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Grundschulkinder in Aachen werfen mit fairer Kamelle

Kamelle für den Kinderkarnval : Auch zur jecken Zeit geht es fair zu

Auf den ersten Blick sehen die Wurfmaterialien der Gemeinschaftsgrundschule Am Höfling genauso aus wie die übrige Kamelle, die beim Aachener Kinderkarnevalszug auf die Jecken niederprasselt: kleine Schokoladentafeln, Bonbons und Fruchtgummis. Und doch gibt es da einen kleinen Unterschied.

Denn seit 2005 wirft die mehrere hundert Personen große Höflings-Gruppe „faire Kamelle“ – also Süßigkeiten, die unter fairen Bedingungen hergestellt werden. In diesem Jahr schließt sich auch die Truppe der Montessori-Schule Reumontstraße der Aktion an.

„Um die Welt am Laufen zu halten, müssen alle Menschen zusammenhalten“, erklärt Monika Brunne-Herholz vom Karnevalsteam der Montessori-Schule. Sowohl Lehrer als auch Eltern waren schnell von der Idee der fairen Kamelle begeistert. Bei insgesamt 30 Schulen hatte der Weltladen Aachen im November angefragt, ob sie nicht auf fair produzierte Wurfgeschosse zurückgreifen wollen. „Die meisten Schulen kriegen aber schlichtweg die Finanzierung nicht hin“, sagt Judith Silbernagel, Geschäftsführerin des Weltladens. Denn fairer bedeutet in der Regel auch teurer, wenn auch nicht wesentlich. „Dafür ist die Qualität deutlich besser als bei der Massenware“, so Silbernagel.

Auch der Circus Configurani der Viktoriaschule schmeißt beim diesjährigen Kinderkarnevalszug faire Ware. „Natürlich nehmen wir damit in Kauf, dass wir weniger zu werfen haben“, erläutert Schüler Simon Herholz. Aber Fairtrade habe eben seinen Preis. „Wir wollen entweder faire Produkte oder gar nichts“, betont der 16-Jährige. Finanziert werden ihre Wurfmaterialien übrigens aus der Zirkuskasse, die hauptsächlich aus den Einnahmen von Auftritten besteht.

Insgesamt 30 bis 40 Kilogramm der fairen Kamelle besorgt der Weltladen für die drei Karnevalstruppen. Neben klassischen Wurfprodukten werden auch beispielsweise Maniok-Chips in den Händen manches Jecken landen. Und: Schmeckt fairer auch besser? „In den vergangenen Jahren haben wir stets ein positives Feedback bekommen“, sagt Judith Silbernagel. Schließlich handelt es sich bei den Wurfgeschossen um Produkte, die regelmäßig über die Weltladentheke gehen.

Ein Karnevalszug, in dem alle Truppen faire Kamelle schmeißen – das wird wohl vorläufig ein Traum der Geschäftsführerin bleiben. Trotzdem zeigt sie sich optimistisch: „Vielleicht in ein paar Jahren“, sagt Silbernagel. „Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn auch der Öcher Prinz künftig faire Kamelle schmeißt.“