krisenstäben eng in Sachen Coronavirus-Bewältigung zusammenarbeiten, betonen aber, dass es sich bei ihrer Offerte nicht um eine Anweisung, sondern eben eine Empfehlung handele. Diese erfolge unabhängig davon, welche Anordnungen Bund und Land für die Zeit nach den Osterferien erlassen werden. Die bisherigen Regelungen gelten alle bis einschließlich 19. April.

Stadt und Städteregion wollen bei dem Zurückfahren auf Null in Sachen Freizeit und Kultur mit gutem Beispiel vorangehen. Die eigenen bis Ende Mai geplanten Veranstaltungen – inklusive zum Beispiel der Karlspreis-Verleihung – sind bereits alle abgesagt bzw. auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Philipp und Grüttemeier setzen darauf, dass Kommunen und Veranstalter der Empfehlung folgen werden. Die Krise könne nur bewältigt werden, wenn auf längere Sicht Abstand das Gebot der Stunde sei, wenn soziale Kontakte auf das absolut Nötige zurückgefahren würden.

Große Sorgen bereitet Stadt und Städteregion nach Aussage der Spitzenbeamten die Situation in den Seniorenwohn- und pflegeeinrichtungen. In sechs Häusern seien derzeit Patienten infiziert, in 19 Häusern Personal. Die NRW-Aufnahmeverordnung schreibe eine strikte Trennung Infizierter und Gesunder vor. Das sei für alle Verantwortlichen eine erhebliche logistische Herausforderung. Da stoße, so Marcel Philipp, die Theorie der Verordnungen mitunter an ihre Grenzen. So könne man die alten Menschen nicht gegen ihren Willen aus ihren Wohnungen und Zimmern in andere Bereiche umsiedeln. Vordringlich sei jetzt, im Bereich der Seniorenheime umfassend Personal und Bewohner zu testen, um ein detailliertes Bild der teilewese sehr dynamischen Lage zu bekommen. Philipp und Grüttemeier richteten die „dringende Bitte“ an das Personal im Pflege- und Betreuungsbereich, sich – auch wenn es keinerlei Anzeichen einer Infektion gebe – freiwillig testen zu lassen.

Fallzahlen: Aktuell (Stand Dienstagnachmittag) gibt es 1295 bestätigte Coronafälle in der Städteregion Aachen (davon 674 in der Stadt Aachen). 662 ehemals positiv auf das Coronavirus getestete Personen sind laut Tim Grüttemeier inzwischen wieder gesund. 35 Menschen sind in unmittelbarem Zusammenhang mit der Infektion gestorben.

Krisenstab: Mindestens ein Mal am Tag erörtern die Krisenstäbe im Lagezentrum am Tivoli die aktuelle Situation. Im Stadion an der Krefelder Straße finden auch die Abstimmungsgespräche zum Beispiel mit den Ordnungsämtern, den Bürgermeistern aus der Städteregion, den Kliniken, den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Kirchen und Religionsgemeinschaften statt.

Logistik: Ein zentraler Bereich der Arbeit im Krisenstab ist die Logistik zur Beschaffung notwendigen medizinischen Materials. Im Moment sind zwölf Mitarbeiter ausschließlich mit der Aufgabe betraut, die wichtigsten Schutzmaterialien zu besorgen. Beliefert werden neben den Krankenhäusern und Altenheimen auch Rettungsdienste und Kinderheime. Angesichts von „Wildwestmethoden auf dem Weltmarkt“, so Grüttemeier und Philipp, sei es wichtig zu betonen, dass man „seriöse Händler identifiziert“ habe, „mit denen wir nun im Geschäft sind“. Die Lieferungen würden funktionieren. Teile der vom NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales bestellten Schutzausrüstung seien zwischenzeitlich auch geliefert worden.

