Aachen: Jürgen Beckers schießt den närrischen Vogel ab

Aachen : Jürgen Beckers schießt den närrischen Vogel ab

Es ist ausgerechnet ein Griechischlehrer, der den Olymp humoristischer Höhen erklommen hat. Närrische Goldmedaille für einen Pauker, einen, der von Berufswegen eher selten Applaus erhält!

Und Jürgen Beckers - alias Jürgen B. Hausmann - blieb dann auch sprichwörtlich die Spucke weg, als er am Samstagvormittag während der Oper-Air-Sitzung von Prinz Boris I. am Holzgraben in Aachen als bester Programmpunkt der AKV-Festsitzung „Wider den tierischen Ernst” bekannt gegeben wurde.

Die Leserinnen und Leser unserer Zeitung hatten ihre Stimmen abgegeben, rund 10.000 eingereichte Bewertungsbögen stellten eines klar heraus: Bestnote 1,46 für den Pädagogen in der Bütt - absolute Spitze. „Ich bin sprachlos”, konnte es Beckers kaum glauben, um gleich darauf pointiert seinen Gefühlen dennoch Ausdruck zu verleihen: „Ich freue mir.” Sein jecker Ritt als Jockey durch die Ställe deutscher Parteizentralen war angekommen - ausnahmslos.

Ritter am Telefon

Und das galt größtenteils auch für den Rest der Fernsehsitzung, die vor zehn Tagen live in Millionen Haushalte in der ganzen Republik gesendet worden war. Note 2,15 für den Gesamteindruck, damit wurde nur knapp das Vorjahresergebnis verfehlt. Nicht zu Unrecht zeigte sich AKV-Präsident Dieter Bischof stolz auf das Geleistete, freute sich über den Zuspruch der Aachener. „Es haben an diesem Tag mehr Menschen nach Aachen, als nach Turin geschaut. Das macht uns mehr als glücklich”, sagte Bischof.

Den zweiten Platz konnte Laudator Karl Kardinal Lehmann für sich verbuchen. Seine sympathische Lobeshymne auf den Nachfolger im Narrenkäfig wurde mit 1,6 bewertet. Nur knapp dahinter reihte sich der neue Ordensritter Friedrich Merz in die Gruppe der Besten des Abends ein. Und das, obwohl seine Rede polarisiert und deren Entstehung für großen Wirbel gesorgt hatte.

Auch bei der Nachlese am Holzgraben war das „Plagiat Ritterrede” noch ein Thema. „Wir hätten uns gewünscht, dass die schönen Schlagzeilen über die Festsitzung im Vordergrund gestanden hätten”, erklärte Bischof mit kritischem Blick auf die heimische Berichterstattung.

AZ-Redakteur Manfred Kutsch konnte da nur kontern: „Auch in der Redaktion wird gerne Karneval gefeiert. Aber der Orden ,Wider den tierischen Ernst ist nun mal ein Kulturpreis. Wenn der Ordensritter dann seine Rede abkupfert, kann es das doch nicht sein”, klärte er, dass Berichterstattung keine PR-Arbeit ist.

Auch der Ritter selbst schaltete sich via Telefon ein. Er saß gerade an einer Dankes-E-Mail an seinen Laudator Lehmann. „Das war ein tolles Wochenende, es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Die Aachener sind ein gutes Publikum. Nächstes Jahr komme ich wieder”, ließ Merz aus dem Hochsauerland verlauten, um dann doch noch einmal schärfer zu schießen: Den unschönen Teil des Karnevals habe er auch kennen gelernt, die Presse habe trotz seiner Erklärung zur Rede am Sonntag, montags „zugeschlagen”.

Bei allem Für und Wider zum Ideenklaus taten es AKV-Präsident und AZ-Redakteur dann doch dem Protagonisten Merz gleich. Nach dessen Aussöhnung mit Reden-Urheberin Monika Rieboldt war man sich auch in Aachens City schnell einig: Die Geschichte sei gütlich zu Ende gegangen, jetzt werde weiter fröhlicher Karneval gefeiert. Also, Ende gut, alles gut...

Die Gewinner der Vorjahre, Josef, Jupp und Jüppchen mussten sich diesmal mit dem vierten Platz begnügen, gefolgt von Prinz Boris I. und seinem Hofstaat, sowie dem ersten Sieger im Kampf um den besten musikalischen Teil, den „Jonge vajjen Beverau”. Auf dem zehnten Platz landete Gregor Gysi. „Für einen, in Ostdeutschland aufgewachsenen Nicht-Karnevalisten, sicherlich ein zufrieden stellendes Ergebnis”, resümierte Kutsch. Und auch die Moderatoren Dieter Bischof und Rolf Gerrards wurden von Publikum gewürdigt. Note gut bis gut minus.

Ordensritter Friedrich Merz hat sein Rittergeschenk - zwei Flüge für zwei Personen mit der Air-Berlin - dem AKV zukommen lassen. Sie werden am Mittwoch im Internet versteigert. Der Erlös kommt Unicef zugute.