Aachen: Karl erobert jetzt die Geschäfte

Aachen: Karl erobert jetzt die Geschäfte

Um 8 Uhr am Montagmorgen rückte das Abrisskommando am Katschhof an. Aber statt brachialer Gewalt war eher Feingefühl angesagt, denn es galt, eine der spektakulärsten Kunstinstallationen, die in der Aachener Innenstadt Platz fand, in die dritte Phase ihres Daseins zu geleiten.

Nach dem Atelier des Künstlers Ottmar Hörl und dem Platz zwischen Dom und Rathaus finden die Karlsfiguren jetzt ihre endgültige Bleibe.

Sie wandern in die Geschäfte, Banken, Wohnzimmer, Galerien und den öffentlichen Straßenraum. Genau das hatten sich die Organisatoren, Dr. Jutta Bacher vom städtischen Marketing und Werner Schlösser vom Aachen Tourist Service, gewünscht: eine nachhaltige Wirkung der 495 purpurnen und goldenen Karlsfiguren vom Katschhof. Jetzt begegnen einem die Kunststoffbotschafter des Karlsjahres nach dem Ende der Aktion „Mein Karl“ an vielen Stellen unserer Stadt.

Die positive Zwischenbilanz, die Bacher und Schlösser in der vergangenen Woche gezogen hatten, bekräftigten sie am Montag nochmals: „Sie hat keinem wehgetan, sie hat nichts gekostet und sie war befristet“, unterstrich Schlösser den Event-Charakter mit künstlerischem Anspruch. Und der Marketingeffekt für die Stadt stehe außerhalb jeder Diskussion. Allerdings — so räumt der Tourismus-Direktor ein — habe die ganze Aktion doppelt so viel Arbeit gemacht wie zunächst gedacht.

Goldschmiedemeister Prosper Brüderlin hat zum Beispiel mit seiner Tochter Anne Common, die das Kunsthandwerk ebenfalls gelernt hat, seine Figur kurzerhand selbst bis zum Münsterplatz getragen. Dort wird die Plastik erst einmal im Geschäft stehen. „Meine Enkel haben schon eine andere Verwendung. . .“, schmunzelt Brüderlin.

Apothekerin Gabriele Neumann zögerte keine Sekunde, als die Ausschreibung für die Figuren öffentlich wurde. „Unsere Apotheke gibt es seit 1615. Da passt eine historische Figur doch wunderbar ins Umfeld“, schlägt sie die Brücke über das Mittelalter und die Frühe Neuzeit in die Gegenwart. Tagsüber wird der Neumann-Karl dann vor dem Geschäft am Markt stehen, nachts wird ihm zur Sicherheit Unterschlupf drinnen gewährt.

Saskia Giese und Wolfgang Bolz holten stellvertretend für MAC-Chef Manfred Piana die Figur ab und trugen sie in die Geschäftsstelle an der Theaterstraße. Dort wird die Figur künftig im Eingangsbereich Besucher begrüßen. Dann gibt es noch einige Exemplare, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Werbung für Aachen in diesem ganz besonderen Jahr machen: Sie wurden in den Oman und nach Dubai verkauft. Am Abend waren sie genau wie ihre Brüder in Folien und Kisten verpackt, natürlich nach Nummern sortiert, denn sie können von ihren Besitzern bei der Spedition Hammer abgeholt werden.

Dienstag werden die restlichen Holzlatten und Schrauben eingesammelt, denn der Katschhof muss besenrein verlassen werden. Auf den mittelalterlichen Herrscher folgt die aktuelle „Herrscherin“: Am Mitwoch stattet Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen des Kommunalwahlkampfes ihren Parteifreunden und den Öchern einen Besuch ab.

Und dann war da noch der ganz besondere Verwendungszweck der Brüderlin-Enkel. Der Opa ist bekennender Fußball-Fan und drückt von daher beide Augen zu. Die Enkel werden nach der repräsentativen die sportliche Phase einläuten: „Opa, unser Karl kommt in den Garten — und da kann er dann im Tor stehen“, schildert Prosper Brüderlin schmunzelnd die Taktik der Enkel.

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