Aachen: Jugend forscht: Von Ötzis Kleber bis zum Öcher Wetter

Aachen : Jugend forscht: Von Ötzis Kleber bis zum Öcher Wetter

Helena Zitzewitz und Katharina Voigt sind Freundinnen. Als solche tun die beiden Domsingschülerinnen das, was Freundinnen nicht selten tun: telefonieren. Die eine wohnt im Aachener Süden in Burtscheid, die andere im Aachener Norden in Haaren.

Und als sie so telefonierten, stellten sie bisweilen fest: An der einen Stelle der Stadt war gerade ein ganz anderes Wetter als an der anderen Stelle — obwohl sie nur sieben Kilometer voneinander entfernt waren. Die beiden Schülerinnen fragten sich, warum das so ist — und machten aus dieser Frage ein Projekt für den diesjährigen Regionalwettbewerb von „Jugend forscht/Schüler experimentieren“. Für ihre Untersuchungen erhielten sie von der Fachjury in Geo- und Raumwissenschaften bei der großen Präsentation aller Projekte im Foschungszentrum Jülich einen dritten Preis.

Das Gesicht von „Jugend forscht/Schüler experimentieren“: Regionalkoordinator Werner Decker gibt sein Amt nach 17 Jahren in andere Hände. Foto: Forschungszentrum Jülich/Ralf-Uwe Limbach

Insgesamt traten diesmal 71 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit 46 Projekten aus Aachen, Aldenhoven, Baesweiler, Düren, Herzogenrath, Jülich, Übach-Palenberg, Würselen und Zülpich an — 25 für „Jugend forscht“ (15 bis 21 Jahre), 46 für „Schüler experimentieren“ (bis 14 Jahre).

Für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Aachen sprang in diesem Jahr zwar kein 1. Preis heraus, der zur Teilnahme am Landeswettbwerb berechtigt. Dafür gab es aber gleich reihenweise tolle 2. und 3. Plätze. Wobei es bei diesem Wettbwerb nicht automatisch in jedem der sieben Arbeitsfelder einen 1., 2. und 3. Preis gibt. Vielmehr geht es bei der Bewertung streng nach wissenschaftlichen Kriterien.

Mehr Reichweite dank Fahrtwind

Dabei überzeugten zum Beispiel auch Katharina Arndt und Julia Kuckelkorn vom Pius- beziehungsweise St.-Ursula-Gymnasium. Sie hatten sich klebrige Experimente als Forschungsgegenstand ausgesucht. Dabei kamen jedoch längst nicht nur handelsübliche Sachen wie Uhu, Pattex und Co. auf den Prüfstand. Vielmehr stellten sie auch Kleber aus Birkenpech — wie es schon Eismann Ötzi tat — oder Kartoffelstärke her und verglichen die Klebeleistung mit moderner Chemie. Dafür gab es einen 2. Preis — eben in Chemie. Die beiden Elfjährigen räumten zudem auch noch den Sonderpreis der Jugendjury für die beste Präsentation ab.

Am Puls der Zeit forschten unter anderem Max Eckey und Iason Hartmann vom Einhard-Gymnasium — nämlich im Bereich der Akkukapazität, die in Sachen Elektromobilität eine entscheidende Rolle spielt. Ihre „range-extender Turbine“ (reichweitenverlängernde Turbine) wandelt kinetische Energie in Form des Fahrtwindes in elektrische Energie um, die dann in die Akkus eingespeist werden kann. Das brachte einen 3. Preis in der Kategorie Technik. Ob indes Pflanzen schneller wachsen, wenn man sie Magnetfeldern aussetzt, untersuchte Jan Ehms vom Inda-Gymnasium. Sein Projekt wurde von der Jury mit einem 2. Platz in Biologie gewürdigt. Die Reihe dieser spannenden Projekte ließe sich auf elf ausdehnen. Genaus so viele Preise gingen nach Aachen.

Für viele Teilnehmer — die teils seit Jahren bei „Jugend forscht/Schüler experimentieren“ mitmachen — gab es diesmal auch ein weinendes Auge. Denn der allseits äußerst beliebte Leiter des Regionalwettbewerbs, Werner Decker, wurde verabschiedet. 2001 hatte der Lehrer als Jurymitglied bei Jugend forscht angefangen und bereits ein Jahr darauf die Wettbewerbsleitung übernommen. Dieses Ehrenamt übte er dann 17 Jahre lang aus und schied nun auf eigenen Wunsch aus. „Es lässt sich nicht ermessen, wie viel Zeit und Herzblut Werner Decker ehrenamtlich im Laufe der Jahre in den Regionalwettbewerb gesteckt hat“, würdigte die Patenbeauftragte Vera Heunemann vom Forschungszentrum Jülich seine Verdienste.

Von Nicole Ewers, Landesnetzwerkkoordinatorin Hessen und Nordrhein-Westfalen von Jugend forscht, erhielt Decker die goldene Ehrennadel der Stiftung für sein großes Engagement.

Im kommenden Jahr geht es dann unter neuer Regie im Forschungszentrum Jülich — das dank der Unterstützung durch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wiederum einen hervorragenden Rahmen für den Regionalwettbewerb bot — weiter.

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