Aachen: Jugendchor bewältigt Herkulesaufgabe

Aachen: Jugendchor bewältigt Herkulesaufgabe

Gesamtaufführungen von Bachs Messe in h-Moll sind für ehrgeizige Chöre so verlockend, aber auch so anspruchsvoll wie die Besteigung eines 8000ers für jeden Gipfelstürmer.

In acht Wochenendproben wagte sich jetzt der Landesjugendchor Nordrhein-Westfalen an die Herkulesaufgabe heran — eine Vereinigung besonders begabter, professionell orientierter Nachwuchssänger unter dem Dach des Landesmusikrats NRW, die einer beeindruckenden Aufführung in der voll besetzten Kirche St. Johann Baptist erwartungsgemäß die stärksten Akzente verlieh.

Profikarrieren

Christiane Zywietz-Godland und ihr Gatte Hermann Godland, teilten sich die Leitung der zweieinhalbstündigen Aufführung und führten mit ihrer reichen Erfahrung die Choristen zu einer Leistung, mit der auch die schwierigsten Partien des Werks bewältigt werden konnten.

Intonationssicherheit, homogene Ausgewogenheit im Verhältnis von Frauen- und Männerstimmen, rhythmische Präzision, vorbildliche Artikulation und eine trotz der halligen Akustik befriedigende Textverständlichkeit sind für die jungen Sänger, von denen die meisten eine professionelle Gesangskarriere anstreben, Ehrensache.

Mit viel Elan

Und den freudig erregten Teilen des Werks, etwas dem „Gloria“ oder dem „Et resurrexit“, kam der jugendliche Elan noch zusätzlich entgegen. Dieses Geschenk der Jugend nutzte auch das Dirigentenpaar und schlug insgesamt zügige Tempi an, verzichtete auf jedes pathetische Fettpölsterchen und theatralischen Überdruck.

Dafür achteten sie auf einen geschlossenen, gleichwohl transparenten Gesamtklang, der freilich im Kirchenraum mitunter aus dem Lot geriet. Und heilsgeschichtlichen Schlüsselstellen wie dem „Et incarnatus“ oder dem „Crucifixus“ fehlte es auch nicht an spiritueller Tiefenschärfe.

Besetzt man die nicht minder heiklen Solo-Partien allerdings mit noch so begabten Choristen, nimmt man ein unwägbares Risiko in Kauf, das in Aachen den Gesamteindruck der Aufführung letztlich trübte.

Es ist gut gemeint, die jungen Leute auch an solche extremen Herausforderungen heranzuführen. Allerdings nicht um den Preis einer permanenten Überforderung, die sich nicht zuletzt in etlichen Wackelkontakten im Zusammenwirken mit dem Orchester niederschlug.

Probleme mit der Balance

Die Accademia Filarmonica Köln musizierte auf Originalinstrumenten, bewältigte ihre Aufgaben auf gutem Niveau, hatte allerdings Probleme mit der klanglichen Balance zwischen den Instrumentengruppen. Die Holzbläser waren entweder kaum zu hören oder dominierten das Spiel, so dass von einem runden Klangbild kaum gesprochen werden kann.

Einwände, die freilich nicht den Blick auf die großartige Gesamtleistung der Aufführung und vor allem das Niveau des Chors versperren sollen. Großer Beifall für ein eindrucksvolles Konzerterlebnis.