Aachen: Junge Mütter zeigen ihr Recht auf Kunst

Aachen: Junge Mütter zeigen ihr Recht auf Kunst

Eine Anwaltskanzlei in der Oppenhoffallee ist ein eher ungewöhnlicher Ort für eine Ausstellung. Doch betrachtet man das Thema, macht der Ort schon wieder Sinn, denn es geht um Rechte. Genauer gesagt geht es um Kinderrechte, um Teilhabe und Potenzialentfaltung.

Die Künstler der ausgestellten Bilder und Skulpturen sind Mütter, die zurzeit von der Richtericher Mutter-Kind-Betreuungseinrichtung „una cum“ begleitet werden, und ihre Kinder. Nun stellten sie ihre Arbeiten in der Anwaltskanzlei „Ribbrock — Bockelmann“ unter dem Titel „Recht auf Kunst“ aus.

Als Einleitung führt der „Weg der Begegnung“ in den Ausstellungsraum: Hand- und Fußabdrücke säumen diesen Weg, auf kleinen farbigen Fähnchen haben die Künstlerinnen Begegnungen und Erlebnisse aufgeschrieben, die ihr Leben nachhaltig geprägt haben. Im Ausstellungsraum wird es dann bunt, auf großen und kleinen Leinwänden haben vier Mütter mit ihren Kindern verschiedene Rechte und Kinderrechte thematisiert.

Die Idee zur Kunstaktion stammt von Claudia Schulz. Die Erzieherin entwickelte das Projekt im Rahmen ihres Anerkennungsjahres. „Ich möchte kreative Räume im Bereich Kunst schaffen“, erklärt sie. Beeindruckt hat sie die Arbeit mit den Müttern und ihren Kindern. „Viele Talente sind da zum Vorschein gekommen.“ Die Bilder tragen Titel wie „Das Recht auf Privatsphäre“, das „Recht auf Ankommen“ oder das „Recht auf Hilfe“. Aber auch das „Recht auf Gewaltfreiheit“, das „Recht auf Wut“ und das „Recht darauf, geliebt zu werden“ hängen an der Wand.

Sie wirken anrührend, denn sie sind Spiegel dessen, was die jungen Mütter erlebt haben müssen. Die Mutter, die sich als Teufelin mit ausgestreckter Hand über ihr weinendes Kind beugt. Ein kleines Mädchen, das auf einem einsamen Planeten durch das All treibt. „Wir haben es mit jungen Frauen tun, deren Rechte nie geachtet wurden“, sagt Angela Schultheis.

Die Sozialpädagogin leitet „una cum“. Die Einrichtung nimmt junge Mütter ab 16 Jahren auf, die aufgrund ihrer aktuellen Situation mit der Erziehung des Kindes überfordert sind. Oft kommen die jungen Frauen selbst aus belasteten und schwierigen familiären Verhältnissen oder Partnerschaften. „Una cum“ versucht, mit Hilfe eines Netzwerkes von Fachkräften, Bezugspersonen und Einrichtungen Lebensperspektiven für die Frauen zu entwickeln. „Uns ist dabei wichtig, dass wir die Mütter immer aktiv einbinden. Wir begleiten sie, ermutigen sie, die nötigen Schritte selbst zu tun“, erklärt Schultheis. Damit die jungen Frauen im Anschluss nicht in ein Loch fallen, versucht der Verein „Freunde von una cum“ die Lücke zu schließen. Mit Spenden unterstützt er gemeinsame Aktionen wie Reittherapiestunden oder Ausflüge. So entstand auch die Idee, die ausgestellten Werke in einer Auktion zu versteigern. Und die Besucher boten fleißig — am Ende hatten alle Ausstellungsstücke neue Besitzer gefunden. Mit dem Erlös will der Verein eine Mutter-Kind-Reise in die Toskana unterstützen.

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