Karlspreis: Viel Lob für Macron

Aachen: Und dann rief der Präsident persönlich an: Viel Lob für Macron

Manchmal kommen pädagogische Impulse für einen Ausflug aus den ungewöhnlichsten Richtungen. So etwa für die Französin Delphine Delhelle. Gerade erst hat sie ihren Schülern erklärt, wann der Aachener Dom entstanden ist. Und schon spricht sie über politische Visionen, den europäischen Gedanken — und natürlich über Emmanuel Macron, der im kommenden Jahr mit dem Internationalen Karlspreis ausgezeichnet wird.

Delhelle, die in einem kleinen Ort eine Stunde von Calais entfernt Deutsch unterrichtet, ist mit ihrer siebten Klasse auf Stippvisite in Aachen. „Ich hätte nie gedacht, dass Macron jetzt schon den Karlspreis bekommt. Schließlich ist er erst seit einem Jahr Präsident. Doch das freut mich sehr. Ich glaube, dass er noch eine große Rolle für Europa spielen wird.“ Wie groß diese sein könne, das werde sie nun mit ihren Schülern diskutieren — mit Blick aufs Rathaus, das am 10. Mai hohen Besuch erwartet.

Auf ebenjenes blickt Louis Monaco jeden Morgen. Schließlich schneidet er zurzeit täglich dicke Scheiben Nougat für die Besucher des Weihnachtsmarktes zurecht. Wer aber nur wenige Meter entfernt an Christi Himmelfahrt im Krönungssaal ausgezeichnet wird, darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht. Karlspreis? „Noch nie gehört“, räumt der Franzose ein. Dass mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron im kommenden Jahr ein Landsmann die renommierte Auszeichnung für Verdienste um Europa erhält, freue ihn zwar.

Ob Macron jedoch ein würdiger Preisträger ist? Dafür hat der Nougat-Verkäufer nur ein müdes Schulterzucken übrig. „Ich habe Emmanuel Macron nicht gewählt, weil mir seine Vision nicht gefällt“, gibt er unumwunden zu. Eine Reform der Europäischen Union wünsche sich Monaco zwar auch. Allerdings in die entgegengesetzte Richtung, als sich das sein Präsident offensichtlich vorstelle. Und generell: „In Frankreich ist das große Thema zurzeit nicht Europa, sondern die Einwanderung.“

In Frankreich vielleicht nicht, in Aachen dafür aber umso mehr: Vor allem mit dem umfangreichen Rahmenprogramm rund um die Verleihung des Karlspreises soll der Diskurs über die Zukunft Europas befördert werden, betonte Oberbürgermeister Marcel Philipp am Freitag vor der Presse. Klar ist: Die Wahl Macrons zum designierten Karlspreisträger 2018 wird die mediale Aufmerksamkeit im Frühjahr verstärkt nach Aachen ziehen. Die Entscheidung „nach zwei Jahren Abstinenz“ wieder einen politischen Akteur auszuzeichnen, sei durchaus politischer Natur gewesen, sagte Jürgen Linden als Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums und ergänzte: „Wir sind davon überzeugt, gerade in der derzeitigen Phase den richtigen Karlspreisträger ausgewählt zu haben.“

Bereits am Mittwoch vergangener Woche habe sich die Mehrheit des Direktoriums für Macron entschieden. Dass der französische Präsident Linden am vergangenen Sonntagabend dann sogar persönlich Zuhause angerufen habe, um seine Freude über die Auszeichnung mitzuteilen, habe aber selbst den ehemaligen Oberbürgermeister überrascht.

Dass das Direktorium mit Macron den richtigen Riecher hatte, findet Angelika Ivens, Honorarkonsulin Frankreichs in unserer Region und Leiterin des deutsch-französischen Kulturinstituts in Aachen: „Es ist ihm ein Anliegen, die Bürger Frankreichs wachzurütteln und eine Aufbruchstimmung für Europa zu erzeugen.“ Zumindest in ihrem Mitarbeiterkreis sei dies deutlich spürbar.

Lob gab es auch von der pro-europäischen Bewegung „Pulse of Europe“. In einer Stellungnahme der Aachener Ortsgruppe heißt es: „Der französische Präsident hat der dringend gebotenen Weiterentwicklung der EU mit seinen Vorschlägen entscheidende Impulse gegeben.“ Impulse, die nicht nur Delphine Delhelle und ihre Schüler spüren.