1. Lokales
  2. Aachen

Karlspreisträgerin 2022: Karlspreis fordert Baerbock zur Hilfe für Kalesnikava auf

Karlspreisträgerin 2022 : Karlspreis fordert Baerbock zur Hilfe für Kalesnikava auf

Die Einlieferung der belarussischen Aktivistin Maria Kalesnikava aus der Haft in eine Intensivstation sorgt international für Aufregung. Das Aachener Karlspreis-Direktorium wendet sich an Außenministerin Annalena Baerbock.

Das Aachener Karlspreisdirektorium beklagt die undurchsichtige Lage, die sich rund um die diesjährige Karlspreisträgerin, die belarussische Aktivistin Maria Kalesnikava, derzeit ergibt und fordert die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock auf, über die Botschaft in Belarus zu intervenieren.

Kalesnikava, seit zwei Jahren inhaftiert, wurde in diesen Tagen auf die Intensivstation eines Krankenhauses in der Stadt Gomel gebracht und operiert. Der ebenfalls inhaftierte Politiker Viktor Babariko hatte getwittert: „Sie ist gegenwärtig in einem stabilen, ernsten Zustand, bei Besserung.“ Offizielle Erklärungen zu dem Ereignis gibt es nicht.

Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreis-Direktoriums, hat am Freitag mit Kalesnikavas Schwester Tatsiana Khomich gesprochen, die für Maria Kalesnikava den Karlspreis in Aachen entgegengenommen hatte. „Sie schildert die großen Sorgen, die die Familie und Freunde sich angesichts der völlig undurchsichtigen Lage machen.“ Der Vater der Schwestern sei mit einem Anwalt vor Ort, berichtet Linden weiter, er wird aber nicht vorgelassen, Informationen erhalte auch er nicht.

Feststeht aber wohl, dass die Oppositionelle nach dem Krankenhausaufenthalt wieder ins Gefängnis gebracht werden soll. Sie war mit ihren Mitstreiterinnen Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo im Mai für ihr Engagement, das sich gegen das Unrechtsregime des weißrussischen Diktators Alexander Lukaschenko wendet und zu großen Protesten bei der Präsidentschaftswahl 2020 geführt hatte, mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden.

Weltweit gibt es Forderungen, Maria Kalesnikava aus ihrer Haft zu entlassen. Mehrere Politiker äußerten sich besorgt um die Inhaftierte, darunter die Präsidentin des EU-Parlaments Roberta Metsola. Auch die Aachener Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen drückte in einem Statement ihre tiefe Sorge aus. Außenministerin Annalena Baerbock forderte auf Twitter: „Das Regime in Belarus muss für ihre Gesundheit garantieren und sie sofort freilassen.“

Diese Vorlage greift nun das Karlspreis-Direktorium auf. Vorsitzender Linden wendet sich mit der Forderung direkt an Baerbock, den deutschen Botschafter in Minsk mit dem Fall zu befassen, um zunächst Klarheit für die Familie über den Gesundheitszustand Kalesnikavas zu erhalten. Ferner sollten die Angaben zur Erkrankung überprüft, eine Haftentlassung erwirkt und eine mögliche medizinische Behandlung in Sicherheit in die Wege geleitet werden. „Wie viele andere Organisationen wäre auch der Karlspreis bei der Finanzierung sofort dabei“, so Linden.