Aachen: Karl-Heinz Jeiter verabschiedet sich vom Ludwig Forum nicht ganz

Aachen : Karl-Heinz Jeiter verabschiedet sich vom Ludwig Forum nicht ganz

„Manchmal, aber leider nur noch ganz selten gibt es sie, die Persönlichkeiten, die mit Institutionen über die Jahre hinweg zusammengewachsen sind.“ Das betonte Professor Wolfgang Becker, ehemaliger Direktor des Ludwig Forums, anlässlich der Verabschiedung von Karl-Heinz Jeiter. 27 Jahre lang leitete Jeiter die Gestaltungswerkstatt des Ludwig Forums.

Quasi zeitgleich mit der Eröffnung des Museums in der ehemaligen Schirmfabrik begann seine Dienstzeit. Der gebürtige Aachener, der erst eine Buchdrucklehre und später ein Studium an der Fachhochschule im Fachbereich Design absolvierte, ist selbst seit Jahren als Künstler aktiv. „Mir hat das Ganze hier viel Spaß gemacht. In 27 Jahren Künstlerprogramm haben mehr als 150 Künstlerinnen und Künstler rund 320 Kurse mit Jugendlichen und Erwachsenen geleitet. Das ist schon eine Menge“, betonte Jeiter.

Als Künstler und Arbeitnehmer vermischten sich Privates und Berufliches recht schnell. Und so kam es, dass häufig nicht nach der Gestaltungswerkstatt selbst gefragt wurde, sondern nach dem Ort, wo Herr Jeiter arbeitet. Die Frequentierung der Werkstatt war stets hoch und es herrschte eine konstante Nachfrage was die Kursangebote anging. Auch für Kooperationen, wie beispielsweise mit der Fachhochschule Aachen, setzte sich Jeiter ein.

Seine eigenen Radier- und Zeichenkurse führte er ebenfalls in regelmäßigen Abständen durch. „Mir hat immer gut gefallen, dass ich in die jeweiligen Ausstellungen involviert war. Das war interessant und abwechslungsreich“, betonte er. Dr. Annette Lagler, stellvertretende Direktorin des Hauses, fügte hinzu. „Herr Jeiter war das Bindeglied zwischen dem Museum und den Künstlern. Seine Stelle war in der Form in Deutschland sicherlich einzigartig.“

Einzigartig war auch die Atmosphäre in der Gestaltungswerkstatt. Neben allerhand Farben, Pappkartons und jeder Menge kreativer Kunstutensilien roch es fast immer nach frischem Kaffee. In Zeiten der Digitalisierung, in der beruflicher Kontakt häufig nur noch über E-Mails geht, war Jeiter eine positive Ausnahme. Er schätzte das persönliche Gespräch, den direkten Kontakt und den Austausch vor Ort. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand war er oft in Gespräche vertieft oder erklärte Interessierten ausführlich das Kursangebot. Und genau das kam an. Viele Künstler, Kollegen und Museumsführer wurden von Mitarbeitern zu Freunden.

„Ich bleibe dem Haus erhalten“

Doch nun ist diese Ära zu Ende. Oder etwa doch nicht? „Ich bleibe dem Haus erhalten, in dem ich Führungen und meine Kurse mache. Vor allem die letzten drei Ausstellungen haben mir sehr gut gefallen, und ich freue mich darauf, Leuten die Kunst durch Führungen näher zu bringen“, sagte Jeiter.

Fragt man ihn nach seinem persönlichen Lieblingskunstobjekt, muss er nicht lange überlegen. „Natürlich habe ich in 27 Jahren allerhand Kunst gesehen, aber das Bild ,Landschaft bei Hubbelrath‘ von Gerhard Richter, welches Teil der Sammlung Ludwig ist, berührt mich immer wieder und ich habe eine emotionale Verbindung dazu.“

Eine emotionale Verbindung wird sicherlich auch weiterhin zwischen ihm und dem Museum bestehen bleiben.

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