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Aachener Mundartdichter: Joseph Müller hinterließ ein großes Werk auf Öcher Platt

Aachener Mundartdichter : Joseph Müller hinterließ ein großes Werk auf Öcher Platt

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats. Diesmal geht es um einen Mitgründer des Karlsvereins.

Als Archivale des Monats August zeigt das Aachener Stadtarchiv diesmal ein Foto des Aachener Mundartdichters Joseph Müller. Am 5. August jährt sich sein Todestag zum 150. Mal, wie die Stadt Aachen in einer Pressemitteilung ausführt. Das Stück mit einem kurzen Begleittext wird in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert.

Joseph Müller wurde am 12. November 1802 als Sohn eines Schuhmachers in der Pontstraße geboren. Müller machte sich in seiner Heimatstadt nicht nur als Stadtverordneter, Lehrer, Sekretär des Mariannenvereins für arme Wöchnerinnen, Mitgründer des Karlsvereins und aktives Mitglied in einigen anderen Vereinen einen Namen, sondern wurde auch als Verfasser eines umfassenden Werks an Dichtungen und Prosawerken in Öcher Platt bekannt.

Joseph Müller besuchte das städtische Gymnasium – das spätere Kaiser-Karls-Gymnasium – und studierte anschließend alte Sprachen und Geschichte in Bonn; das Geld hierfür verdiente er sich durch Nachhilfeunterricht. Ab 1827 arbeitete er an dem Gymnasium, das er selbst besucht hatte, als Lehrer für Neuere Sprachen und Naturwissenschaften. Im Jahr 1832 heiratete er Karolina Michaelis, die aus der Familie Reumont stammte. Mit ihr hatte er eine Tochter und einen Sohn. Als Autor nahm sich Müller verschiedener Themen an. Er verfasste einige naturwissenschaftliche Schriften über die Aachener Kreide und Flora, aber auch sprachwissenschaftliche Arbeiten.

Sein von ihm und Wilhelm Weitz 1836 herausgegebenes Wörterbuch „Die Aachener Mundart“ war das erste Wörterbuch des Öcher Platt. Wirklich bekannt wurde Müller aber durch seine Erzählungen auf Öcher Platt. Die von ihm geschaffene Figur des angeblich glorreichen Soldaten Bamberg, der in der Wirtschaft „Auf dem Knipp“ von seinen unglaublichen Heldentaten auf den Feldzügen in Spanien und Russland erzählte, amüsierte und begeisterte die Aachener Leser. In „Osen äreme Bastian“ erzählte er die Geschichte eines Aachener Muttersöhnchens und in „Manes Brei“ vom Leben und den Taten eines Emporkömmlings. Auch einen Band zu Aachener Sagen und Legenden gab er heraus.

Im Herbst 1868 schied er aus dem Schuldienst aus. Joseph Müller starb nach langer Krankheit am 5. August 1872. Er wurde auf dem damaligen katholischen Friedhof vor dem Adalbertstor, dem heutigen Ostfriedhof, beerdigt. Die Stadt Aachen ehrte Joseph Müller, indem sie 1927 eine Straße, die von der Roermonder Straße abzweigende Jupp-Müller-Straße, nach ihm benannte.

(red)