Aachen: Karlsfest: Im Rathaus herrscht Champagnerlaune

Aachen: Karlsfest: Im Rathaus herrscht Champagnerlaune

Ein Mann marschiert mit einem gewaltigen Schwert in der Hand ins Rathaus. Ein Fall für die Polizei? Mitnichten. Denn die große Klinge gilt nicht als Anscheinswaffe.

Ein Vergleich mit dem Vorfall, der vor wenigen Tagen einem Soldaten der Oecher Penn kurzfristig den närrischen Spaß verhagelte, als Beamte sein täuschend echt aussehendes Gewehr beschlagnahmten, verbietet sich also.

„Dieses Schwert ist absolut stumpf und eine reine Requisite“, beschwichtigt Lothar Albrecht daher schnell mit einem Lächeln am Donnerstagmittag im ehrwürdigen Ratsaal. Außerdem ist der Mann in Ritterkluft ein gern gesehener Gast im Aachener Rathaus, stehen er und seine Mittelalter-Freunde doch schon rein äußerlich perfekt für das, was jedes Jahr Ende Januar gefeiert wird: das Karlsfest. Anno 2017 dürfte am Sonntag, 29. Januar, eine besonders spritzige Champagnerlaune im historischen Gemäuer herrschen. Denn nicht nur der Stadtpatron wird geehrt, sondern auch ein besonderes Jubiläum steht an.

Was wird noch im Rahmen des Karlsfest-Wochenendes gefeiert?

Das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft Aachen-Reims. Die französische Metropole, ebenso wie Aachen eine Krönungs- und Universitätsstadt, ist das Zentrum der berühmten Champagne. Unterzeichnet wurde die Partnerschaft exakt am Todestag Karls des Großen 1967. Am Samstag, 28. Januar 2017, findet nun um 12 Uhr ein Festakt im Krönungssaal statt, zu dem alle Bürger eingeladen sind.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Eine 40-köpfige Delegation aus Reims nimmt an der Veranstaltung teil, die neben mehreren Reden und musikalischen Beiträgen vor allem den persönlichen Kontakt zwischen Aachenern und Reimsern stärken soll. Bereits am Freitag, 27. Januar, findet anlässlich des Jubiläums ein Konzert des „Ensemble Vocal d‘Enfants du Censervatoire de Reims“ und des „Mädchenchors am Aachener Dom“ ab 19 Uhr in der Citykirche St. Nikolaus statt. „Dieses Wochenende ist nur der Auftakt für viele weitere Aktivitäten, die wir in diesem Jahr planen“, verrät Peter Servas vom Vorstand des Partnerschaftskomitees Aachen-Reims.

Was erwartet die Besucher beim Karlsfest?

Knackig zusammengefasst lautet das Motto „Never change a winning team“. Die Akteure, die das Karlsfest organisieren, sind längst perfekt aufeinander abgestimmt. Oberbürgermeister Marcel Philipp stellt daher süffisant fest: „Eigentlich machen wir das, was wir seit 1203 Jahren immer machen... Nun ja, also fast.“ Denn ganz so lange gibt‘s das Karlsfest dann doch noch nicht — in seiner jetzigen Form nämlich seit rund 15 Jahren. Das Angebot kommt in jedem Fall stets gut an.

3000 bis 4000 Besucher zählen die Organisatoren Jahr für Jahr. Neben kulinarischen Leckereien der Aixtra-Fleischer stehen vor allem die mittelalterlichen Vorführungen der Ritterschaft von Limburg im Fokus. Schwerter werden zwar nicht geschwungen, da das Fest nur im Gebäude stattfindet und dort selbst der Gebrauch von Show-Waffen nicht möglich ist. Typische höfische Tänze werden aber aufgeführt (14.30 und 16 Uhr), und auch die Karlsschützen-Gilde ist traditionell mit im Boot und feiert ihr Patronatsfest am letzten Januarwochenende. Am Sonntag findet daher die Generalversammlung der Karlsschützen im Krönungssaal sowie ein kurzer Empfang zwischen 12 und 14 Uhr statt.

Kostet der Besuch des Rathauses an diesem Tag Eintritt?

Nein. Der Eintritt in die Station der Route Charlemagne ist kostenlos, ebenso wie die Teilnahme an den halbstündig angebotenen Führungen. Unter anderem wird das alte Ratssilber, nämlich das Teufelstintenfass und der Kronprinzenpokal, wie auch das neue Ratssilber sowie das neue Goldene Buch in einer Vitrine präsentiert.

Warum wird stets der Todes- und nicht der Geburtstag Karls des Großen gefeiert?

Einfache Antwort: Weil niemand genau weiß, wann (der zunächst noch kleine) Karl der Große geboren wurde. Geschichtsforscher gehen davon aus, dass es im Jahr 747 oder 748 gewesen sein muss. Anders sieht es beim Todestag aus. Den hat Karls Biograf Einhard in seinen Schriften exakt mit dem 28. Januar 814 datiert — einem Dienstag. In diesem Jahr fällt der Todestag auf einen Samstag und gefeiert wird das Karlsfest dann — mittlerweile auch traditionell — am letzten Sonntag des Monats, also dem 29. Januar.

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