Aachen: Jochen Ostländer ist der neue Leiter der Offenen Tür Josefshaus

Aachen : Jochen Ostländer ist der neue Leiter der Offenen Tür Josefshaus

Aachen im Juli, die Stadt ist im Ferienmodus. Auch in der Offenen Tür Josefshaus läuft das Ferienprogramm für die Kinder und Jugendlichen aus dem Viertel. Jochen Ostländer ist nicht im Ferienmodus. Vor knapp drei Monaten erst hat er seinen neuen Job angetreten.

Jochen Ostländer, 33, Diplom-Sozialarbeiter und Systemischer Berater, ist der noch relativ neue Leiter der OT Josefshaus. Am Kirberichshofer Weg ist er Nachfolger von Richard Okon, der an Heiligabend völlig unerwartet gestorben war. Der vielbemühte Spruch von den großen Fußstapfen, in die „der Neue“ nun tritt, drängt sich da geradezu auf.

Nicht nur am Kicker zu gebrauchen: Pfarrer Markus Frohn (links) ist froh, dass er Jochen Ostländer in seiner Mannschaft hat. Foto: Michael Jaspers

„Ja“, sagt Ostländer, „ich habe große Fußstapfen vorgefunden. Aber die muss ich nicht ausfüllen. Es sind ja nicht meine.“ Er wolle bewährte Strukturen und Angebote weiterführen, aber auch Dinge ausprobieren und neue Akzente setzen. Spannende Zeiten also — für Ostländer wie für die vielen Menschen, die im Jugendtreff ein- und ausgehen.

Schock an Weihnachten

Träger der Offenen Tür Josefshaus ist der katholische Kirchengemeindeverband Aachen-Ost/Eilendorf, zu dem auch die Pfarrgemeinde St. Josef und Fronleichnam gehört. Der plötzliche Tod des weithin geschätzten Richard Okon sei ein schlimmer Schock gewesen, sagt Pfarrer Markus Frohn. „Für uns brach eine Welt zusammen.“ Die beiden hauptamtlichen OT-Mitarbeiterinnen, Jennifer Darkwah und Silvy Crnjavic, hätten sich über die Maßen engagiert und viel geleistet, um den Betrieb in den schwierigen Wochen und Monaten danach aufrechtzuhalten.

Der neue OT-Leiter ist gebürtiger Stolberger. „Das Josefshaus ist für mich eine neue Herausforderung“, sagt Ostländer, der an der Katholischen Hochschule in Aachen Soziale Arbeit studiert hat. Ins Josefshaus wechselte er aus Wegberg, wo er mehr als sechs Jahre das katholische Jugendzentrum St. Martin, eine Kleine offene Tür (KoT), leitete.

„In der kleinen Einrichtung in Wegberg war ich mehr oder weniger Einzelkämpfer“, sagt er. Das Josefshaus ist da eine andere Nummer. Rein flächenmäßig gehört die Offene Tür sogar zu den größten im Bistum. „Mein erster Arbeitstag war klasse“, erinnert sich Ostländer. Das Team hatte ein Grillfest organisiert. „Alle saßen an einer langen Tafel im Hof, und die Kinder und Jugendlichen haben sich den Neuen angeguckt.“ Der wiederum dürfte sich die vielen neuen Gesichter allmählich gemerkt haben. „Bei einigen habe ich mich bestimmt drei Mal vorgestellt“, sagt er und lacht.

Jugendbüro und „Abendbrot“

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von sechs bis 27 finden im Josefshaus ein breites Angebot. Und auch wenn reichlich Platz ist, muss das Miteinander doch organisiert werden. „Es ist wichtig, dass wir den verschiedenen Altersgruppen Räume bieten“, sagt Ostländer. Das Jugendbüro, Anlaufstelle von Jugendlichen für Jugendliche, wird gerade wieder neu belebt. Wer Teilhabe von jungen Menschen wolle, müsse ihnen auch den Raum geben, Dinge auszuprobieren, sagt der OT-Leiter. Und das Jugendparlament der Offenen Tür — Stichwort politische Bildung — ist gerade mit zehn Leuten auf Berlinreise. Das Bundesprogramm „Demokratie leben“ hat das ermöglicht.

Auch unter Ostländers Leitung gibt es zweimal in der Woche das „Abendbrot“, bei dem alle gemeinsam kochen und essen. „Das verbindet auch Leute, die sich vorher gar nicht grün waren“, beobachtet Ostländer. „Und leider ist es für viele Kinder die erste Mahlzeit am Tag.“

Ganz unverzichtbar ist aus seiner Sicht das ehrenamtliche Engagement von jungen Leuten im Team. „Der Thekenverkauf zum Beispiel kann nur stattfinden, wenn Ehrenamtler das übernehmen.“ Derzeit läuft eine Kampagne zur Gewinnung neuer Ehrenamtler. „Aber die müssen auch geschult und begleitet werden“, betont der OT-Leiter.

Vor mehr als 45 Jahren wurde das Josefshaus eröffnet. Junge Menschen aus vielen Nationen gehen dort ein und aus. „Das Gebäude atmet den Charme der siebziger Jahre“, sagt Markus Frohn. Aus Kirchensteuermitteln sei über die Jahre manches erneuert worden. Und einiges ist noch zu tun. „Der Sportboden knarrt mittlerweile bei jedem Schritt“, weiß Frohn. Gemeinsam mit den Jugendlichen will Jochen Ostländer auch etwas für den Wohlfühlfaktor tun.

„Die Räume müssen für die Jugendlichen attraktiv sein“, findet er, „hier muss mehr Helligkeit und Freundlichkeit rein.“ Die verklinkerten Wände, in den Siebzigern der letzte Schrei, bleiben erhalten. Aber davor, überlegt Ostländer, könnte man große Holzplatten platzieren. Der Graffiti-Workshop zur Gestaltung läuft nächste Woche.

Sorge ums Geld

Und dann ist da noch das leidige Thema Geld. Träger der offenen Jugendarbeit in Aachen, die in der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Offener Türen (AGOT) zusammengeschlossen sind, haben sich jüngst an Oberbürgermeister Marcel Philipp gewandt. Sie beantragen eine verlässlichere Finanzierung der offenen Jugendarbeit durch die Stadt. Ansonsten drohe einigen Einrichtungen sogar die Schließung.

Im Namen des Kirchengemeindeverbands hat Markus Frohn auch selbst an die Stadt geschrieben und dringend um Erhöhung der Sockelförderung für das Josefshaus gebeten. „Wir schaffen hier keine goldenen Wasserhähne an“, sagt er, „es geht um den laufenden Betrieb. Bei den Personalkosten wird die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben von Jahr zu Jahr größer.“ In der Offenen Tür werde großartige präventive Arbeit geleistet, versichert der Pfarrer, „stellen Sie sich mal vor, es gäbe das Josefshaus nicht mehr!“

Die Sorge ums Geld treibt auch den neuen OT-Leiter um: „Ich wünsche mir, dass die OT Josefshaus weiterhin ein verlässlicher Partner für allen Akteure im Ostviertel ist. Aber dafür brauchen wir auch die Wertschätzung durch die Stadt.“

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