Jugendkarlspreis Aachen an Radioprojekt Europhonica IT aus Italien

Jugendkarlspreis verliehen : Ein Radiosender, der junge Europäer verbindet

Italienische Radiosendung gewinnt Jugendkarlspreis

Der erste Platz des Jugendkarlspreises 2019 geht an das italienische Projekt „Europhonica IT“. Damit setzt es sich gegen 290 Bewerbungen aus allen EU-Ländern durch. Studierende und Berufseinsteiger erklären bei „Europhonica IT“ ein mal im Monat europäische Institutionen und bringen jungen Menschen Europa näher.

Sarah Penge liefen Tränen über die Wangen, als sie im Krönungssaal des Rathauses vor das Mikrofon trat. Freudentränen wohlgemerkt, denn die Radiosendung „Europhonica IT“, für die sie stellvertretend auf der Bühne stand, gewann den mit 7500 Euro dotierten, ersten Platz des Europäischen Jugendkarlspreis.

Es sei von großer Wichtigkeit, im Zeitalter von Fake News selbige zu bekämpfen und junge Leute für das europäische Geschehen zu begeistern und zu informieren, sagte sie. Und genau dafür setze sich „Europhonica IT“ ein. Die Radiosendung, an der sich Studierende und Berufseinsteiger aus Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Deutschland beteiligen, wird einmal im Monat aus dem Europäischen Parlament übertragen. Dort erklären die Macher die europäischen Institutionen und zeigen auf, wie bürgerliches europäisches Engagement funktioniert.

Sarah Penge fügte ihren Dankesworten sichtlich gerührt hinzu: „Wir widmen den Jugenskarlspreis unseren Kollegen Antonio Megalizzi und Barto Pedro Orent-Niedzielsk, die bei dem Anschlag vergangenes Jahr in Straßburg auf dem Weihnachtsmarkt umgekommen sind.“

Vor der Verkündung des Erstplatzierten konnten sich im Laufe der Veranstaltung alle 28 nominierten Projekte kurz vorstellen. Darunter waren Apps, die europäische Inhalte an junge Menschen vermitteln, ein Kartenspiel, das hilft, Fake News zu erkennen, und ein Projekt, das gehörgeschädigte Menschen zusammenbringt und auf europäischer Ebene weiterbildet.

Hans-Gert Pöttering, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, hielt fest, dass Europa auch ein Bekenntnis zur eigenen Heimat sei, denn genau dort beginne Europa. Er überreichte den zweiten Preis an Yannika Ronnqvist, die für das finnische Projekt „Deine europäische Bügerschaft“ auf die Bühne trat. „Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, aber wir freuen uns sehr“, sagte sie euphorisch. Auf die Frage, was das Erste sei, was sie tun werde, wenn sie wieder zu Hause sei, antwortete sie gut gelaunt: „Als Allererstes schlafen. Aber dann werde ich die Organisation anrufen, und wir werden gemeinsam feiern.“

Das finnische Projekt des Europäischen Jugendparlaments schaffte es unter anderem, bei vier internationalen Veranstaltungen im vergangenen Jahr etwa 500 junge Menschen zusammenzubringen und einen Austausch über europäische Themen anzustoßen. Für den zweiten Platz erhält „Deine europäische Bürgerschaft“ insgesamt 5000 Euro Preisgeld.

Wie wichtig solche Zusammentreffen von jungen Menschen über Grenzen hinweg sind, unterstrich auch der Vizepräsident des Europäischen Parlaments Rainer Wieland. „Wir dürfen den Fliehkräften, die es innerhalb der europäischen Gemeinschaften gibt, nicht die Überhand lassen“, sagte er. „Die eingereichten Projekte sind ein exzellentes Beispiel dafür, wie für europäische Ideale geworben werden kann.“ Er sei stolz auf alle, die sich mit so viel Mühe und ehrenamtlicher Tätigkeit für Europa einsetzten.

Auch Canan Yasar, die stellvertretende Preisträgerin des drittplatzierten Projektes „MuslimInnen gegen Anitsemitismus“ aus Österreich, sagte, sie habe mit der Ehrung nicht gerechnet. „Schon die Mitteilung, dass wir nominiert sind, musste ich mehrfach lesen, bis ich es geglaubt habe.“ Jeder Europäer sei dafür verantwortlich, sich gegen den aufkeimenden Populismus zu wehren. Mit Workshops, einer Gedenkreise ins ehemalige Konzentrationslager Auschwitz und einem Treffen mit einer Zeitzeugin sollten Vorurteile und Stereotypen zwischen Muslimen und Juden aufgelöst werden.

Die ansteckende Motivation und Aufbruchstimmung der Veranstaltung spiegelte sich nicht zuletzt in der musikalischen Begleitung des Orchesters des Einhard Gymnasiums Aachen wieder. Für ihre Zusammenstellung von mehreren Queen-Hymnen ernteten sie großen Applaus.

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