Aachen: Katholische Pfarren stellen sich neu auf

Aachen: Katholische Pfarren stellen sich neu auf

Dem „fiesen” Wort Fusion weicht man gerne aus. Viel lieber spricht das Generalvikariat von „vereinigten Pfarreien” und Kirchengemeindeverbänden. In wenigen Wochen, am 31. Dezember 2009, endet im Bistum Aachen ein beispielloser Reformprozess.

Danach beginnt eine neue Ära. Und schon jetzt steht fest, dass der von Bischof Heinrich Mussinghoff verordnete Fahrplan - trotz teils heftigen Gegenwinds - eingehalten wird.

„Pünktlich zum 1. Januar sind im Bistum Aachen 71 Gemeindeverbände komplettiert: 21 vereinigte Pfarreien und 50 Kirchengemeindeverbände auf der Ebene der Gemeinschaft der Gemeinden”, rechnet Bistumssprecher Franz Kretschmann vor.

Von ehemals knapp 540 Einzelpfarren bleiben 415. Das wirkt sich auch auf 130.320 Katholiken in Aachen aus: Sie sind künftig auf acht Gemeindegemeinschaften aufgeteilt. Darunter sind sechs Fusionsfälle: Im Aachen-Mitte bilden sieben früher eigenständige Gemeinden die größte kaiserstädtische Pfarrei unter dem neuen Namen Franziska von Aachen mit 19613 Katholiken.

Zur Pfarrkirche wurde St. Foillan bestimmt. Im Westen fusionierten drei Pfarren unter dem Dach von St. Jakob. In Burtscheid einigten sich vier Gemeinden auf den neuen Namen Pfarrei St. Gregor von Burtscheid.

Aachen-Nord stellt künftig mit vier verschmolzenen Pfarreien und 10748 Katholiken die kleinste Gemeindegemeinschaft unter dem neuen Namen Pfarrei Christus unser Bruder. Zudem geht St. Bonifatius in St. Katharina auf (Forst); St. Barbara und St. Apollonia kommen in Eilendorf mit St. Severin zu einer Gemeinschaft der Gemeinden (GdG).

Im Generalvikariat hat Johannes Schnettler den beispiellosen Verschlankungsprozess begleitet. Vielerorts liefen die Fusionsprozesse reibungslos, zuweilen kosteten die „Zwangsehen” aber auch erhebliche Überzeugungsarbeit. Es wurden Klagen eingereicht, Schiedsverfahren angestrengt, ein Aktionsbündnis gegen den Kurs des Bischofs gegründet.

Schnettler zeigt sich vor dem Stichtag zum Jahreswechsel zufrieden: „In Aachen sind alle GdG und die vereinigten Pfarreien auf einem guten Weg des Miteinanders”, bilanziert er für die Kaiserstadt.

Und er betont, dass sich viele Befürchtungen zerschlagen haben: „So ist es zum Beispiel der GdG Aachen-Nordwest, die aus den sechs Pfarreien Laurensberg, Richterich, Horbach, Hörn, Vaalserquartier und Gut Kullen sowie Orsbach zusammengefügt wurde, in einem intensiven dialogischen Prozess gelungen, die gemeinsame pastorale Verantwortung für die Menschen im Westen Aachens zu vereinbaren - und trotzdem die jeweiligen Traditionen und Identitäten der Pfarreien zu wahren.”

Düstere Prognosen

Die Zahl der Priester sinkt nach einer Prognose des Generalvikariats bistumsweit von derzeit 319 auf 175 im Jahr 2017. Das heißt, dass schon bald kaum noch Geistliche für die Pfarrbasis zur Verfügung stehen.

Ab Januar will Generalvikar Manfred von Holtum deswegen in einem Pilotprojekt einen Priester aus Kolumbien einfliegen und hier einsetzen. Später könnten weitere kolumbianische Geistliche nachrücken, um die wachsenden Personallöcher in Aachen zu stopfen.

Gleichzeitig schwinden die Kirchenmitglieder. Von derzeit 1,1 Millionen Katholiken werden bis 2030 laut von Holtum nur noch 830000 übrig sein. Damit sinken die Kirchensteuereinnahmen weiter: Minus 6,4 Prozent verzeichnet man dieses Jahr, 2010 soll der Negativ-Trend um weitere zehn Prozent verschärft werden.

Nachdem die Pfarrstrukturen nun verschlankt sind, werden die Gemeinden intensiv überlegen müssen, von welchen der insgesamt 935 Kirchengebäuden im Bistum man sich trennen kann.

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