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Karlspreis 2018: Angela Merkel hält die Festrede auf Emmanuel Macron

Aachen : Kanzlerin Merkel hält die Festrede: Aachen als „Plattform für neues Europa“

Manche mehr oder weniger „staatstragende“ Rede ist bereits im Vorfeld zu erwarten, wenn Oberbürgermeister Marcel Philipp im Schulterschluss mit dem Vorsitzenden des Karlspreisdirektoriums, Dr. Jürgen Linden, sowie Polizeipräsident Dirk Weinspach wenige Tage vor dem großen Festakt zur aktuellen Zwischenbilanz bittet.

Diesmal sind die Erwartungen allerdings nicht von ungefähr besonders hoch: „Wir gehen davon aus, dass diese Karlspreisverleihung große Wellen in ganz Europa schlagen wird“, sagte Linden am Donnerstag vor versammelter Presseschar. Auch rund um Markt und Katschhof dürfte die Resonanz entsprechend beachtlich ausfallen — neben den obligatorischen „Bädern in der Menge“ sind zwei Kundgebungen geplant. Auch die Polizei ist folglich mit großem Aufgebot und verstärkten Sicherheitsvorkehrungen präsent.

Denn nach der Begrüßungsansprache des OB steht der Festakt am Himmelfahrtstag ganz im Zeichen der Begegnung der beiden wohl wichtigsten Regierungschefs im vereinten Europa. Neben dem neuen Karlspreisträger Emmanuel Macron spricht Kanzlerin Angela Merkel im Krönungssaal. „Vielleicht werden wir die eine oder andere neue Botschaft hören“, sagte Philipp. Schließlich, betonte Linden, habe Macron jüngst die Hand zur umfassenden „Erneuerung“ der EU in Richtung Berlin gereicht. „Bislang hat Deutschland auf seine Reformvorschläge nicht geantwortet. Vielleicht kann Aachen nun Plattform für einen neuen Dialog über Europas Zukunft sein.“

Unterdessen musste das Protokoll in einigen Details „umgestrickt werden“. So wird Macron am Mittwoch, 9. Mai, erst gegen 17.30 Uhr zur Besichtigung des Doms eintreffen. Der traditionelle Austausch mit Studierenden im Hörsaalzentrum der RWTH ist deshalb auf den Himmelfahrtstag selbst verlegt worden. Macron wird also nicht am Mittwoch, sondern erst nach der Verleihung gegen 14.30 Uhr in der Claßenstraße erwartet. 950 Karten, die für die geschlossene Veranstaltung ausgegeben wurden, bleiben gültig.

Zum ersten „Bad in der Menge“ gibt sich der Präsident aber wie geplant bereits am Mittwoch gegen 19 Uhr die Ehre. Auf dem Katschhof werden neben den Trägern des Jugendkarlspreises Schüler aus mehreren Gymnasien erwartet. Im Interview mit Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, wird Macron sicherlich bereits Einblicke in seine wichtigsten Ziele auf dem weiteren gemeinsamen Weg zur Stabilisierung des europäischen Staatenbunds geben.

Ukraine-Gipfel im OB-Büro

Etliche hoch- und höchstrangige Politiker haben sich für die Feierlichkeiten wenige Stunden später angesagt. Nach dem Pontifikalamt am Donnerstag um 9 Uhr im Dom könnten beim Empfang im Weißen Saal also erste inoffiziellen Spitzengespräche geführt werden. Und ein offizielles: Im OB-Büro tagen Merkel und Macron mit dem ukrainischen Staatspräsidenten Petro Poroschenko zur aktuellen Lage in der osteuropäischen Konfliktregion.

Auf der Gästeliste beim Festakt zur Preisverleihung stehen ferner König Felipe von Spanien, der luxemburgische Ministerpräsident Xavier Bettel und dessen Amtskollegen aus Bulgarien, Kroatien und Litauen, Boyko Borissov, Andrej Plenkovic und Dalia Grybauskaité. Neben Letzterer geben sich viele weitere Preisträger der vergangenen Jahre die Ehre, darunter Timothy Garton Ash, Martin Schulz, Jean-Claude Trichet, Javier Solana, Mario Draghi und Großherzog Henri von Luxemburg.

Aus dem Krönungssaal wird aus gegebenem Anlass diesmal nicht nur im WDR-Fernsehen, sondern auch im ZDF live übertragen. Im Anschluss wird Macron gemeinsam mit der Bundeskanzlerin nochmals auf dem Katschhof sprechen.

Entsprechend hochkarätig fallen demzufolge auch die Sicherheitsvorkehrungen aus, wie Polizeipräsident Weinspach mit dem Leitenden Polizeidirektor Helmut Lennartz erläuterte. So wird der Bereich im direkten Umfeld des Rathauses verstärkt ins Visier genommen, an den Absperrungen in diesem „inneren Ring“ werden Personenkontrollen durchgeführt. Auch darüber hinaus sei mit gelegentlichen Kontrollen zu rechnen, so Lennartz. Anwohner werden gebeten, einen Personalausweis bereitzuhalten.

Gleichwohl werde alles getan, um auch den beiden Kundgebungen auf dem Markt möglichst viel Raum zu geben. Bereits um 10 Uhr startet das Aktionsbündnis „Stop Tihange“ einen Demozug am Welthaus an der Schanz. Anschließend ziehen die Demonstranten — gerechnet wird mit mindestens 500 — zum Markt und weiter zum Augustinerbach.

Die Veranstalter hoffen, dass sich möglichst viele Protestierende im „klassischen“ Anti-AKW-Gelb kleiden, um Macron aufzufordern, die Einlagen des französischen Staates als größter Anteilseigner am Aktienpaket der belgischen Risiko-Reaktoren abzustoßen. Schwerpunktmäßig eher in Blau dürfte indes die pro-europäische Kundgebung der Bewegung „Pulse of Europe“ daherkommen, die ebenfalls mit rund 500 Teilnehmern auf dem Markt demonstrieren will.