Junge Schüler organisieren im Mobilé St. Donatus eine U18-Wahl

U18-Wahl zur Europawahl : Im Mobilé geben auch Kinder ihre Stimme ab

Die Sozialdemokraten haben es mal wieder besonders schwer. Nicht nur jüngsten Umfragen zufolge. Sondern auch im Kinder- und Jugendzentrum Mobilé St. Donatus in Aachen-Brand.

„Die SPD hat an Glaubwürdigkeit verloren“, sagt Katharina mit Blick auf die anstehende Europawahl. „Zu viel Gerede“, pflichtet ihr David bei. Wobei an dieser Aussage nicht der Inhalt bemerkenswert ist. Sondern das Alter der Sprecher. Denn weder David noch Katharina dürfen mit ihren 14 beziehungsweise 17 Jahren an der Wahl am 26. Mai teilnehmen. Über Parteiprogramme sprechen sie trotzdem. Und nicht nur das.

Zusammen mit vier anderen Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 13 Jahren organisieren sie eine Europawahl, an der alle teilnehmen dürfen, die offiziell noch nicht wahlberechtigt sind. Inklusive Wahlzettel, Wahlkabinen und einer echten Wahlurne – zur Verfügung gestellt vom Bezirksamt Brand. Am Freitag, also neun Tage vor der echten Europawahl, öffnen die sechs Schüler von 15 bis 18 Uhr ihr eigenes Wahllokal im Mobilé an der Hochstraße 16. Und hoffen, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche ihrem Aufruf folgen und an der U18-Wahl teilnehmen werden.

Den Stempel, dass Minderjährige noch zu jung seien, um sich eine politische Meinung zu bilden, wollen sie sich nämlich nicht aufdrücken lassen. „Es geht um unsere Zukunft. Und ich finde, dass diejenigen, denen die Zukunft gehört, auch mitbestimmen sollten“, sagt die elfjährige Lucie. Es sind Worte, die man in letzter Zeit immer häufiger hört. Und so ist es kein Zufall, dass die Idee für die U18-Wahl Lucie und ihren Freundinnen Merit (10) und Finja (13) im Zuge einer „Fridays for Future“-Demonstration kam. Mit David, Katharina und der elfjährigen Tabea ist das Sextett komplett. Der Klimaschutz steht bei ihnen allen ganz oben auf der Prioritätenliste.

Seit April laufen die Vorbereitungen. Flyer wurden verteilt, Plakate erstellt, Einladungen an Schulen verschickt und Wahlzettel gedruckt. Ganz auf sich gestellt waren die Schüler dabei nicht. In Karl Simons, Leiter des Kinder- und Jugendzentrums Mobilé, fanden sie schnell einen willigen Partner.

Organisiert und getragen wird die U18-Initiative zudem vom Deutschen Kinderhilfswerk, dem Deutschen Bundesjugendring, den Landesjugendringen, vielen Jugendverbänden und dem Berliner U18-Netzwerk. Die Initiative stellt Informationsmaterial über die Parteien und deren Ansichten zu ausgesuchten Fragen, die für Kinder und Jugendliche relevant sind, zur Verfügung. Zu finden sind diese im Internet – und an Stellwänden im Mobilé, dem einzigen offiziellen U18-Wahllokal in Aachen.

Die U18-Wahl zur Europawahl 2019 wird auf Bundesebene gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Bundeszentrale für Politische Bildung. Die Ergebnisse werden gesammelt und zusammen veröffentlicht.

150 Wahlzettel hat das junge Team gedruckt. Und die sollen am Freitag auch alle wegkommen. Da parallel zur U18-Wahl auch ab 16 Uhr der Familientag im Mobilé stattfindet, sei das auch nicht unwahrscheinlich, sagt Karl Simons. Er ist vom Engagement der Schüler ganz begeistert. „Ihr lehrt gerade, dass das mit der ‚unpolitischen Jugend’ völliger Quatsch ist“, sagt er zu ihnen. Und auch Leon Tervooren, Sozialarbeiter beim Mobilé, hat „großen Respekt“ vor der Eigeninitiative der Schüler.

Die entdecken durch die U18-Wahl nicht nur ihre eigene politische Meinung, sondern tragen auch dazu bei, dass Themen, die jungen Menschen am Herzen liegen, nach außen getragen werden. Davon ist zumindest Karl Simons überzeugt: „An dem Ergebnis kommt auch keine Politik vorbei. Das wird wahrgenommen werden.“

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