Keine Empfehlung für die Städteregionsrat-Stichwahl

Wahl zum Städteregionsrat : Offiziell gibt’s keine grüne Schützenhilfe

Als Drittplatzierter ist Oliver Krischer raus aus dem Rennen um die Nachfolge von Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Dennoch könnten der Grünen-Kandidat und seine Partei im Vorfeld der Stichwahl am 18. November eine entscheidende Rolle spielen.

Am Ende dieses aufgrund der schwachen Wahlbeteiligung recht kurzen Abends gab es fast ausschließlich zufriedene Gesichter. Klar, die Menschen sind es mittlerweile gewöhnt, dass Politiker versuchen, schlechte Ergebnisse zu ihren Gunsten zu interpretieren. Doch im Städteregionshaus hatte die gezeigte Zufriedenheit am Sonntag durchaus etwas Aufrichtiges. Die Kandidaten konnten sich offenbar – wenn auch in unterschiedlicher Intensität und aus unterschiedlichen Gründen – anfreunden mit dem Votum der Wähler.

Das galt auch für Linken-Kandidat Albert Borchardt, den nur 3,3 Prozent der Wähler unterstützten, der aber seine Themen nunmehr in den Köpfen der Menschen verankert sieht. Und auch für Marcel Foré (ÖDP), der eine gute Basis geschaffen sieht für die Kommunalwahlen im Jahr 2020. Eine Ausnahme bildete allenfalls Markus Matzerath, der den Eindruck vermittelte, deutlich mehr als die erreichten 6,8 Prozent erwartet zu haben, und im Nachgang darauf verwies, dass die AfD ja erst seit fünf Jahre existiere und deshalb im Vergleich zu den „großen Parteien“ finanziell und personell minderbemittelt sei.

Eine entscheidende Rolle

Raus aus dem Rennen, das CDU-Kandidat Tim Grüttemeier als Sieger des ersten Durchgangs (39,2 Prozent) und die zweitplazierte SPD-Konkurrentin Daniela Jansen (27,8) nun am 18. November in der Stichwahl unter sich ausmachen werden, ist auch Oliver Krischer. Und doch könnten der Grünen-Bundestagsabgeordnete und seine Partei in den kommenden Tagen eine wichtige und vielleicht sogar die entscheidende Rolle einnehmen. Denn mit 21,2 Prozent hat der Dürener in der Städteregion einen beachtlichen Zuspruch und exakt 32,941 Stimmen erhalten. Da stellt sich natürlich die Frage, was die Grünen-Wähler im zweiten Durchgang machen werden und wie sich die Partei im Vorfeld verhält.

Jansen und Grüttemeier müssen in die Stichwahl

Für Werner Krickel ist klar, dass es keine Empfehlung der Grünen für den 18. November geben wird. „Unsere Wähler wissen selber gut genug, warum sie wen gewählt haben oder wählen werden“, ist der städteregionale Fraktionsvorsitzende sicher. Seine persönliche Priorität will er eigentlich nicht preisgeben, bringt sie aber auf Umwegen doch zum Ausdruck: „Wir arbeiten seit fast 25 Jahren erfolgreich in einer schwarz-grünen Koalition. Und die Wähler haben das mit mehr als 60 Prozent ihrer Stimmen honoriert.“ Mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im Städteregionstag stellt Krischer fest: „Eine Drei-Stimmen-Mehrheit ist natürlich schöner als eine Mehrheit von einer Stimme.“ Letztere bliebe übrig, sollte die Sozialdemokratin Daniela Jansen den Christdemokraten Helmut Etschenberg ablösen.

Das ist auch weiterhin ihr Ziel, wie sie am Tag nach der Wahl im Gespräch mit unserer Zeitung unterstreicht. „Ich werde versuchen, mit meinen Themenschwerpunkten wie Strukturwandel, bezahlbarer Wohnraum, Arbeit und Soziales auch bei denjenigen zu punkten, die mich im ersten Wahlgang nicht gewählt haben“, kündigt Jansen an. Die Chancen dafür schätzt sie als durchaus gut ein. „Schließlich war mein Spektrum zumindest teilweise auch von Grünen, Linken und ÖDP besetzt, während der CDU-Kandidat die Wähler der FDP aufsammeln konnte.“

Die Sichtweise des so angesprochenen Tim Grüttemeier ist erwartungsgemäß eine etwas andere. Zwar hat er den ersten Wahlgang recht deutlich gewonnen, aber entschieden sei deshalb noch nichts: „Das ist ein schönes Ergebnis und gibt Rückenwind für die Stichwahl. Aber wer zur Halbzeit führt, hat längst noch nicht gewonnen.“

Grüttemeier ist Favorit bei der Stichwahl

Der Stolberger Bürgermeister behält natürlich auch die mögliche Unterstützung der Krischer-Wähler im Blick und wirbt in diesem Sinne schon mal für die Fortführung der schwarz-grünen Kooperation und Koalition in der Städtereregion. „Ich habe aber nicht vor, mein Wahlkampfprogramm zu ändern. Es enthält sicherlich auch so genügend Themen, die für Grüne interessant sind.“ Entscheidend wird aus Grüttmeiers Sicht die Wahlbeteiligung sein. „Wer die Wähler am besten mobilisieren kann, hat am Ende die Nase vorn “, ist er überzeugt.

Genauso sieht es Daniela Jansen. Beide haben wohl auch das mahnende Beispiel aus dem Jahr 2014 in Erinnerung, wenn sie die gut 440.000 Wahlberechtigten dazu aufrufen, am 18. November ihre Stimme abzugeben. Damals, am 15. Juni, lag die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl zwischen Helmut Etschenberg und Christiane Karl gerade einmal bei 22,22 Prozent.

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