Aachen: Keine Angst vor Inkassobriefen: Verbraucherzentrale hilft

Aachen: Keine Angst vor Inkassobriefen: Verbraucherzentrale hilft

In der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW in Aachen werden jeden Tag Probleme gewälzt. Probleme, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Angefangen bei Finanzen über die Gesundheit bis hin zu Energiefragen.

Über 12.000 Menschen haben im vergangenen Jahr die Beratungsstelle aufgesucht, um sich Rat und Tat zu holen.

An den Besucherzahlen habe sich laut Jutta Reimnitz, Leiterin der Beratungsstelle, in den vergangenen fünf Jahren nicht viel geändert, an den Problemen schon: „Die Fälle sind schwieriger zu bearbeiten, da alles komplexer und komplizierter wird“, erklärte sie. Daher würden viele Leute den Überblick verlieren und eigentlich wichtige Sachen aufschieben. Trotzdem: „Den meisten Verbrauchern kann bei uns in der Beratung geholfen werden“, betonte Berater Ulrich Isfort.

Die Themen, mit denen sich „die Verbraucher herumschlagen müssen“, wie Reimnitz sagte, seien aber ähnlich zu den der vergangenen Jahre: Überhöhte Inkassokosten, Fallen beim Online-Shopping, Stromsperren, Energieberatung und die sogenannte „Null-Prozent-Finanzierung“. Ein Drittel der gesamten Anfragen aus dem Jahr 2015 fiel in den Bereich „Finanzen“. Geldanlage und Altersvorsorge seien dort genauso Themen wie Schuldenberatungen. „Täglich haben wir außerdem Anfragen zum Thema Telefon und Internet.“ Das können Telefonrechnungen aus dem Auslandsaufenthalt sein, Verträge, die aus Versehen mit Drittanbietern geschlossen wurden, oder Probleme mit dem Festnetzanschluss beim Umzug.

Mit den sogenannten Inkassobüros, die für andere Unternehmen Forderungen eintreiben sollen, hatte die Verbraucherzentrale auch 2015 viel Kontakt, denn überhöhte Inkassokosten und unberechtigte Hauptforderungen stehen laut Reimnitz auf der Tagesordnung. „Es gibt fast kein Inkassoschreiben, an dem man nicht etwas kritisieren könnte“, betonte sie. „Wir hoffen also, dass die Leute zu uns kommen, wenn sie solche Briefe bekommen.“

Ein besonderes Problem ist die inzwischen beliebte „Null-Prozent-Finanzierung“, sagte Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberaterin Jutta Wedrich. „Vorsicht: Das ist ein Kredit!“ warnt die Verbraucherzentrale an mehreren Stellen, trotzdem wissen viele noch nicht, dass dem so ist. Auch das bequeme Online-Shopping birgt so manche Risiken: Über Ware, die zwar bezahlt wurde, doch nie beim Käufer angekommen ist, kann Isfort ein Lied singen. Er riet: „Vor der Bestellung sollte man sich die Firma genauer angucken und darauf achten, dass AGB und Widerrufsbelehrung vorhanden und einfach zu finden sind.“

Und nicht nur Menschen mit dringenden Problemen kommen zur Verbraucherzentrale, sondern auch Hausbesitzer, die beispielsweise Fenster, Fassade, Dach oder Heizung erneuern wollen. Dazu gab und gibt es verschiedene Aktionen, wie die „Haus-zu-Haus-Aktionen“. Dabei suchen sich die Experten der Beratungsstelle im Vorfeld ein Baugebiet in Aachen aus, in dem Sanierungsbedarf besteht, schreiben alle Hausbesitzer an und bieten vergünstigt Tipps zur Sanierung an. Anders sieht es im benachbarten Beratungsbereich „Energiearmut“ aus: Dort geht es vor allem darum, eine Stromsperre zu verhindern und mit dem Energieversorger geeignete Vereinbarungen und Absprachen zu Ratenzahlungen zu treffen.

Im aktuellen Jahr stehen wieder ähnliche Schwerpunktthemen auf dem Plan der Beratungsstelle: Fake-Shops beim Einkaufen im Internet, Inkassobüros, Drittanbieter und das neu eingeführte „Basiskonto“, das jedem das Recht auf ein Girokonto einräumt. Frei nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, gibt es eine gute Möglichkeit, die verschiedenen Risiken im Alltag zu minimieren: „Am besten ist es, immer alles zu hinterfragen“, betonte Isfort.

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