Junge Menschen mischen in der Städteregion Aachen kräftig mit

Unüberhörbare Stimme der Jugend : Jugendpartizipation der Städteregion zieht positive Bilanz

Die Zeichen stehen auf Veränderung, und das sorgt für eine gehörige Portion Wehmut: Am 31. Juli ist offiziell Schluss für Conny Schmetz und Hannah Kaldenbach. Dann endet ihr Freiwilliges Politisches Jahr in der Koordinationsstelle Jugendpartizipation der Städteregion.

Und damit auch eine „sensationelle Zeit“, wie die beiden jungen Frauen (20 und 19 Jahre alt) im Rückblick feststellen. Das liegt wohl auch daran, dass die Koordinationsstelle, die zum städteregionalen Bildungsbüro gehört, in Nordrhein-Westfalen einzigartig ist. Keine andere Kommune und kein anderer Kreis im Land bietet Jugendlichen eine derart umfangreiche und direkte Möglichkeit, sich in die Politik einzumischen und sie mitzubestimmen.

Präsentation in Düsseldorf

So richtig bewusst wurde das den beiden „FPJlerinnen“ im vergangenen Dezember, als sie NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer und Vertretern von 50 Bildungsbüros in Düsseldorf die Koordinationsstelle und ihre Arbeit vorstellen durften. „In anderen Städten können sich die Jugendvertreter glücklich schätzen, wenn ihnen ein Sitz im Schulausschuss zugebilligt wird. Wir und die Bezirksschülervertretung aber gehören in der Städteregion acht Ausschüssen mit beratenden Mitgliedern an und können dort auf Augenhöhe mit den Fraktionen diskutieren“, unterstreicht Conny Schmetz.

Dass die Politiker das sehr schätzen, haben sie jüngst im Städteregionstag noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht. Nach dem Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate gab es viele lobende Worte und kräftigen Applaus.

Das hat auch Ines Alberding gefreut. Die studentische Mitarbeiterin und Studentin der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule in Aachen bleibt die Konstante in der Koordinationsstelle und ist somit auch das Bindeglied zu den beiden Freiwilligen, die am 1. August ihr Politisches Jahr beginnen. „Natürlich wird es einen Einschnitt geben. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir an die tolle Arbeit, die wir als Team geleistet haben, auch in neuer Besetzung anknüpfen werden können.“

Das mit der „tollen Arbeit“ kann Conny Schmetz nur unterstreichen. „Irgendwie war das ganze Jahr ein einziges Highlight“, schwärmt sie. Aber wenn sie dann doch das größte Highlight benennen soll, fällt ihre Wahl auf den Dialog zwischen Jugend und Politik am 16. Mai in den Aachener Kurpark-Terrassen. „Wir haben dort sehr viele junge Menschen mit dem Thema Europawahl erreicht und bei den Diskussionen fantastische Beiträge mit enormer Tiefe erlebt“, ist die 20-Jährige immer noch beeindruckt. Und sie ist sicher: „An diesem Tag haben wir eine ganze Menge junger Leute davon überzeugen können, dass es sich lohnt, wählen zu gehen.“

Gelohnt hat sich aus Sicht von Conny Schmetz und Hannah Kaldenbach auch der enorme organisatorische Aufwand, der mit dem siebten städteregionalen Schülervertretungstag am Aachener Tivoli im März verbunden war. Einmal im Jahr kommen dort bis zu 200 Schülervertreter und SV-Lehrer zusammen, um sich auszutauschen und fortzubilden. Diesmal ging es vor allem um Projektmanagement, Rhetorik, Öffentlichkeitsarbeit sowie Rechte und Pflichten einer Schülervertretung. Und wenn auch mit Blick auf die nächsten zwölf Monate noch einiges offen ist und viel davon abhängen wird, welche Akzente die beiden „Neuen“ setzen werden, so ist eins doch bereits jetzt klar: „Auch im nächsten Jahr wird es wieder einen städteregionalen Schülervertretungstag geben“, versichert Ines Alberding.

Conny Schmetz wird dann Politikwissenschaft in Duisburg studieren. Und Hannah Kaldenbach Sprach- und Kommunikationswissenschaft, am liebsten in Aachen, doch der Bescheid steht noch aus. Beide wollen die weitere Entwicklung der Koordinationsstelle aufmerksam verfolgen und den Kontakt zu Ines Alberding halten. Die wird ihnen vermutlich in naher Zukunft davon berichten können, wie es mit dem neuen Jugendpartizipationsprojekt weitergeht.

Kein Thema im Unterricht

„Das Problem ist, dass die Städteregion im Unterricht der Schulen leider so gut wie gar nicht thematisiert wird“, bemängelt die 22-Jährige. Deshalb haben die Mitarbeiterinnen der Koordinationsstelle die Entwicklung eines Planspiels angestoßen, das die Städteregion und die Kommunalpolitik in den Fokus rücken soll. „Es stimmt nämlich nicht, dass die junge Generation nicht an politischen und gesellschaftlichen Themen interessiert ist“, betont Hannah Kaldenbach. Aber man müsse Politik greifbar machen und Möglichkeiten der Beteiligung aufzeigen. Das geht am besten, wenn junge Menschen von anderen jungen Menschen informiert werden.“

Conny Schmetz verweist auf eine positive Bilanz: „Wir haben mit unseren Aktionen und Projekten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr als 800 junge Erwachsene und Jugendliche erreicht.“ Und die „Fridays for Future“-Bewegung im Allgemeinen und ganz besonders die Demonstration am 21. Juni mit 40.000 Teilnehmern in Aachen belegten doch sehr eindrucksvoll, dass „die Jugend von heute“ sehr wohl interessiert und engagiert sei.

Darauf setzt Ines Alberding auch, wenn sie in die nahe Zukunft blickt: „Jeder Jugendliche hat die Möglichkeit, auf uns zuzukommen und gesellschaftliche Probleme anzusprechen, um die wir uns kümmern sollen“, betont sie. „Junge Menschen können aber auch selbst Projekte anstoßen und damit etwas ändern.“ Hier kann dann die Jugendbank, die ebenfalls zum Angebot der Koordinationsstelle gehört, auf Antrag mit einem finanziellen Zuschuss Hilfestellung leisten.

Den Weg zur Koordinationsstelle Jugendpartizipation finden Interessierte zu Fuß (Zollernstraße 16 in Aachen), per Mail (jugendpartizipation@staedteregion-aachen.de) und telefonisch (0241/5198-4325). Und sogar eine Faxnummer gibt es (0241/5198-84325). Die Hauptströme der Kommunikation aber laufen mittlerweile an diesen klassischen Kontaktpunkten vorbei. Schon seit einigen Jahren gibt es eine viel genutzte Facebook-Präsenz (http://www.facebook.com/dasgeht.sr) und seit 2018 auch eine Instagram-Seite (www.instagram.com/dasgeht.de).

„Die Social-Media-Arbeit ist enorm wichtig“, weiß Ines Alberding. Entsprechend werden beide Plattformen sorgfältig gepflegt und bedient. Immer mit dem Ziel, in Zukunft noch mehr junge Leute zu erreichen. „Das werden wir schaffen“, meint die 22-Jährige. In neuer Besetzung und ganz ohne Wehmut.

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