Aachen: Katrin Feldmann: „Wir wollen die Chancen des Wandels positiv nutzen“

Aachen: Katrin Feldmann: „Wir wollen die Chancen des Wandels positiv nutzen“

Das passende Accessoire hat Katrin Feldmann bereits parat. Das Paar Ohrringe mit den grünen Steinen habe ihre Schwester ihr geschenkt. Für den Wahlkampf. Etwas symbolischen Beistand, und sei er noch so klein, kann die Wahl-Aachenerin zurzeit gut gebrauchen. Schließlich bewirbt sich die 49-Jährige zum ersten Mal um ein politisches Mandat.

Und streckt damit als Direktkandidatin der Grünen für den Deutschen Bundestag gleich die Fühler nach Berlin aus. „Es ist Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und der Bundesrepublik ein anderes politisches Gesicht zu geben, als wir es mit der großen Koalition nun schon seit Jahren sehen“, begründet die zweifache Mutter den offensiven Schritt in die Öffentlichkeit. Seit 2005 ist sie Mitglied ihrer Partei. Vier Jahre war sie als Sprecherin des Aachener Kreisverbandes tätig. Nun will sie nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit ihrem Gesicht für die grüne Idee werben.

Politik habe für sie schon immer zum Leben dazugehört, sagt Feldmann. 1987 führte sie das Studium der Politischen Wissenschaft nach Aachen. An der RWTH war sie unter anderem als stellvertretende Asta-Vorsitzende in der Hochschulpolitik aktiv. Dort lernte sie auch ihren Ehemann kennen. Nach ihrem Magisterstudium blieb sie der Universität treu. Erst in der zentralen Hochschulverwaltung im Bereich Wissens- und Technologietransfer. Zuletzt als Abteilungsleiterin für den Bereich Wissenschaftliche Weiterbildung, bis sie ihren Beruf für die Familie auf Eis legte. Seitdem bezeichnet sie sich als „Familienmanagerin“.

Der Templergraben hat ihr Leben geprägt, beruflich wie privat. Doch auch darüber hinaus gibt es für Feldmann viele Gründe, warum sie den Bereich vor dem Hauptgebäude der RWTH als Ort für das Gespräch mit der Aachener Zeitung wählte. „Hier sieht man direkt vor der Haustür, dass man Mobilität neu denken kann“, betont Feldmann im Schatten des Super C. Zum Beispiel anhand der Elektroautos von Streetscooter und e.GO, die beide an der RWTH entwickelt wurden. „Klima ist nicht alles, aber ohne Klima ist alles nichts“, zitiert Feldmann den Wahlslogan der Grünen. „Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels nicht bremsen, brauchen wir uns um den Rest nicht mehr zu kümmern.“

Deshalb sei es auch für sie selbstverständlich, möglichst emissionsfrei von A nach B zu kommen. Zum Beispiel mit ihrem E-Bike. Ihren „grünen Flitzer“ musste sie zwar an jenem Morgen wegen des Regens zu Hause stehen lassen und gegen einen Regenschirm eintauschen. Und der ist nicht grün, sondern gelb, steht aber mit dem schwarzen Schriftzug „Tihange abschalten“ für eine weitere grüne Idee, mit der Feldmann am 24. September in der grünen Hochburg Aachen punkten will. Bei der Bundestagswahl 2013 erhielt ihre Partei in Aachen bei den Erststimmen knapp neun Prozent der Stimmen. Bei den Zweitstimmen 13 Prozent.

Für Feldmann steht auch dieses Jahr fest: „Wir wollen dritte Kraft werden.“ Ihr Urteil über die aktuelle Politik in Berlin fällt deutlich aus. „Das schlechteste, das uns passieren kann für unsere Zukunft in der Bundesrepublik, ist eine große Koalition.“ Die SPD sei noch im Kohledenken verhaftet, und die CDU bleibe jegliche Vorschläge dazu, wie die Auswirkungen des Klimawandels gestoppt werden könnten, schuldig. „Wir sind die einzigen, die sagen: Wir wollen raus aus der Kohle und raus aus Atom“, betont die Politikwissenschaftlerin. Und schweigt sich über eine mögliche Koalition aus. Ausführlicher spricht sie dagegen über ihre persönlichen Steckenpferde Europa und internationale Politik. Über die Bekämpfung von Fluchtursachen vor Ort. Die Notwendigkeit legaler Fluchtwege und eines Einwanderungsgesetzes. Über Solidarität und eine faire Handelspolitik der Europäischen Union.

Aktuellen Umfragen zufolge dümpeln die Grünen zwischen 6,5 und acht Prozent. Dass es ihre Partei zurzeit nicht leicht habe, erst recht nach dem Wechsel von Elke Twesten zur CDU in Hannover, will Feldmann dennoch so nicht stehen lassen. Sie gibt sich selbstbewusst. „Wir zeigen Wege auf, wie wir die Chancen des Wandels positiv nutzen können.“ Kein Wort von der inneren Zerrissenheit einer Partei, die immer wieder zwischen links oder bürgerlich-konservativ zu schwanken scheint. „Ich verorte mich als Grüne“, sagt sie und betont: „Das Thema der Flügel ist bei den Grünen passé — auch wenn sich die Presse darüber weiter Gedanken zu machen scheint.“ Auch über ihre Chancen, tatsächlich nach Berlin zu ziehen, macht sich Feldmann keine großen Gedanken. Mit dem Listenplatz 29 müssten die Grünen in NRW mehr als 25 Prozent erreichen, rechnet sie vor.

„Mein Ziel ist, dass wir möglichst viele Menschen dazu bewegen können, grüne Politik zu unterstützen, und das mache ich gerne mit meinem Gesicht und meiner Stimme“. Und natürlich ihren grünen Ohrringen.