Karlspreis 2019 in Aachen geht an den UN-Generalsekretär

Die Stadt bereitet sich auf António Guterres vor : Gewürzlachs und Formel 1 zum Dinner

Wer den Karlspreis bekommt, muss ein ganz schön strammes Programm absolvieren – und muss sich dementsprechend ordentlich stärken. Für António Guterres gibt es Gewürzlachs mit Apfel-Radieschen-Confit, Coq au vin mit Erbsen-Minz-Püree als Hauptgang und anschließend noch Limonen-Cake mit Joghurt und Brombeeren.

„Hab ich schon probiert, ist sehr lecker“, sagt eine sichtlich zufriedene Claudia Wellen, Protokollchefin der Stadt Aachen. Gemeinsam mit Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, dessen Vorgänger im Amt und Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums Jürgen Linden und Bernd Vincken, Geschäftsführer der Karlspreisgesellschaft, hat sie jetzt das fertig geschnürte Programmpaket für die kommende Woche vorgestellt.

„Der Karlspreis ist für uns ja mehr als die Zeremonie im Krönungssaal“, sagt Marcel Philipp und verweist neben dem Live-Programm auf dem Katschhof auf den Jugendkarlspreis und das Europaforum im Ballsaal des Alten Kurhauses. Dort werden neben Guterres und anderen Politikern auch namhafte internationale Journalisten erwartet.

Sicherlich werden die Gäste auch über das Ergebnis der am Wochenende anstehenden Europawahl fachsimpeln. Unter anderem wird Katarina Barley, die Spitzenkandidatin der SPD, in Aachen erwartet. Ein grundsätzliches Thema steht in diesem Jahr für das Karlspreisdirektorium im Vordergrund, sagt Jürgen Linden: „Es geht uns um den Multilateralismus, die Zusammenarbeit zwischen den Völkern und Nationen“, denn ohne diesen Multilateralismus ginge es nicht, habe Europa keine Zukunft.

Kein Vergleich zu Macron

Trotz großer Themen und trotz der aktuellen Europawahl: So groß wie im vergangenen Jahr, als Emmanuel Macron den Preis erhielt und Bundeskanzlerin Angela Merkel die Festansprache vortrug, wird das Medieninteresse in diesem Jahr wohl nicht ausfallen. „Es haben sich 60 Journalisten akkreditiert“, sagt Marcel Philipp, im vergangenen Jahr waren es mehr als 200. Auch die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Preisträger werden wohl weniger streng ausfallen als 2018.

Umso mehr freut sich Bernd Vincken auf die 28 Teams, die zur Verleihung des Jugendkarlspreises anreisen. „Der Jugendkarlspreis hat sich in seinem zwölften Jahr wirklich bewährt“, sagt Vincken. Mehr als 10.000 junge Europäer haben sich in insgesamt 3500 Projekten Gedanken um Europa gemacht. „Und es ist jedes Mal eine Freude zu sehen, wie die Landessieger aus 28 Nationen hier in Aachen innerhalb weniger Tage zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammenwachsen“, so Vincken.

Von diesem europäischen Geist sollen auch die Aachener möglichst viel mitbekommen, ob beim Bühnenprogramm auf dem Katschhof oder bei der Live-Übertragung auf dem Markt. „Wer weiß, vielleicht können wir Begegnungen ermöglichen, die über ein Selfie hinausgehen“, sagt Jürgen Linden.

Trotz vieler Kontaktmöglichkeiten: Die Sicherheit der Gäste muss gewährleistet sein, betont Claudia Wellen. Einer dieser Gäste, der in Aachen kein Unbekannter ist, ist der spanische König Felipe. Er wird die Festansprache halten. Aber worüber spricht man eigentlich mit einem spanischen König beim Abendessen, zwischen Gewürzlachs und Coq au vin? „Der Vater des Königs hat immer gefragt, wie es derzeit um die Alemannia steht“, erzählt Linden, doch das sei wohl für Felipe kein Thema. „Aber ich kann ja mit ihm über die Formel 1 sprechen, über den Grand Prix von Barcelona.“ Denn auch wenn es schwieriger sei, den König ans Telefon zu kriegen, so sei Felipe, wenn er einem gegenüber stehe, ein sehr nahbarer Mensch.

Apropos nahbar: Preisträger Guterres wird, so verrät Marcel Philipp, länger in Aachen weilen als andere Preisträger. Er reist in Begleitung seiner Frau und auch einiger Freunde an. „Wenn Sie den UN-Generalsekretär also im Kaufhof treffen, brauchen Sie sich nicht zu wundern.“

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