Aachen: Junger Erfinder aus Aachen sorgt für frische Schuhe

Aachen : Junger Erfinder aus Aachen sorgt für frische Schuhe

Die Entscheidung fällt am 9. Mai, steht also kurz bevor, die Spannung ist groß. Aber Stefan Chang (34) bleibt gelassen und lächelt. „Man wird sehen, ich finde es ja schon toll, dass ich im Finale bin.“ Chang ist Doktorand im Rahmen eines interdisziplinären Projekts von der RWTH Aachen und des Forschungszentrums Jülich.

Er schreibt gerade an seiner Promotion im Fach Chemie (es geht um Makromoleküle und Neutronenstreuung) und hatte es als einer von 14 Kandidaten in die von Investor und Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer moderierten und aufgebauten Sat.1-Gründershow „Start Up — Wer ist Deutschlands bester Gründer“ ins Finale geschafft.

Immerhin winkt den ursprünglich rund 2000 Bewerbern beim Casting eine runde Million Euro Kapital, um ihre jeweilige Erfindung auf den Weg zu bringen. In der letzten Folge wird durch die Jury der Gewinner ermittelt. Jeweils vier bis sechs Drehtage pro Episode verbrachten die Teilnehmer in Berlin und Hamburg (Episoden 1-6) sowie in Los Angeles (Episode 7). Das Finale wurde in San Francisco gedreht, eine spannende Erfahrung für alle.

Doch als die Einschaltquoten stagnierten, das Format nicht den Zuspruch erreichte, den „Die Höhle der Löwen“ (Vox) hatte, wo Maschmeyer zur Expertenriege gehörte, wanderte die Sendung Mitte April vom TV-Programm in die Online-Mediathek des Senders — der Marktanteil von nur noch 1,9 Prozent war einfach zu niedrig. Die Challenge ging dennoch weiter, und der Student mit seiner positiven Ausstrahlung und der zukunftsweisenden Idee, die mehr und mehr Gestalt annahm, blieb dabei, durchlief Persönlichkeitstest, diverse Aufgaben und ist nun einer der vier Finalisten mit seinem „Schuhschrank, der die Schuhe reinigt und desinfiziert“.

Stefan Chang — eigentlich Sing Hong Chang — ist ein Mensch mit Prinzipien. „Ich hätte jetzt bereits Investoren und könnte Angebote annehmen oder das System verkaufen, aber das geht natürlich nicht, ich habe schließlich einen Vertrag unterzeichnet, an den ich mich halte“, betont er. Als er mit seiner Mutter mit japanischen Vorfahren (Vater hat taiwanesische Vorfahren) nach Deutschland kam, beschloss die Familie: Ein deutscher Vorname muss her, damit der Junge in der Schule kein Problem hat. „Stefan gefiel uns allen, der Name steht auch in meinem Ausweis“, erzählt er.

Die Mutter erhielt eine Stelle an der RWTH, der Vater blieb in Taiwan, wo er eine Professur im Bereich Maschinenbau nicht aufgeben wollte. „Eine Zeit, in der unser Leben mal in Deutschland, mal in Taiwan stattfand, das klappte erstaunlich gut, ich bewundere meine Eltern sehr dafür“, wirft Chang einen Blick zurück. Man schrieb sich Briefe in deutscher und englischer Sprache, auf Mandarin und Japanisch. Die Familie machte Chang stark. Als es galt, die Mutter bei der Betreuung des kranken Vaters zu unterstützen, unterbrach er sogar für ein knappes Jahr sein Studium.

„Müffelnde“ Sportschuhe

Die Welt der mathematischen Formeln und physikalischen Phänomene bringt ihn immer wieder auf Ideen, Forschungen zur „grünen Chemie“ mit Kunststoffen, die die Umwelt nicht belasten, faszinieren ihn. So kam es zur Bewerbung als „Gründer“. Da er selbst ein begeisterter Sportler ist, war eine Plage naheliegend: „müffelnde“ Sportschuhe. „Der Schweiß, der von der Haut in die Sportschuhe vordringt, ist ein Nährboden für Pilze und Mikroorganismen“, weiß der Chemiker, der nach dem Abitur eine Ausbildung zum Chemielaboranten durchlaufen hat und sowohl Kenntnisse in Biomedizin als auch in medizinischer und physikalischer Chemie hat. „Die Verdauungsprodukte dieser Organismen sorgen für Gerüche, kurz: die Schuhe stinken irgendwann.“

Selbst in der Waschmaschine kann man sie nicht gut reinigen — die mögliche Temperatur ist viel zu niedrig. Und die Erfindung? „Mit einer UV-Lampe kann man Ozon generieren, die Feuchtigkeit wird entfernt, zugleich aber auch Pilze und Mikroorganismen“, erklärt der Erfinder. „Ein Filter saugt alles auf. Der Schuh wird nicht beschädigt.“ Was sich einfach und logisch anhört, ist ein komplizierter Prozess, bei dem Chang unter anderem den selbst gebauten 3-D-Drucker einsetzte. Allein die Ausstattung des „Schranks“, in dem die Schuhe untergebracht sind und gewissen „Lampen“ ausgesetzt werden, hat sich im Laufe der Sendung stark gewandelt — und perfektioniert.

Die Aufhängung mutierte vom „Zapfen“ zum futuristischen Trapez. Vom heimischen Reiniger will Chang das Ganze nun auf eine Größe bringen, die zum Beispiel für Hotels interessant wäre und bei der man auch schweißgetränkte Boxhandschuhe und Motorradhelme reinigen kann. Was hat er in der Gründershow gelernt? „Es war abenteuerlich, die Fahrt mit einem 750-PS-Rennwagen“, schwärmt er. „Ich habe aber gleichzeitig viel über Verkaufsverhalten gelernt, zum Beispiel, dass man auf Menschen zugehen muss, da hat mir Carsten Maschmeyer tolle Tipps gegeben.“

Das Querdenken ist seine Leidenschaft. Der Gewinn der Gründershow: „Wäre natürlich sehr schön“, lächelt Chang. „Aber Geld ist nicht alles auf der Welt.“ Für ihn zählen „Selbstständigkeit und moralische Prinzipien“. Ein Start Up mit anderen Kleinunternehmen oder auch Familienunternehmen in Deutschland ist für ihn auch die Chance, Dankbarkeit für die Möglichkeiten in Deutschland zu zeigen. Eine Kooperation mit der Lebenshilfe Aachen ist bereits geplant. Chang: „Mein primäres Ziel ist nicht nur der Profit. Erfolg ist in meinen Augen nur schön, wenn man diesen teilen kann.“

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