Abstrichzentren: In Eschweiler sowie am Aachener Tivoli sind bisher 7000 Tests (davon 2200 in Aachen) vorgenommen worden, jeder Zehnte war positiv. Bemerkenswert aber – und das zeigt laut Philipp und Grüttemeier den Erfolg der Kontaktsperren: Benannten die Infizierten zu Beginn der Tests noch durchschnittlich 129 unmittelbare Kontaktpersonen, so ist der Wert auf einen Durchschnitt von zehn gesunken. Über Ostern ist die Eschweiler Einrichtung geschlossen, das Zentrum am Tivoli ist Karsamstag (9 bis 15 Uhr) geöffnet. Die Hotline (0241/5198-7500) ist über Ostern täglich von 8 bis 19 Uhr freigeschaltet. Zusätzlich gibt es zwei mobile Teams, die in Heimen Abstriche nehmen.

Krankenhäuser: Die Zahl der Intensivbetten kann in der Städteregion Aachen und den Kreisen Heinsberg und Düren in kurzer Zeit von 300 auf 529 (davon 476 mit Beatmungsplätzen) erhöht werden. Grüttemeier und Philipp sehen die Region daher gut aufgestellt. Um bei Bedarf weiteren Platz in den Kliniken zu schaffen, werden zwei Einrichtungen als Bedarfskrankenhäuser in Reserve gehalten. Im Aachener Schwertbad gibt es 40 Betten, in Bardenberg 78 Betten (weiterer Ausbau möglich). Dorthin könnten aus den Kliniken der Region Patienten verlegt werden, die in der sogenannten Erholungsphase sind, also keiner intensiven medizinischen Betreuung mehr bedürfen. Auch in der Burtscheider Rosenquelle ist Platz für 40 Patienten in Kurzzeitpflege.

Alteneinrichtungen: Die zunehmende problematische Lage in Senioreneinrichtungen hat es notwendig gemacht, auch alternative Unterbringung anzubieten. Wo eine strikte Trennung von kranken und gesunden Menschen nicht möglich ist, sei ein Umzug in andere Einrichtungen möglich, so Marcel Phillip. Derzeit stünden 13 Häuser dafür zur Verfügung.

Krankentransporte: Die Krisenstäbe haben eine Transportorganisation für den Rettungsdienst etabliert, die laut Grüttemeier gewährleistet, dass intensivpflichtige Patienten jederzeit unmittelbare Hilfe bekommen und in die passende Klinik gebracht werden.

Personalbedarf: Dringend gesucht werden weiterhin Personen, die sich aktuell in medizinischen oder pflegerischen Bereichen in der Städteregion Aachen und der Stadt Aachen engagieren möchten. Interessierte können sich bei der „Zentralen Anlaufstelle für Hilfs- und Fachpersonal“ melden (02405 6039-338, Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 16 Uhr, Mail zap@drk-aachen.de).

Kinderbetreuung: Rund 1300 Kinder (552 in Aachen) werden in der Stadt Aachen derzeit in Not-Kitas betreut. Das sind drei Prozent aller Kita-Kinder in der Städteregion. Auch in den Ferien müssen Schüler betreut werden, das sind aktuell 166 (80 in Aachen). In beiden Bereichen handelt es sich um Eltern in sogenannten „kritischen Infrastruktureinrichtungen“, die auf eine durchgehende Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind.

Allgemeine Informationen: Die Corona-Hotline der Verwaltungen ist über die Feiertage von Karfreitag bis Ostermontag von 8 bis 13 Uhr zu erreichen (Telefon 0241/510051).

Ausblick und Lob: Philipp und Grüttemeier sehen „erste Erfolge“ der getroffenen Maßnahmen. Man dürfe aber jetzt noch keine Lockerungen vornehmen. Grüttemeier: „Dazu ist es viel zu früh.“ Die „gigantische Herausforderung (Philipp) sei noch nicht bewältigt. Vielleicht das Wichtigste zum Schluss: Nahezu überschwängliches Lob zollten Philipp und Grüttemeier den vielen Akteuren im Rahmen der aktuellen Krise, vor allem den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, ohne die die Krise nicht bewältigt werden könne.