Kein Ausbau der Kapazitäten in Frauenhäuser der Städteregion Aachen

Zahlreiche Abweisungen und kaum Plätze : Politik sieht kein Ausbaubedarf in den Frauenhäusern

Der Blick auf die Zahlen lässt eine akute Notlage vermuten – auch jenseits der individuellen Schicksalsschläge, die die Bewohnerinnen der Frauenhäuser in der Städteregion erfahren haben.

Denn in der Summe mussten die beiden Einrichtungen in Aachen und Alsdorf nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 244 Frauen abweisen – fast die Hälfte von ihnen (48,4 Prozent) mit dem Hinweis auf eine Überbelegung. Setzt man dies in Relation zu den ermöglichten Unterbringungen, erscheint der Wert noch alarmierender: Denn im Aachener Frauenhaus kamen 53 Hilfesuchende unter, in Alsdorf 56.

Das legt den Schluss nahe, dass die Aufnahmekapazitäten dringend erhöht werden müssen. Doch genau diesem haben Verwaltung und Einrichtungsleitungen jetzt im städteregionalen Sozialausschuss deutlich widersprochen. Und zwar gleich aus zwei Gründen. Zum einen verweisen sie darauf, dass keine in Not geratene Frau einfach abgewiesen, sondern immer beraten und im Bedarfsfall in ein anderes Frauenhaus vermittelt werde, wenn in Alsdorf und Aachen kein Platz verfügbar sei. Ein bundesweit sehr gut funktionierendes Netzwerk mache dies möglich.

Keine volle Auslastung

Zum anderen liege die Ursache für den mitunter zu verhängenden Aufnahmestopp nicht in den zu geringen Kapazitäten der beiden Häuser, sondern in der langen Aufenthaltsdauer, die das für den Regelfall vorgesehene Maximum von zwei Monaten oftmals überschreite, weil auf dem Wohnungsmarkt kein passendes Angebot für die Zeit nach dem Frauenhaus zu finden sei.

Dennoch ist eine volle Auslastung in den beiden Frauenhäusern nicht permanent gegeben, betonte Renate Wallraff im Ausschuss. „Die Gesamtbelegungsquote erreicht nicht die 100 Prozent“, erklärte die Leiterin des Alsdorfer Frauenhauses den Vertretern der Fraktionen. In der vom Diakonischen Werk geführten Einrichtung im Nordkreis lag die Quote demnach im vergangenen Jahr bei 74,3 Prozent. Wobei diese in Zusammenhang gestellt werden muss mit dem Umstand, dass dort acht komplett eingerichtete Appartements zur Verfügung stehen für Frauen mit jeweils bis zu drei Kindern, die Zahl der Kinder aber in vielen Fällen geringer ist.

Das „Frauen- und Kinderschutzhaus“ in Aachen, so der offizielle Name, steht in der Verantwortung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und bietet 20 Plätze an. Hier betrug die Belegungsquote 2018 – mit Kindern – 91,8 Prozent.

Augenmerk auf Wohnungsmarkt

Trotz der erwähnten Zahl der Abweisungen sind sich Politik und Verwaltung einig, dass ein Ausbau der Kapazitäten in beiden Fällen nicht erforderlich ist. Entsprechend fiel das Votum im Sozialauschuss einstimmig aus. Ein stärkeres Augenmerk müsse hingegen auf die Entwicklung des Wohnungsmarktes und die Bereitstellung passender und bezahlbarer Wohnungen gerichtet werden.

Ein erstes deutliches Ausrufezeichen hat der Städteregionstag in diesem Sinne im vergangenen Dezember mit der Verabschiedung des Haushaltes 2019 gesetzt. In diesem sind zwei Millionen Euro vorgesehen, die die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) als zusätzliches Eigenkapital erhält, um den sozialen Wohnungsbau zu forcieren. Der Schwerpunkt soll in diesem Jahr auf die Sanierung von bestehendem Wohnraum gelegt werden.

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