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Aachen: Kabel kaputt: 6000 gucken in die Röhre

Aachen : Kabel kaputt: 6000 gucken in die Röhre

Stinksauer starrt Josef Kern in die Röhre. Vor allem, weil er nicht mal seinem Ärger Luft machen konnte. Der Fernsehzuschauer aus Brand fiel nämlich ab Dienstag, um 17.57 Uhr, genauso wie 6000 weitere Kunden einem Bruch der Glasfasertrasse im Südosten Aachens zum Opfer.

Stundenlang sahen Kern und tausende Leidensgenossen nur Schnee statt Kabelfernsehen - und man erreichte beim Netzbetreiber „Unitymedia” bloß die kostenpflichtige Bandansage: „In Ihrem Anrufbereich liegt eine Störung des Netzes vor”, hieß es am Telefon.

Persönlich war auch nach dutzenden Anrufen und langen Warteschleifen für 14 Cent pro Minute niemand an den Hörer zu kriegen. „Und dass eine Störung vorlag, war ja angesichts des Schnees auf meiner Matt- scheibe nicht gerade eine Neuigkeit”, ärgert sich Kern.

Am Mittwochnachmittag lief die Bandansage noch immer. Da war die Störung aber laut „Unitymedia”-Sprecher Johannes Fuxjäger schon seit 10.30 Uhr behoben. Und am Vorabend hatte man angesichts des Komplettausfalls im Brander Glasfasernetz bereits eine „Mobile Satellitenempfangseinheit” - im Fachjargon: SEE - an den Start gebracht.

Der Hightech-Kleinbus klemmte sich nach der Alarmierung hinter der Bruchstelle an den Glasfaserstrang und versorgte die abgeschnittenen Kabelfernsehkunden mit analogen Fernsehbildern aus dem All. Seit Mittwochmorgen funktionieren auch die übrigen „Unitymedia”-Dienstleistungen wie digitales Radio, Highspeed-Internet und Telefon wieder völlig normal.

Dass in Sachen Störungsdienst bei „Unitymedia” niemand persönlich erreichbar ist, erklärt Fuxjäger mit dem riesigen Anrufaufkommen. „Wenn tausende Haushalte abgeschnitten sind und uns erreichen wollen, kann das kein noch so großes Callcenter verkraften”, sagt er. „Die Leitungen wären überlastet. Darum erkennt unser System direkt, woher der Anruf kommt und schaltet automatisch die Bandansage auf.”

Grundsätzlich sei das Glasfasernetz für potenziell 140.000 Haushalte in Aachen allerdings auf dem neuesten Stand der Technik, betont Fuxjäger. „Unser Technikzentrum erkennt und lokalisiert Beschädigungen im Netz binnen Sekunden und leitet Entstörmaßnahmen unverzüglich ein.” Dieses „reaktionsschnelle Netzbetriebs- und Entstörkonzept” sei europaweit beispiellos, teilt der „Unitymedia”-Sprecher mit.

Das Unternehmen hatte das Aachener und Wiesbadener Kabelnetz 2008 für 49 Millionen Euro von „Primacom” gekauft und für rund sieben Millionen Euro aufgerüstet. „Aber persönliche Ansprechpartner für Kunden gibts im Notfall keine”, stellt Kern fest.