Karneval in Aachen: Kostümsitzung der Tropi-Garde im Josefshaus

„De 80er sönd ,bäck‘ än Tropis wier pratschjeck!“ : Tropi-Familie reist in die 80er Jahre

Die Tropi-Garde von St. Josef geht auf eine knallbunte Zeitreise. Mit viel Liebe zum Detail, jeder Menge Bravo-Postern, Neon und Schulterpolstern nehmen sie die Anhänger der Pfarrkarnevalisten im ausverkauften Josefshaus mit in die 1980er-Jahre.

„Wie machen die das bloß?“, werden sich wohl auch die Karnevalsprofis vom Festausschuss Aachener Karneval (AAK) gefragt haben, angesichts der Kreativität, des Humors und der Leidenschaft, die die Tropi-Garde alle Jahre wieder zu ihren Kostümsitzungen an den Tag legen. Ob im Wilden Westen (2007), im fernen China (2010), auf Urlaub in Rimini (2011), im Märchenwald (2013), im Tante-Emma-Laden (2017) oder aktuell mit einer Zeitreise zurück in die 1980er-Jahre – die Tropis schaffen es immer wieder, mit ihren vier Kostümsitzungen im Josefhaus jeweils mehr als 300 Gäste aufs Jeckste zu unterhalten. Und zwar alles nur mit eigenen Kräften. „Hier ist alles sebstgemacht“, betont Generalin Sarah Siemons immer wieder zu Recht mit Stolz. „Wir bügeln sogar die Tischdecken für die Tische im Saal selbst.“

Das ist bei der Premiere von „De 80er sönd ,bäck‘ än Tropis wier pratschjeck!“ am Freitagabend im ausverkauften Josefshaus nicht anders. Und selbst der anwesende AAK-Präsident Frank Prömpeler ist nach der vierstündigen Sitzung der Pfarrkarnevalisten von St. Josef sichtlich begeistert und gratuliert Siemons und ihrer Truppe zu einer grandiosen Sitzung.

Dennoch, in der AAK-Liga wollen die Tropis, die ganz bewusst dem AAK nicht angehören und ihr Image als „nicht eingetragener Verein“ pflegen, gar nicht mitspielen. Generalin Sarah Siemons sagt sogar, dass ihr die eigenen Shows beinahe schon zu professionell werden. „Doch gegen diesen Ruf haben wir ja was getan“, sagt sie mit einem Schmunzeln nach der Premiere, bei der es einige technische Pannen und den einen oder anderen Text- oder Tanzaussetzer gibt. Aber übel nehmen das weder die Generalin selbst, noch ihre Truppe, noch das Publikum. Sowohl die Tropis auf der Bühne als auch die bunt kostümierten Jecken im Saal haben einfach Spaß am gemeinsamen Feiern.

„Das Konzept der Tropis hat wieder funktioniert“, sagt Sarah Siemons nach der Sitzung am frühen Samstagmorgen. „Die Gäste sind alle zufrieden.“ Also ist es auch die Garde, die sich jedes Jahr in der Vorbereitung als wahre 135-köpfige Tropi-Familie erweist. Und das sei im vergangenen Jahr gar nicht so einfach gewesen, bemerkt die Generalin angesichts des Wegfalls ihres Pfarrers und Ehren-Tropis Markus Frohn, der wegen eingestandenen Verstoßes gegen den Zölibat seiner Ämter enthoben worden ist oder auch der temporären Schließung des Josefshauses, nachdem dort Drogen gefunden und die Leitung bedroht worden war. „Das alles tangiert auch die Tropi-Garde“, sagt Siemons nachdenklich.

In der Rahmenhandlung stellen (von links) Sarah Siemons, Jan Savelsberg, Niklas Dahmen, Carina Borgmann, Ina Gröbner und Frank Jansen das Schicksal der Familie Püttgens dar, die durch einen vermeintlichen Ölfund im Kennedypark unverhofft zu Geld gekommen ist. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger

Doch die Tropi-Familie sei stark genug, das zu meistern, weil „jeder für den anderen da ist und hilft und sich einbringt, wo er nur kann“, sagt die Generalin.

Herausgekommen ist dabei eine knallbunte Show mit vielen liebevollen Details aus den 80er-Jahren, die in der Rahmenhandlung die Geschichte der durch einen vermeintlichen Ölfund im Kennedypark unverhofft zu Geld gekommenen Familie Püttgens erzählt - dargestellt von Ina Gröbner, Frank Jansen, Niklas Dahmen und Carina Borgmann mit den Nachbarn Sarah Siemons und Jan Savelsberg sowie Malermeister Michael Vanderheyden. Darin waren wie immer die verschiedenen Tanz, Gesangs- und Sketchnummern charmant eingewoben. Mit dabei waren natürlich unter anderem die Böstomeritz-Sisters Ina Gröbner, Ulrike Mertens-Ziemons, Karin Gobbelé und Regina Engel oder auch die 4 Amigos Uwe und René Brandt, Stefan Beuel und Dietmar Ritterbecks, die aus der Tropi-Garde stammen, oder auch die Tanzgruppe Mann. Doch den Saal förmlich gerockt haben die beiden jungen Tropi-Anwärter Lukas Körner und Florian Gröbner als Blues Brothers.

Für Nachwuchs ist also gesorgt in der Tropi-Familie. Vielleicht beantwortet sich genau so die eingangs gestellte Frage: „Wie machen die das bloß?“

Sie waren die Entdeckung des Abends: Lukas Körner und Florian Gröbner als Blues Brothers. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger
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